Probleme mit der Stimme oder der Sprache können das Selbstwertgefühl eines Menschen spürbar einschränken. Über mögliche Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten informierten sich gestern viele Leser in einem Volksstimme-Telefonforum. Uwe Seidenfaden notierte einige Fragen und Antworten.

Frage : Meine Stimme klingt seit einigen Wochen recht heiser. Eine Erkältung hatte ich in letzter Zeit nicht. Und ich rauche auch seit über einem Jahr schon nicht mehr. Was kann die Ursache der Heiserkeit sein ?

Antwort : Heiserkeit kann viele Ursachen haben. Sie reichen von Überbeanspruchungen des Stimmapparates, Entzündungen, Verletzungsfolgen bis hin zu neurologischen Erkrankungen und Kehlkopftumoren.

Insbesondere bei Kindern ist auch an angeborene Fehlbildungen zu denken.

Wenn die Heiserkeit länger als etwa zwei Wochen anhält oder zudem starke Halsschmerzen, Schluckbeschwerden oder sogar Atemnot auftritt, sollte man in jedem Fall zum HNO-Arzt gehen.

Es ist wichtig, unerklärliche Veränderungen der Stimme früh abzuklären, um ernsthafte Erkrankungen möglichst frühzeitig zu entdecken. Dann sind sie oft noch heilbar. Das gilt insbesondere bei Stimmproblemen von Rauchern oder von solchen Menschen, die früher einmal viel geraucht haben.

Frage : Mein Junge ist drei Jahre alt. Verglichen mit seiner zwei Jahre älteren Schwester lernt er nicht so schnell sprechen. Mir ist aufgefallen, dass er oft nicht reagiert wenn ich ihn anspreche. Was sollte ich tun ?

Antwort : Wenn Sie die Vermutung haben, dass Ihr Kind schlecht hört, weil es öfter nachfragt, sollten Sie einen HNO-Arzt konsultieren. In einer Untersuchung kann er mögliche organische Ursachen feststellen und eine angemessene Therapie einleiten. Hörstörungen sind ein häufiger Grund für eine verzögerte Sprachentwicklung. Für das spätere Leben ist es wichtig, die Hörstörungen früh zu diagnostizieren und zu behandeln. Das ist bereits in den ersten Lebenstagen durch objektive Untersuchungen möglich.

Frage : Meine Frau hatte vor einem halben Jahr eine Operation an der Schilddrüse. Seitdem kann sie nur noch recht leise sprechen. Wird sich das wieder geben oder ist es dauerhaft ?

Antwort : Bei operativen Eingriffen an der Schilddrüse kann es zu Reizungen oder Defekten der für die Stimmbänder verantwortlichen Nerven kommen. Dank besserer Operationstechniken sind schwere Verletzungen der Stimmband-Nerven jedoch seltener geworden. Oftmals sind die Stimmeinschränkugen nur von vorübergehender Dauer. Mitunter kann es jedoch Monate dauern, bis die Beweglichkeit der Stimmbänder wieder hergestellt ist. Wie lange der Heilungsprozess dauert, lässt sich nur schwer vorhersagen.

Frage : Ich muss mich immer räuspern und habe dann auch Schmerzen im Brustraum. Besonders morgens habe ich ein verschleimtes Gefühl im Mund- und Rachenraum. Was kann die Ursache sein ? Was kann ich dagegen tun ?

Antwort : Die von Ihnen geschilderten Symptome können sehr häufig für eine funktionelle Stimmstörung sprechen. Durch einen HNO-Arzt sollten Sie mögliche organische Ursachen abklären lassen.

Häufig treten die Symptome auch bei einer Refluxerkrankung durch aufsteigende Magensäure auf.

Frage : Mein Sohn ist fünf Jahre alt und lispelt. Sollte er eine logopädische Behandlung bekommen und wie lange wird das dauern ?

Antwort : Eine logopädische Therapie vor der Einschulung ist zu empfehlen. Ein einfaches Lispeln bekommt man relativ schnell in den Griff – etwa mit zehn bis 20 Behandlungen, die ein bis zweimal pro Wochen durchgeführt werden. Vor Therapiebeginn sollte allerdings abgeklärt werden, ob auch weitere Einschränkungen, zum Beispiel im Wortschatz oder der Grammatik, bestehen. Sollte das der Fall sein, müssen diese ebenfalls therapiert werden. Dann ist eine längere Übungszeit notwendig. Wichtig ist, die Übungen mit dem Kind auch zu Hause zu trainieren.

Frage : Ich habe eine dreijährige Tochter, die plötzlich zu stottern angefangen hat. Was sollte ich tun ?

Antwort : Falls die Symptome länger als drei bis sechs Monate andauern, sollten Sie unbedingt ärztlichen Rat einholen, um so schnell wie möglich mit einer Therapie zu beginnen.

Frage : Mein Junge ( fünf Jahre ) wiederholt oftmals die Anfangsbuchstaben von Wörtern. Der Arzt sagte, er stottert. Ermahnungen sind erfolglos. Was mache ich falsch ?

Antwort : Es hat keinen Sinn, immer wieder einzelne Wörter zu üben. Ständige Ermahnungen führen nur dazu, dass sich das Kind verschließt. Es fühlt sich abgelehnt und beginnt, Gespräche zu vermeiden.

Das Kind muss unbedingt logopädisch therapiert werden. Lassen Sie sich zu Verhaltensweisen und im Umgang mit dem Kind beraten. Wichtig ist es, ausreichend Zeit für ruhige Gespräche mit dem Kind aufzubringen. Niemandem hilft es, vorschnell den Satz eines Stotterers zu beenden.

Frage : Ich habe von einer so genannten Delferro-Therapie gegen das Stottern gehört. In nur zehn Tagen soll sie zum Erfolg führen. Ist das sinnvoll ?

Antwort : Es gibt viele verschiedene Therapien, die sowohl ambulant, teilstationär oder stationär durchgeführt werden können. Ziel ist es, die Kontaktfähigkeit und Selbstverantwortung zu erhöhen. Das gelingt u. a. mit Entspannungsübungen, der Einübung bestimmter Sprechtechniken und einem Verhaltenstraining. Wichtig ist es, genau zu diagnostizieren und dann eine geeignete Therapie zu finden. Ein garantiertes Therapieversprechen kann jedoch niemand geben. Solche Angebote klingen nicht seriös.

Für Angehörige und Freunde ist es wichtig, ruhig und gelassen mit den Sprachunflüssigkeiten stotternder Menschen umzugehen.

Frage : Ich muss wegen einer Parkinson-Erkrankung viele Medikamente nehmen. Ohne sie ist mein Sprachvermögen stark eingeschränkt. Bringt eine sprachtherapeutische Behandlung etwas ?

Antwort : Eine logopädische Behandlung ist durchaus zu empfehlen. Dabei sollten Sprechabläufe verbessert und über längere Zeit erhalten werden.