Magdeburg l Es ist gerade vier Wochen her, da zog das Ameos-Klinikum Halberstadt die Reißleine. Teile der Inneren Medizin und der Gefäßchirurgie wurden über Tage beim Rettungsdienst abgemeldet. Die Folge: Insbesondere Notfallpatienten wurden abgewiesen. Eine Woche später wurden Teilschließungen von Stationen auch aus dem Ameos-Krankenhaus Schönebeck bekannt.

Kündigung von zwei Ärzten

Ameos verwies damals auf personelle Engpässe. Man suche händeringend Fachkräfte, sagte eine Sprecherin des Klinikums Schönebeck. Viele andere Klinik-Betreiber im Land stünden aber vor ähnlichen Problemen. Die Ärztevereinigung Marburger Bund lässt das so nicht gelten. Jetzt erhebt sie schwere Vorwürfe gegen Ameos.

Die Notsituation in Halberstadt sei nur entstanden, weil Ameos zuvor zwei Ärzten gekündigt habe, sagt Christine Schneemilch, Vorsitzende des Landesverbandes. Grund soll gewesen sein, dass die Mediziner wirtschaftliche Vorgaben nicht erfüllten. Das Vorgehen sei kein Einzelfall. Ameos setze Mitarbeiter unter Druck und verbreite Desinformation. „Eine Misstrauenskultur wie in Halberstadt habe ich noch nie erlebt“, sagt Schneemilch.

Die Unternehmensgruppe schlage zudem seit Jahren Tarifverhandlungen aus. „Kein Arbeitgeber zahlt so schlecht wie Ameos“, ergänzt Verbands-Geschäftsführerin Andrea Huth. Der intransparente Einzelvertrag sei gängige Praxis. Fortbildungen, Urlaube und Bereitschaftsdienste seien nicht nachvollziehbar geregelt. „Die Identifikation vieler Kollegen mit dem Unternehmen geht gegen null“, sagt Huth. Ärzte stimmten mit den Füßen ab. Sie wisse von Medizinern, die nicht nach Sachsen-Anhalt kommen, weil die Arbeitsbedingungen hier als so schlecht gelten. Ihr Fazit: „Ameos ruiniert den Ruf des Gesundheitsstandorts.“

Einschränkungen "sehr selten"

Ameos selbst verwahrt sich „gegen jede Form von pauschal formulierter Kritik“, erklärt Alexandra von Dossow, Sprecherin der Unternehmensabteilung Ameos Ost. Auf den Fall in Halberstadt geht sie auf Anfrage nicht direkt ein, sagt aber: Zu einzelvertraglichen Regelungen mit Mitarbeitern könne man keine Aussagen treffen. Personalfluktuationen seien ein normaler Prozess. „Die Gründe hierfür sind vielfältig“, so von Dossow.

Die akute Notfallversorgung an Ameos-Kliniken sei immer sichergestellt. Einschränkungen in einzelnen Bereichen seien „sehr selten“, erfolgten kurzfristig und zeitlich begrenzt. Anders als die Klinikums-Sprecher vor Ort führt von Dossow solche Situationen vor allem auf äußere Umstände zurück. Engpässe könnten etwa auftreten, wenn andere Krankenhäuser sich bei der Rettungsleitstelle abmelden und Retter verstärkt Ameos-Häuser anfahren. „Dies kann zu einer Erreichung unserer Kapazitätsgrenzen führen und ist nicht auf einen Personalengpass zurückzuführen“, sagt von Dossow.

Ameos steht nicht zum ersten Mal in der Kritik. In Halberstadt hatte der Betriebsrat 2015 eine zu harte Sparpolitik angeprangert. Im Mai hatte ein Arzt in Schönebeck Ameos vorgeworfen, Personal auf Kosten von Mitarbeitern und Patienten auszudünnen.