Magdeburg l In den nächsten drei Jahren wird in Sachsen-Anhalt jede vierte Kita-Fachkraft in den Ruhestand gehen. Nach Berechnungen der Bildungsgewerkschaft GEW werden rund 4000 der derzeit 17.600 Beschäftigten die Einrichtungen bis zum Jahr 2020 verlassen – und dabei ist der Anteil derer, die aus gesundheitsbedingten Gründen vorzeitig ausscheiden, noch nicht einmal berücksichtigt.

Die meisten Erzieher arbeiten nicht bis zum 65. Lebensjahr. „Viele Erzieherinnen können mit 63 in Rente gehen“, sagte Frank Wolters, GEW-Gewerkschaftssekretär, der Volksstimme. „Solange halten aber viele gar nicht durch. Ein großer Teil nimmt ab dem 60. Lebensjahr Abschläge in Kauf.“

Damit droht ein dramatischer Erzieher-Notstand in Sachsen-Anhalt. „Das ist im Moment nicht mehr aufzufangen“, prognostiziert Wolters. Denn die Ausbildung dauert so lange wie in kaum einem anderen Berufsfeld (fünf Jahre). Erst nach einer Vorausbildung (Kinderpfleger oder Sozialassistent) dürfen angehende Erzieher für drei Jahre an eine Fachschule.

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Land setzt auf Quereinsteiger

Seit einigen Jahren kritisieren Gewerkschaften und Sozialverbände, die viele Kitas betreiben, dass dieser Ausbildungsweg zu lang ist. Auch Sachsen-Anhalts Sozialministerin Petra Grimm-Benne (SPD) fordert eine Reform: „Wir sollten die Ausbildung verkürzen. Ich plädiere für eine duale dreijährige Ausbildung wie in anderen Ausbildungsberufen auch.“ Das funktioniert jedoch nur, wenn sich die Kultusministerkonferenz bundesweit auf neue Regelungen verständigt. In den vergangenen Jahren ist das nicht gelungen.

„Wir stehen vor einem Riesenproblem – die Politik muss sich deshalb fragen lassen, wer eigentlich das Bildungsprogramm in den Kitas umsetzen soll, wenn die Erzieher fehlen?“, kritisiert Wolters. „Hilfskräfte, wie es sie nun bei der Polizei gibt, wollen die Eltern mit Sicherheit nicht haben!“

Um dem Problem kurzfristig entgegenzuwirken, will die Landesregierung mehr Quereinsteiger mit pädagogischen Vorqualifikationen in den Erzieher-Beruf holen. „Wir brauchen jeden, den wir begeistern können“, sagte Sozialministerin Grimm-Benne.

Modellprojekt ist umstritten

Außerdem wurde ein Modellprojekt („Fachkraft für Kindertageseinrichtungen“) aufgelegt, in dem Schüler in Stendal und Halle ihren Abschluss bereits nach drei Jahren erhalten. Doch das Konzept ist umstritten: Die Kita-Fachkräfte dürfen nicht – wie staatlich anerkannte Erzieher – auch mit Jugendlichen arbeiten. Und: Der Abschluss ist nur in Sachsen-Anhalt anerkannt.

„Ist doch klar, dass das Modellprojekt bei diesen Rahmenbedingungen nicht gut angenommen wird“, sagte Monika Hohmann (Die Linke) der Volksstimme. Jeder Dritte (sieben von 26) hat die Ausbildung im ersten Schuljahr abgebrochen. Hohmann fordert, dass der Erzieher-Beruf insgesamt aufgewertet werden müsse. „Das geht vor allem durch eine höhere Entlohnung.“