Magdeburg l Wenn Reiner Haseloff vor einer Schulklasse über Physik referiert, erinnert das ein bisschen an Literaturlehrer John Keating aus dem „Club der toten Dichter“. Nur, dass der Ministerpräsident nicht der Typ ist, der sich zur Illustration von Lehrinhalten auf einen Tisch stellt. Und dass seine Sätze im Vergleich zu denen der Paraderolle von Robin Williams meist etwas länger sind. Die Begeisterung aber, die ist ungefähr diegleiche. Denn für die Physik schlägt sein Herz. Mit ihr hat er nicht nur seine Studienjahre verbracht, sondern auch die Zeit bis zum Doktortitel. Und so will er hier, an diesem Donnerstagmorgen in der Oskar-Linke-Gemeinschaftsschule in Magdeburg, nicht einfach nur referieren. Die 8 b soll mitmachen.

Das heutige Thema ist zum Glück deutlich weniger sperrig als das seiner Doktorarbeit: der Elektromotor. Da kann Haseloff erstmal mit einer Frage locken, der selbst Physik-Phobiker gewachsen sind: „Wer ist schonmal Auto gefahren?“ Dann kommt sein Motivations-Motor allerdings ins Stocken. „Was für ein Auto fahren deine Eltern?“, fragt er ein Mädel in der ersten Reihe. „Keine Ahnung.“

Doch so schnell gibt er nicht auf. „Was kommt denn aus dem Loch hinten an eurem Auto heraus?“ – „Rauch?“ Es geht voran. „Und ist das gesund?“ – „Nee.“ Hah. Drei Fragen und zwei Schüler später hat er die Klasse zur ersten Erkenntnis gestupst: Benzin- und Dieselmotoren sind schlecht für die Umwelt, das Elektroauto kann helfen.

Hupend über den Schulhof

Jetzt läuft‘s flüssiger – erkennbar an der Maßeinheit Meldungen. Und es wird praktisch. Timothy, Tobias und Josephine dürfen an den Reglern der aufgebauten Elektromotoren herumdrehen. Als sie fertig sind, vollführt Haseloff eine sonderbare Überleitung: vom Elektromotor zum Elektroauto mit dem Schuh von Marco Tullner. Denn: Die Hand am Regler des Motors ist wie der Fuß am Gaspedal des Autos. Muss man erstmal drauf kommen.

Ja, der Bildungsminister ist auch dabei. Er hat nur noch nicht viel gesagt. Dabei hatte er in Physik früher eine Eins. Doch Tullner begnügt sich mit der Rolle des Sidekicks. Er hat ja später noch seinen Auftritt.

Wenn Haseloff an Keating erinnert, dann ist er heute eher Zeki Müller aus „Fack ju Göhte“. Nur in gebildet. Zuständig für den Spaßfaktor also. Gegen Ende der Stunde schickt Haseloff die Truppe auf den Schulhof („Setzt euch Mützen auf!“) – zum Elektroauto, das die Politiker dabei haben. Während er sich noch über den Hinterradantrieb auslässt, ruckelt Tullner schon grinsend den Fahrersitz zureckt. Dann spielt er Teenie-Chauffeur. Unter Dauergehupe. Achso, die anderen haben noch Unterricht. Hm. Huuup!

Haseloff nutzt die Zeit und stellt sich zu einer Mädchentraube. Dort schwärmt er einfach drauf los. „Das alles ist nur durch Physik möglich.“ Und: „Angela Merkel ist übrigens auch Physikerin.“ Liebe kann sich ja auch entwickeln.