Magdeburg l In Sachsen-Anhalt sind immer mehr Schulleiter-Posten nicht besetzt. Nach Angaben des Bildungsministeriums waren Ende 2016 landesweit 74 Direktorenstellen vakant. Im Jahr 2015 hatten „nur“ 39 Schulen keinen Schulleiter.

Besonders betroffen sind Grundschulen. In Sachsen-Anhalt stehen derzeit 53 (2015: 29) der 449 öffentlichen Grundschulen ohne einen Schulleiter da. Das sind knapp 12 Prozent.

Dieser Trend ist bundesweit zu beobachten. In Deutschland sind rund 1000 der 10.000 Grundschulen führungslos. Woran liegt das? Eva Gerth, Landesvorsitzende der Bildungsgewerkschaft GEW, sagt: „Die Leitung einer Schule bringt vielfältige Aufgaben mit sich, die eine hohe Arbeitsdichte und -intensität aufweisen.“ Elterngespräche, Personalverantwortung, Konzeptentwicklung, Kontoführung, Schulplanung, Kommunikation mit Trägern und Schulamt ließen sich kaum in der angerechneten Arbeitszeit erledigen. Gerth: „Die Konsequenz ist erhebliche Mehrarbeit bei einer minimalen Zulage und geringen Anrechnung. Attraktive und nachgefragte Karrierewege sehen anders aus.“

Auch der Bildungspolitiker der Linken, Thomas Lippmann, sieht in der „sehr geringen Bezahlung gegenüber den Schulleitungen aller anderen Schulen“ ein Problem.

Schulleiter an Grundschulen werden – abhängig von der Schülerzahl – nach A 12 mit Zuschlag (bis zu 80 Schüler) bis zu A 14 (mehr als 360 Schüler) bezahlt. Vor allem in kleinen Grundschulen werden verzweifelt Leiter gesucht. Wer dort Direktor ist, erhält nach der Besoldungstabelle für den öffentlichen Dienst – je nach Alter – ein monatliches Brutto-Grundgehalt zwischen 3200 und knapp 4400 Euro in der letzten Stufe. „Das ist nicht einmal die Besoldung, die die ganz normalen Lehrkräfte aller anderen Schulen mit A 13 (Brutto-Grundgehalt je nach Alter zwischen 3770 und 4870 Euro, d. Red.) bekommen“, sagt Lippmann.

Dazu kommt: Die Leitungsfunktion in kleinen Grundschulen wird lediglich mit einer Zulage von ganz genau 161,99 Euro honoriert. Viele Extra-Aufgaben für ein winziges Gehaltsplus – das macht den Posten wenig attraktiv.

„Neben der geringen Besoldung ist auch die Arbeitsbelastung am höchsten“, sagt Lippmann. Die Zeit, die ein Schulleiter für Leitungsaufgaben zugesprochen bekommt, sei viel zu gering. Die Leiter kleiner Grundschulen müssten sehr viel Unterricht erteilen.

Bildungminister Marco Tullner (CDU) betont: „Es erfolgen intensive Bemühungen, an den Schulen keine Vakanzen entstehen zu lassen. Teilweise wird mit einem Vorlauf von mehr als einem Jahr die Ausschreibung freiwerdender Stellen vorgenommen. In keinem Fall gibt es eine leitungslose Schule.“ Er sagt: „Wir dürfen die Schulleitungen – bei allen richtigen Überlegungen zur Schulautonomie – nicht überfrachten.“ Im Zuge der Debatte zum Abbau von Bürokratie müsse dies eine Rolle spielen. Tullner dringt zudem darauf, Grundschulleiter besser zu bezahlen. Nach Gesprächen mit dem Finanzministerium gebe es „positive Signale“, sagt ein Sprecher.