Biederitz l Kopfschütteln und: „Das gibt‘s doch wohl nicht ...“, waren die häufigsten Reaktionen, nachdem in Biederitz bekannt geworden war, dass eine bekannte ehemalige Mitbürgerin im Brandenburgischen erschossen wurde.

Am Sonnabend hatten Bewohner eines Hauses am Ortseingang von Mögelin (Havelland) die Polizei alarmiert, weil auf einem nahen Feldweg längere Zeit ein silbermetallicfarbener Ford parkte. Ermittler entdeckten in dem Fahrzeug eine leblose blonde Frau – erschossen. Nach Volksstimme-Informationen handelt es sich bei der Toten um Ute Petersen, die sich im Sommer vergangenen Jahres von Biederitz nach Mögelin, einem Ortsteil von Premnitz, abgemeldet hatte.

In ihrem Heimatort an der Stadtgrenze zu Magdeburg hatte die Frau zu DDR-Zeiten einen gut gehenden Getränkestützpunkt – eine Goldgrube, wie Einwohner berichten. Später machte sie aus der Bierverkaufsstelle eine Gaststätte – den „Gänsekrug“. Doch den musste Petersen, die seit ihrer Scheidung in den 1990er Jahren mehr oder weniger allein lebte, schrittweise aufgeben. Die letzte Veranstaltung sei der Silvesterball 2016 gewesen. Die finanzielle Sorgen hätten sie schließlich in die Zwangsversteigerung getrieben.

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Gastwirtin und Bauunternehmerin

Später gründete sie die P & S Bau GmbH, ebenfalls ein Desaster. Im Ort war schnell herum: „Schuster bleib bei deinen Leisten!“ Für eine Bauunternehmerin habe sie einfach nicht das richtige Know-how gehabt. Außerdem soll sie sich mit Leuten zusammengetan haben, die ihr „geschäftlich nicht gutgetan hätten“. Auch die Baufirma ging den Bach hinunter.

Ute Petersen engagierte sich jahrelang für die CDU im Gemeinderat. Mitte 2017 bat sie den Bürgermeister um ein Gespräch und teilte mit, dass sie aus Biederitz wegziehen und ihr Mandat zurück geben werde.

In der brandenburgischen Kleinstadt wollte sie sich mit ihrem neuen Lebensparter – einem Berufssoldaten – eine neue Existenz aufbauen. Auf einem ehemaligen GST-Gelände in Möglin planten sie einen Pferdehof mit Hotel.

Ihr Biederitzer Haus, nur ein paar Schritt vom „Gänsekrug“ entfernt, hatte sie schon 2016 verkauft. Das Geld sollte Startkapital für den Neuanfang in Brandenburg sein.

Die Kripo hat jetzt eine zwölfköpfige Ermittlungsgruppe ins Leben gerufen. Staatsanwalt Christoph Lange wollte sich nicht zum Ermittlungsstand äußern, sagte aber, dass eine Straftat vorliege. Fest steht: Ute Petersen besaß als Jägerin eine Schusswaffe. Ob damit die tödlichen Schüsse abgegeben worden waren, ist unklar. Aus Ermittlerkreisen war allerdigs zu hören, dass einiges auf eine „ungeplante Beziehungstat“ hindeute. Möglicherweise sei ein Streit aus dem Ruder gelaufen.