Magdeburg l Der CDU-Landesvorstand hat die sogenannte Landesliste für die Landtagswahl am 13. März 2016 aufgestellt. Entschieden werden die Personalien letztlich auf einem Landesparteitag am 14. November in Oschersleben. Auf Platz eins hat der Parteivorstand Ministerpräsident Reiner Haseloff (61) gesetzt. Der Wittenberger strebt eine zweite Amtszeit an. Haseloff möchte die seit 2006 regierende Koalition mit der SPD fortsetzen.

Auf Rang zwei soll Parteivize und Innenminister Holger Stahlknecht (50) gewählt werden. Der eloquente Jurist mit Macher-Image gilt in der Union als einer der Hoffnungsträger. Vor fünf Jahren war Stahlknecht noch für Platz acht vorgeschlagen worden. Für Finanzpolitikerin Eva Feußner (52, Eckartsberga) ist Platz drei vorgesehen.

Einen Sprung nach vorne im parteiinternen Ranking macht André Schröder– von neun auf vier. Der 46-Jährige ist seit 2011 Vorsitzender der Landtagsfraktion und hat sich in dieser Zeit mit seinem unaufgeregt-sachlichen Politikstil profiliert. Der Sangerhäuser ist auch Parteivize. Markus Kurze (44, Burg) ist für Platz fünf vorgesehen.

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Steil nach oben

Steil nach oben geht es für Edwina Koch-Kupfer – Platz sechs. Die 52-Jährige ist die Senkrechtstarterin in der Union. 2011 zog sie noch für die Linke in den Landtag ein. Nur ein Jahr später wechselte sie überraschend in die CDU-Fraktion. Erst seit 2014 ist Koch-Kupfer CDU-Mitglied. Im März dieses Jahres trat die Diplomlehrerin für die CDU zur Oberbürgermeisterwahl in Magdeburg an – und holte 10 Prozent.

Den Platz freigemacht für Koch-Kupfer hat Jürgen Scharf. Der 63-Jährige ist ein Parlamentarier der ersten Stunde. Er war parlamentarischer Geschäftsführer der Landtagsfraktion und viele Jahre Fraktionsvorsitzender. Sein ausgleichender Politikstil und seine Verlässlichkeit wurden über Partei­grenzen hinweg geschätzt. Für den neuen Landtag tritt Scharf nicht mehr an.

Landtagspräsident Detlef Gürth, vor fünf Jahren noch auf Platz drei, wird diesmal für Rang sieben vorgeschlagen. Die Staatsanwaltschaft Magdeburg ermittelt seit Monaten gegen den 53-Jährigen wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung.

Wo ist die Toilette?

Tourismusexperte Lars-Jörn Zimmer (45, Bitterfeld-Wolfen) rangiert auf Platz acht. Er ist Mitglied eines konservativen Kreises in der CDU. Es folgt Uwe Harms (Klötze). Der Altmärker gilt als recht speziell. Kürzlich erst hatte er in einer Bushaltestelle ein Banner aufgehängt mit dem Text: „Gesprächspartner gesucht! Wer trägt die Verantwortung, dass hier am Gardeleger Busbahnhof eine öffentliche Toilette fehlt?“

Ulrich Thomas (47, Quedlinburg) kommt auf Platz zehn – vor fünf Jahren war er noch auf Rang vier. Der Harzer sorgte einmal im Landtag für einen Eklat, indem er einem Grünen-Parlamentarier eine Babyflasche übergab – zur Beruhigung. Nach unten geht es für Bernhard Bönisch. Vor fünf Jahren stand der Hallenser noch auf Platz zwölf – diesmal ist es Rang 36.

Was ist eine Landesliste? Parteien, die zur Landtagswahl antreten, stellen eine solche auf. Auf der Liste stehen die Namen ihrer Kandidaten für das Parlament. Wer seinen Wahlkreis gewinnt (der Wähler entscheidet darüber mit der Erststimme), kann direkt in den Landtag einziehen. Wenn einer Partei, bedingt durch das Zweitstimmen-Ergebnis, mehr Sitze im Landtag zustehen als sie mit Direktkandidaten besetzen kann, schlägt die Stunde der Listenkandidaten. Sie belegen dann (beginnend mit Platz eins) die zusätzlichen Sitze. Die Liste ist also quasi ein Rettungsring für die, die sich in ihrem Wahlkreis nicht direkt durchsetzen können.

Für die CDU ist die Landesliste von eher geringer Bedeutung. 2011 holte die Union 41 von 45 Direktmandaten.