Immer mehr Menschen sind chronisch krank. Disease-Management-Programme ( DMP ) garantieren eine qualitätsgesicherte Versorgung und beziehen den Patienten in seine Behandlung mit ein. Ulrike Brünig ( Expertin für Strukturierte Behandlungsprogramme ), Stefanie Eisenhuth ( Gesundheitsmanagerin bei der IKK gesund plus ) und die Ärztin Dr. Kerstin Bohse beantworteten Fragen der Volksstimme-Leser zu Disease-Management-Programmen.

Frage : Ich habe von unterschiedlichen Disease-Management-Programmen gehört. Was sind das für welche ?

Antwort : DM-Programme können derzeit für Diabetes Typ I und Typ II, Brustkrebs, Koronare Herzkrankheit und Asthma / COPD ( chronisch obstruktive Atemwegserkrankungen ) angeboten werden. Diese Programme zielen darauf ab, die Versorgung und Betreuung chronisch Erkrankter zu verbessern. Man bezeichnet DM-Programme daher auch als " Chronikerprogramme ". Im Falle chronischer Erkrankungen ist ein gut abgestimmtes Vorgehen bei der gesundheitlichen Versorgung sehr wichtig, um etwa das Risiko für Komplikationen oder Folgeschäden zu reduzieren oder zu vermeiden.

Frage : Was kostet die Teilnahme am Disease-Management-Programm ?

Antwort : Die Teilnahme am Disease-Management-Programm ist kostenfrei. Die aktive Mitwirkung wird noch durch einen Bonus belohnt. Dieser ist von Krankenkasse zu Krankenkasse unterschiedlich. Bei der IKK gesund plus zum Beispiel bekommen Sie für die Teilnahme an einem DMP als Bonus 25 Prozent Ihrer geleisteten gesetzlichen Zuzahlungen erstattet.

Frage : Was kann ich als chronisch Kranker zusätzlich für mich tun ?

Antwort : Abgesehen von der medizinischen Hilfe und den organisierten Maßnahmen können chronisch Kranke verschiedene Beratungsangebote der Krankenkassen in Anspruch nehmen, beispielsweise zu den Themen Lebensführung oder Ernährung. Für viele Betroffene ist die Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe wertvoll.

Frage : Was macht das Besondere an diesem Disease-Management-Programm aus ?

Antwort : Es gibt für die ärztliche Versorgung feste Leitlinien. Die Versorgung ist strukturiert und beinhaltet konkrete Versorgungsaufträge für Haus- und Fachärzte. Die Patienten werden aktiv einbezogen, zum Beispiel durch das Vereinbaren individueller Zielwerte mit dem koordinierenden Arzt. Und es gibt für die Patienten spezifi sche Informationen und Angebote sowie die Möglichkeit zur Teilnahme an Patientenschulungen.

Frage : Wenn ich bei diesem Programm mitmache, muss ich da immer zum selben Arzt gehen ?

Antwort : Das ist erforderlich, sonst würde der im Disease-Management-Programm vorgegebene Behandlungsplan und die vereinbarte Kommunikation zwischen den Ärzten beeinträchtigt. Deshalb ist schon in ihrem eigenen Interesse, eine kontinuierliche Betreuung empfehlenswert.

Frage : Wann gilt ein Patient als chronisch krank ?

Antwort : Eine Krankheit ist chronisch, wenn sie wenigstens ein Jahr lang, mindestens einmal pro Quartal ärztlich behandelt wurde - also eine Dauerbehandlung vorliegt. Außerdem muss eines der folgenden drei Merkmale erfüllt sein :

1. eine Pfl egebedürftigkeit der Pflegestufe 2 oder 3.

2. ein Grad der Behinderung von mindestens 60 Prozent oder eine Minderung der Erwerbsfähigkeit von mindestens 60 Prozent, zumindest auch als Folge der Krankheit.

3. die Notwendigkeit einer andauernden medizinischen Versorgung. Das kann eine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung sein, eine Arzneimitteltherapie, Behandlungspflege oder die Versorgung mit Heil- und Hilfsmitteln, ohne die nach ärztlicher Einschätzung eine lebensbedrohliche Verschlimmerung der Erkrankung, eine Verminderung der Lebenserwartung oder eine dauerhafte Beeinträchtigung der Lebensqualität zu erwarten ist.

Frage : Wo kann ich mich über die Regelungen und die Teilnahmebedingungen für das Disease-Management-Programm informieren. Bieten alle Krankenkassen dieses Programm an ?

Antwort : Mittlerweile bieten fast alle Krankenkassen Disease-Management-Programme an. Ihre Kasse informiert sie sicher gerne über die bestimmten Bedingungen und Bonusmöglichkeiten. Hier bekommen sie detaillierte Informationen, welche Ärzte in ihrer Nähe am jeweiligen Programm teilnehmen.

Frage : Was unterscheidet die Behandlung im Disease-Management-Programm von einer so genannten normalen Behandlung ?

Antwort : Die Kontinuität der im Vorfeld abgestimmten Behandlung ist im Disease-Management-Programm der entscheidene Vorteil für Patienten. In der " normalen " ärztlichen Versorgung treten in der meist über einen langen Zeitraum erfolgten Behandlung nicht selten Kommunikationsmängel auf. Im Disease-Management-Programm passiert dies nicht, da sich alle Beteiligten auf Grund eines regelmäßigen Datenaustausches auf dem gleichen Wissenstand befinden. Die freie Arztwahl und die Therapiefreiheit des Arztes bleiben unangetastet.

Für die Patientinnen und Patienten eröffnen sich mit den strukturierten Behandlungsprogrammen Chancen, ihre Kompetenz für die eigene Gesundheit und den Umgang mit der Krankheit zu erhöhen. Sie werden über Diagnosen und therapeutische Schritte genau informiert und von ihrem Arzt von Anfang an in die Behandlungsentscheidungen mit einbezogen.

Frage : Was ist das Neue an diesen Programmen ? Soviel ich weiß, wurden vorher schon, zum Beispiel bei Diabetes, ständige Kontrollen und Schulungen durch die entsprechenden Ärzte durchgeführt.

Antwort : Im Rahmen der Programme werden Behandlungsmethoden eingesetzt, die in Studien auf Wirksamkeit, Sicherheit und Nutzen überprüft worden sind. Die Patienten erhalten damit eine Versorgung, die das Risiko von Folgeschäden und akuten Verschlechterungen der Krankheit soweit wie möglich verhindert und die Lebensqualität der Patienten verbessert. So sind für Patienten mit Diabetes mellitus Typ II zum Beispiel strukturierte Behandlungs- und Schulungsprogramme und regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Augenarzt in den Programmen vorgesehen. Darüber hinaus profitiert der Patient durch die in den Programmen geförderte Zusammenarbeit der Ärzte – Hausarzt, Facharzt oder Schwerpunktpraxis, Krankenhaus etc.

Frage : Gibt es für diese Programme festgelegte Teilnahmekriterien ?

Antwort : Die Anforderungen sind definiert im Bereich der Diagnose, bestimmter Werte und Parameter ( wie zum Beispiel Blutdruck und Blutzucker ). Die Teilnahmevoraussetzungen werden durch den Arzt geprüft.

Frage : Wer entscheidet, ob ich für ein Disease-Management-Programm geeignet bin ?

Antwort : Der behandelnde Arzt entscheidet, ob die Voraussetzungen an einer Teilnahme erfüllt sind. Grundlage der Behandlung ist ein Therapieplan auf der Basis einer individuellen Bewertung des Krankheitszustandes des Patienten. Hierzu tragen nicht zuletzt auch qualitativ gute Schulungsprogramme für Ärzte und Patienten bei, die auch die Patienten dazu bewegen, aktiv an der Behandlung mitzuwirken.