Magdeburg (dpa) l Bei einer Fahrt vorbei an grünen Wiesen, Flussauen und Wäldern sind sie ein Dorn im Auge: Herrenlose Häuser. Ihre Wände haben oft seit Jahren keinen Anstrich mehr gesehen, Putz bröckelt ab, Ziegel fallen von den Dächern, Mauern stehen schief. Viele Nachbarn sorgen sich wegen der einsturzgefährdeten Gebäude um ihre eigene Sicherheit. Doch die Kosten für Abriss oder Sanierung sind hoch, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab. Unter der Last leiden vor allem die Landkreise.

Ruf nach Fördergeld für Abriss

"Niemand will in ein Dorf ziehen, das von Ruinen geprägt ist", sagte der Landrat des Burgenlandkreises, Götz Ulrich. Der zwischen Jena und Leipzig gelegene Landkreis sei nur für das Wohnen attraktiv, wenn Grünflächen statt baufälliger Gebäude zu sehen seien. "Der Abriss herrenloser Häuser muss künftig mit Hilfe von Förderprogrammen des Bundes und der Länder gelöst werden", forderte Ulrich.

Stößt ein Eigentümer ein altes Haus ab, beginnt eine komplizierte Suche nach einem neuen Besitzer. Das Recht, sich ein herrenloses Haus anzueignen, habe zunächst der Fiskus des Landes, erklärte der Sprecher des Landkreises Harz, Manuel Slawig. Falls das Land kein Interesse habe, könne die Stadt oder Gemeinde das Objekt übernehmen. Falls auch diese verzichten, stehe es zum Verkauf.

Kreise in der Pflicht

Die Landkreise seien verpflichtet, baufällige Gebäude abzusichern, bis sich ein neuer Eigentümer finde, erklärte Slawig weiter. In Eisleben traf diese Maßnahme in jüngster Vergangenheit das alte Neustädter Rathaus. Vor wenigen Tagen habe die Notsicherung des Renaissance-Gebäudes begonnen, teilte ein Sprecher des Landkreises Mansfeld-Südharz mit.

Doch nicht immer können die alten Häuser erhalten werden. So nagte etwa am Geburtshaus der DDR-Schriftstellerin Brigitte Reimann in Burg (Landkreis Jerichower Land) der Zahn der Zeit. Jüngst musste das einsturzgefährdete Gebäude abgerissen werden, wie eine Sprecherin des Landkreises sagte. Die Landkreise müssen für Abriss oder Sicherungsmaßnahmen tief in die Tasche greifen. Dem Landkreis Harz etwa entstünden dadurch jährlich Kosten von etwa 300.000 Euro, hieß es.

Kosten ins Grundbuch

Ein Ausweg aus der finanziellen Misere sei, die Kosten ins Grundbuch eintragen zu lassen, erklärte ein Sprecher des Saalekreises. Beim Kauf würden diese Kosten demnach berücksichtigt. Aber das schmälere die Chancen, ein solches Grundstück letztlich zu veräußern. Viele Landkreise würden daher den Weg über eine Zwangsversteigerung gehen, da die Schulden dabei gelöscht werden könnten.

Aber nicht in allen Kommunen und Gemeinden sind herrenlose Häuser ein Thema. Das betreffe etwa Halberstadt im Landkreis Harz, sagte eine Stadtsprecherin. Dort gebe es keine Gebäude ohne Besitzer. Auch im Landkreis Mansfeld-Südharz waren in diesem Jahr nur zwei Fälle bekannt.