Badeborn l Im Streit um die Wiederholung von Wahlen einiger AfD-Bundestags-Direktkandidaten hat Landeschef André Poggenburg das Vorgehen des Landesvorstands verteidigt. "Wir müssen jetzt endlich mal durchgreifen und die Sache vor dem eigentlichen Beginn des Wahlkampfs erledigen", sagte er am Sonnabend auf einem Parteitag in Badeborn (Landkreis Harz).

Verschwörergruppe

Poggenburg zählt Armin Friese (Harz), Wolfgang Rehfeld (Börde – Jerichower Land) und Kay-Uwe Ziegler (Anhalt) zu einer Verschwörergruppe, die den Landesvorstand stürzen wollte. Als angeblichen Beweis führt er ein 370-seitiges Chatprotokoll von AfD-Mitgliedern an. Einzelne Zitate präsentierte der Landeschef den rund 90 Mitgliedern auf dem Parteitag. Rehfeld soll in dem Chat geschrieben haben: "Der Landesvorstand muss weg!" Das Trio bestreitet indes, an Umsturz-Plänen beteiligt gewesen zu sein. Die Kandidaten kritisieren, Vorwürfe seien konstruiert worden, um Kritiker mundtot zu machen.

Poggenburg betonte, die drei Kandidaten könnten sich bei der Neuwahl wieder aufstellen lassen. "Sie müssen Fragen beantworten und sich vor den Mitgliedern verantworten", sagte er. Dies sei "urdemokratisch", niemandem werde sein Recht genommen. Die Wiederholung der Wahlen seien nach dem Bekanntwerden der Chatinhalte eine notwendige Reaktion auf die "ganz neue Sachlage". Es gebe rechtlich keine Hindernisse, die Wahlen nochmal durchzuführen.

Sanktionen gegen Kreischefs

Der Landesvorstand erwägt außerdem Sanktionen gegen einige AfD-Kreischefs. In der Diskussion sind unter anderem Amtsenthebungen. Als Drahtzieher des Chats hatte Poggenburg zuletzt die Kreisvorsitzenden Daniel Roi (Anhalt-Bitterfeld), Lydia Funke (Burgenlandkreis), Dirk Hoffmann (Wittenberg) und Yvonne Sturm (Harz) genannt. Der Landeschef hatte ihnen ein Rückzugs-Ultimatum bis Freitag gesetzt.

Poggenburg sagte in Badeborn, bisher sei ihm nichts zu Ohren gekommen, dass diese zum Ämterverzicht bereit wären. "Vielleicht lenkt der ein oder andere ja noch ein", so Poggenburg. Die vier Kreischefs waren ebenso wie Friese, Rehfeld und Ziegler nicht zum Parteitag gekommen. Eine Entscheidung über das weitere Vorgehen könnte der Landesvorstand am Dienstag treffen.

Bereits vor drei Wochen hatten die Mitglieder die Plätze 1 bis 5 der Landesliste bestimmt:

Platz 1: Martin Reichardt (Börde)

Platz 2: Frank Pasemann (Magdeburg)

Platz 3: Matthias Büttner (Stendal)

Platz 4: Andreas Mrosek (Dessau-Roßlau)

Platz 5: Uwe Gewiese (Burgenlandkreis)

Am Sonnabendnachmittag wählte die Landes-AfD in Badeborn die weiteren Plätze:

Platz 6: Ronny Kumpf (Magdeburg)

Platz 7: Ronald Bischoff (Harz)

Platz 8: Christian Hecht (Harz)

Platz 9: Sven Schöndube (Magdeburg)

Platz 10: Jens Lange (Mansfeld-Südharz)