Magdeburg (dpa) l Lieder singen, Noten schreiben, Klassik besprechen – Musikunterricht wird an Sachsen-Anhalts Schulen oftmals von nicht dafür ausgebildeten Fachlehrern gegeben. Landesweit waren von 1495 eingesetzten Lehrkräften 384 nicht für den Musikunterricht ausgebildet, wie aus der Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage der SPD-Abgeordneten Angela Kolb-Janssen hervorgeht. Von den Lehrern, die Musikunterricht erteilten, habe somit etwa jeder Vierte weder eine grundständige Ausbildung noch eine Teilprüfung im Ersten Staatsexamen und sei auch nicht im Besitz einer Unterrichtserlaubnis für das Fach.

Weil ausgebildete Musiklehrer aber mehr Stunden erteilen als die nicht dafür ausgebildeten, wird laut Bildungsministerium nur etwa jede sechste Musikstunde nicht fachgerecht erteilt.

Je nach Schulform ist die Situation unterschiedlich: An Förderschulen war nahezu jeder zweite für Musikunterricht eingesetzte Lehrer nicht dafür ausgebildet, an den Sekundarschulen waren es rund 30 Prozent, an den Grundschulen und Gymnasien etwa 21 Prozent.

Wie viel Musikunterricht ausfällt, konnte das Bildungsministerium nicht angeben, weil das nicht fachbezogen erfasst wird. Um Ausfallstunden zu vermeiden würden bewährte Lehrkräfte mit Musik als Neigung eingesetzt, die über keinen Ausbildungsnachweis dafür verfügten. "Über Neuausschreibungen sollen kurzfristig frei werdende Stellen besetzt werden, allerdings bleiben regelmäßig Stellen mangels Bewerbern unbesetzt", hieß es weiter. Es werde zudem immer wieder geprüft, welche Weiterbildungskurse möglich seien.

Bis zum Jahresende soll laut einem Sprecher des Bildungsministeriums feststehen, wie viele Lehrer für die einzelnen Fächer in den kommenden Jahren benötigt werden – auch für das Fach Musik. Dann sollen unter anderem Gespräche mit den Hochschulen geführt werden. Denkbar sei auch, besonders im Fach Musik noch stärker auf Quereinsteiger zu setzen.