Volksstimme: Frau Ministerin, ist es um die Qualität in den Kitas so schlecht bestellt, dass man sich auf bundesweite Kriterien einigen muss?

Petra Grimm-Benne: Nein, im Gegenteil: Ich finde, es ist ein starkes Zeichen, wenn sich die Bundesländer – egal von wem sie regiert werden – auf Standards zur Qualitätssicherung in den Einrichtungen verständigen. Da geht es um Fragen wie Betreuungsschlüssel, um frühkindliche Bildung und um Bildungsgerechtigkeit. Wir sind in Sachsen-Anhalt schon lange davon weg, dass es nur um Betreuung und um Vereinbarkeit von Familie und Beruf geht. Das Ziel ist es, dass alle Kinder, unabhängig von ihrer familiären Herkunft, über die Kita einen bildungsgerechten Zugang zur Schule erreichen können.

Mehr Qualität wie die Verbesserung von Betreuungsschlüsseln zieht auch höhere Kosten nach sich. Andere Bundesländer setzen inzwischen auf Gebührenfreiheit.

Ja, das ist so. Aber da muss man ganz genau hinsehen: Diese Gebührenfreiheit gilt oft nur für 30 Wochenstunden. In Sachsen-Anhalt gehen die meisten Kinder länger in die Kita, dafür bieten unsere Einrichtungen im bundesweiten Vergleich sehr lange Öffnungszeiten an. Auch das ist ein Qualitätsmerkmal. Aber natürlich ist es so, dass auch wir die Eltern bei den Beiträgen entlasten wollen. Eine Deckelung auf Höhe des Kindergeldes (192 Euro, Anm. d. Red.) ist vorstellbar. Doch das können wir nur schaffen, wenn uns der Bund bei der Finanzierung der Kinderbetreuung in Zukunft stärker unterstützt.

Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) ist in Quedlinburg vor Ort, da können Sie ihr doch Druck machen, oder?

Wir sind bereits im Gespräch. Wie genau der Bund die Mittel zur Qualitätssteigerung auf die Länder verteilen will, steht zwar noch nicht fest. Aber klar ist: Wenn das Geld nach der Bundestagswahl fließt, wäre das für uns eine große Hilfe.

Wer dann regieren wird, ist aber völlig offen. Was stimmt Sie zuversichtlich, dass das Eckpunktepapier zur Qualität und die damit verbundenen Finanzierungszusagen auch wirklich eingehalten werden?

In Quedlinburg kommen ja nicht nur SPD-Minister zusammen, sondern auch die Verantwortlichen von CDU und Grünen. Wir suchen einen gemeinsamen Ansatz. Deswegen bin ich ganz sicher: Die finanziellen Zusagen des Bundes werden eingehalten, egal welche Koalition im Herbst gebildet wird.

Und diese werden auch zur Entlastung der Eltern beitragen? Bis Ende des Jahres muss das Kinderförderungsgesetz überarbeitet werden.

Das hoffe ich, ja. Die Koalition wird sich in den nächsten Wochen verständigen, wie wir eine gute Finanzierung der Kinderbetreuung mit noch mehr Qualität hinbekommen können.

Alle Qualität nützt nichts, wenn Erzieher fehlen, um diese zu realisieren. Wie wollen Sie dem Fachkräftemangel in den nächsten Jahren begegnen?

Unser Personal in Sachsen-Anhalt ist sehr gut qualifiziert, wir müssen und werden in dem Bereich nicht mit Hilfskräften arbeiten. Doch es ist völlig klar, dass wir gegensteuern müssen. Ich sehe den Fachkräftemangel mit Sorge. Wir müssen die Ausbildungskapazitäten erhöhen und wollen mehr Quereinsteiger für den Erzieherberuf begeistern. Auch da kann der Bund helfen, Projekte anzuschieben und zu finanzieren.