Allee: Die älteste Form der Straßenbepflanzung

Das Wort Allee soll zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges aus dem Französischen übernommen worden sein: Das Wort „aller“ (gehen) wurde zu „allée“ und bedeutet übersetzt in etwa „Baumgang“.

Alleen sind in Europa und Teilen Asiens die älteste Form der Straßenbepflanzung. Sie hatten auch strategische Bedeutung, steigerten z. B. die Marschleistung der Armee und die Ausdauer der Pferde.

Die Bäume lieferten der Bevölkerung auf dem Land aber auch Nutz- und Brennholz, Früchte, Tierfutter, Honig und Heilmittel.

In den alten Bundesländern fielen Alleen in den Nachkriegsjahren, in den neuen Bundesländern nach der Wiedervereinigung dem Straßenbau zum Opfer.

Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald e.V. führt eine Kampagne zum Schutz und Erhalt der Alleen. Auf der Website www.alleen-fan.de gibt es auch ein Verzeichnis der Lieblingsalleen der Mitglieder. Darunter sind acht Alleen aus Sachsen-Anhalt - so die Lindenallee bei Langenweddingen, die Kastanienallee in Schönebeck/Bad Salzelmen und die Lindenallee bei Altlöbnitz (Camburg).

Magdeburg l Nichts setzt die Alleen wohl so schön in Szene wie die Deutsche Alleenstraße. Ein Abschnitt – ungefähr von der Lutherstadt Wittenberg bis nach Huysburg bei Halberstadt – verläuft auch durch Sachsen-Anhalt. Reisende können hier besonders die Vielfalt der Alleen bestaunen, ist Sachsen-Anhalt doch gerade für seine raren Obstbaum- und Birkenalleen bekannt.

Dieses besondere Natur- und Kulturgut gilt es aus Sicht der Kulturfreunde zu schützen – eine Aufgabe, die des Öfteren mit dem Aspekt der Verkehrssicherheit kollidiert. Cornelia Behm, Vorsitzende des bundesweiten Vereins Alleenschutz-Gemeinschaft, sieht darin die größte Gefahr für die Baumreihen, die häufig zwischen 80 und 100 Jahre alt sind. „Aufgrund der Belastung, unter anderem durch den Straßenverkehr, Baumaßnahmen sowie Winterdienst mit Salz, sind die Bäume in diesem Alter häufig geschädigt und werden aus Sicherheitsgründen gefällt“, sagt Behm.

Einfach einen jungen Baum als Ersatz anzupflanzen, ist allerdings gar nicht so einfach. Insbesondere zwei Regelwerke, die das Aussehen deutscher Straßenränder festlegen, würden den Erhalt der Alleen erschweren. Die Empfehlungen zum Schutz vor Unfällen mit Aufprall auf Bäume (EASB 2006) und die Richtlinie für passiven Schutz an Straßen (RPS 2009).

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„Nach diesen Anordnungen können Ersatzpflanzungen nur in einem Abstand von 4,50 oder bei Verzicht auf Leitplanken von 7,50 Metern zum Fahrbahnrand vorgenommen werden“, berichtet Behm. Die Crux: Dafür muss das benötigte Land entlang der Straße erworben werden. Oftmals würden Ersatzpflanzungen deshalb ins Leere laufen.

Ziel: Alleen vollständig erhalten

Melanie Medau-Heine von der Landesgeschäftsstelle des Bundes für Umwelt und Naturschutz Sachsen-Anhalt beurteilt die Lage der Alleen im Bundesland kritisch: „Der Alleenbestand nimmt ab. Nachpflanzungen scheitern an sinnlosen Regelungen“, betont auch sie. Das Ministerium für Landesentwicklung und Verkehr bekräftigt unterdessen, dass grundsätzlich das Ziel bestehe, Alleen möglichst vollständig zu erhalten und keine Bäume zu fällen. Sind Fällungen unumgänglich werde vor Ort oder an anderer Stelle nachgepflanzt.

Uwe Lagkammer von der Landesstraßenbaubehörde weiß, dass hier Interessen kollidieren. Sobald Baumaßnahmen an Straßen fällig sind, müssen diese mit Schutzeinrichtungen ausgestattet werden, beispielsweise mit Schutzplanken. „Da Bäume oft zu dicht an der Straße stehen, ist dafür nicht genug Platz. Wir haben deshalb auch schon Alleen gefällt, ja. Aber wir reden hier über die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer - da hört der Spaß doch auf.“

In Vissum im Altmarkkreis Salzwedel ist dagegen eine andere Entwicklung zu beobachten. Der örtliche Naturerbeverein hat rund 350 Bäume gepflanzt, allerdings an Feldwegen. Laut dem Vorsitzenden Ulf Müller überwiegen die positiven Effekte, auch für die Landwirte: „Es ist ein kleinerer Teil zum Naturschutz, den wir hier beitragen, aber kein unbedeutender.“