Magdeburg/Halle (dpa) l Sachsen-Anhalts DGB-Chefin Susanne Wiedemeyer hat eine bessere Entlohnung und daher auch größere Wertschätzung für Beschäftigte der Pflegebranche gefordert. Nötig seien allgemeinverbindliche tarifliche Regelungen für alle Mitarbeiter. Diese gebe es in Deutschland bisher so noch nicht, stattdessen teils deutliche Unterschiede bei der Bezahlung. "Der Beruf verlangt den Mitarbeitern aber überall sehr viel ab", sagte sie. Laut Gewerkschaft gibt es mitunter Gehaltsunterschiede bei einer Vollzeit-Pflegestelle im Krankenhaus im Vergleich zur ambulanten Pflege von bis zu 800 Euro brutto.

Nach Angaben des Statistischen Landesamtes in Halle gab es im Jahr 2015 in Sachsen-Anhalt rund 99.100 pflegebedürftige Menschen. Das waren 44 je 1000 Einwohner. Etwa ein Viertel (26.000) aller Pflegebedürftigen im Land wurde den Angaben zufolge ambulant versorgt. "Angesichts der demografischen Entwicklung wird die Pflegebranche aber immer mehr an Bedeutung gewinnen", sagte Wiedemeyer.

Mehr Ältere in Sachsen-Anhalt

Laut Bevölkerungsprognosen gehört Sachsen-Anhalt bundesweit zu den Ländern, in denen immer mehr Ältere im Vergleich zu jüngeren Menschen leben werden. "Und es kann nicht sein, dass Menschen, wie im Pflegebereich, arbeiten und trotzdem am Monatsende auf staatliche Leistungen wie Hartz IV angewiesen sind, um leben zu können", sagte Wiedemeyer. Mit Blick auf den 1. Mai rief die Landeschefin des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) zudem alle Arbeitgeber im Land erneut dazu auf, sich an Tarifverträge zu binden. In Sachsen-Anhalt seien dies derzeit insgesamt 26 Prozent.

Bundesweit stehen die Aktionen des DGB zum Tag der Arbeit in diesem Jahr unter dem Motto "Wir sind viele. Wir sind eins" für eine soziale, tolerante, demokratische und solidarische Gesellschaft. In Sachsen-Anhalt sind 20 Veranstaltungen geplant. Die zentrale Kundgebung für das Land gibt es in Dessau-Roßlau. In Sachsen-Anhalt sind nach Angaben des DGB rund 150.400 Menschen Mitglied in Gewerkschaften.