Höhepunkte des Sachsen-Anhalt-Tages

Gastgeberbühne, Markt:

Freitag, 16 Uhr: Zentrale Eröffnungsveranstaltung mit Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) und Eislebens Oberbürgermeisterin Jutta Fischer (SPD)

22-24 Uhr: Dean Barton und Band präsentieren „Spirit of Smokie“

Sonnabend, 20-24 Uhr:

80er-Jahre Party mit NDW-Stars Markus, Geier Sturzflug und Rocklady Petra Zieger, Weitersagen singt Westernhagen

Sonntag, 16-17.30 Uhr:

Die Ostrock-Band Karat spielt die besten Songs aus 40 Jahren

Weitere Bühnen:

Freitag, 21.30 Uhr, Bühne Hallesche Straße: Folkband Nobody Knows

Sonnabend, 20 Uhr, Bühne Am Schloßplatz:

Radio-Brocken-Partynacht mit Liveband Marquess

Sonnabend, 20 Uhr, Bühne Karl-Rühlemannstraße: Radio-SAW-Hit-Arena mit Ex-Genesis-Sänger Ray Wilson

Sonntag, 14 Uhr: Radio-SAW-Familienshow mit ESC-Kandidatin Levina als Stargast Eisleber Märkte:

Auf dem Wiesengelände gibt es einen großen Rummel, nach Angaben der Veranstalter steht dort das größte Riesenrad Europas und einer der größten Kettenflieger.

Regionaldörfer:

Hier stellen sich Sachsen-Anhalts Regionen Harz-Mansfeld-Südharz, Elbe-Börde-Heide, Halle-Saale-Unstrut, Anhalt-Dessau-Wittenberg und die Altmark vor.

Festumzug, Sonntag, 10.30Uhr: Bei dem zwei Kilometer langen Zug durch die Stadt präsentieren sich mehr als 4300 Mitwirkende.

Eisleben l Noch gibt sich Martin Luther gänzlich unbeeindruckt. Weder der Markt zu seinen Füßen noch das anstehende Wochenende bewegen ihn dazu, auch nur eine Miene zu verziehen. Dabei hätte der ernst dreinblickende Reformator auf dem Sockel über dem Eisleber Marktpatz allen Grund zur Vorfreude: Im 500. Jahr der Reformation richtet seine Heimatstadt den 21. Sachsen-Anhalt-Tag aus.

Auch Eisleben selbst scheint an diesem Vormittag drei Tage vor Festbeginn noch auf Alltag programmiert. Rentner kaufen Gemüse an Marktständen, Stadtführer lotsen Touristen durch die Gassen. Einzig gelbe Markierungen auf dem Pflaster künden von großen Plänen. Bald schon sollen hier Bühnen und Stände stehen. „Es ist die Ruhe vor dem Sturm“, sagt Gerald Fuchs mit erfahrenem Lächeln.

Zum dreizehnten Mal plant der Magdeburger Eventmanager einen Sachsen-Anhalt-Tag. Wie sind die Laufwege? In welche Straße passen die Regionaldörfer? Fuchs weiß es genau. Ständig klingelt sein Handy. In der Halleschen Straße gibt es noch Klärungsbedarf bei den Stellflächen. Auf dem Markt mit der Gastgeberbühne dagegen ist alles organisiert. Hier findet am Freitag die große Eröffnung statt, hier spielt am Sonntag die Ostrock-Kultband Karat. „Hier wird sicher am meisten los sein“, sagt Gerald Fuchs. Doch auch an den anderen Bühnen wird das Leben toben. Die Veranstalter haben alle großen Radiosender gewinnen können. In der Lindenallee präsentieren sich Sachsen-Anhalts Regionen. Von dort aus ist es nicht weit bis zum Wiesengelände mit Schaustellermeile und dem größten Riesenrad Europas.

Bilder

Über allem ragt dennoch Martin Luther. Wer durch das mehr als 1000 Jahre alte Eisleben spaziert, kommt um ihn nicht herum. In der Altstadt stehen sein Geburtshaus und die Taufkirche St. Petri-Pauli. In der St. Andreaskirche hielt der Theologe 1546 seine letzte Predigt. Wenige Meter weiter das Haus, das als Luthers Sterbehaus bezeichnet wird. „Wir haben zwar keine Thesentür wie Wittenberg, aber hier ist das Vaterland“, sagt Oberbürgermeisterin Jutta Fischer. Die Lutherstätten gehören seit 1997 zum Unesco-Weltkulturerbe. Vom Sachsen-Anhalt-Tag verspricht sich Fischer mehr Aufmerksamkeit für die kulturhistorische Bedeutung ihrer Stadt.

Die Eisleber haben ihren großen Sohn deshalb in den Mittelpunkt des Sachsen-Anhalt-Tages gestellt. „Alle Lutherstätten sind während der Festtage geöffnet“, sagt Ute Klopfleisch, Sachgebietsleiterin Kultur. Die Begeisterung für das Landesfest hat längst auch die Wirtschaft erfasst. Die Bäckerei Morgenstern hat eigens eine Luthertorte, Reformationsbrot und eine Lutherkruste gebacken. Bei Goldschmied Gundolf Keller gibt es die Trauringe der Katharina von Bora – Luthers Ehefrau. Das Eiscafé Glücklich schließlich wird ein eigens kreiertes Kupfer-Silber-Eis anbieten.

Eissorten erinnern an Bergbautradition

Kupfer-Silber-Eis? Ja, ganz richtig. Denn Eisleben hat auch eine lange Bergbautradition. Spätestens seit dem 15. Jahrhundert ließen die Mansfelder Grafen hier in großem Stil Kupfer und Silber abbauen. Die wertvollen Erze verhalfen der Stadt in den folgenden Jahrhunderten zu Reichtum.

Mit der Wende allerdings brach der Bergbau zusammen. Das knapp 25 000 Einwohner zählende Eisleben hat bis heute mit dem Strukturwandel zu kämpfen. Neue Unternehmen haben sich zwar angesiedelt, dennoch blieb manches Haus am Rande der Altstadt unsaniert. Die Eisleber erhoffen sich vom Sachsen-Anhalt-Tag deshalb auch einen nachhaltigen Schub für den Tourismus. Der Anfang dafür immerhin ist durch das Reformationsjubiläum bereits gelegt. Schon seit Wochen steigt die Zahl der internationalen Besucher. Gäste kommen vor allem aus Nordamerika, Japan, Korea und der Schweiz, sagt Maria Nemson von der Touristinformation. Der Busparkplatz sei eigentlich jeden Tag voll. „Wir mussten die Busse schon auf Ausweichplätze schicken“, erzählt sie.

Internationales Publikum in den Gassen

Tatsächlich hört, wer aufmerksam lauscht, viele Sprachen in den Gassen. Jetzt, kurz vor dem Landesfest, mischen sich zunehmend Gäste aus Sachsen-Anhalt unter die Touristen. „Hotels und Pensionen im Umland sind seit Wochen restlos ausgebucht“, sagt Jutta Fischer. Wer noch in der Region schlafen will, muss sich auf längere Wege einstellen. Aber auch für Tagestouristen von außerhalb haben die Organisatoren vorgesorgt. Für Zugreisende erhöht die Bahn die Kapazitäten.

Besucher aus Magdeburg sollten am besten bis Halle fahren und dort umsteigen, sagt Gerald Fuchs. Vom Bahnhof bis in die Innenstadt ist ein kostenloser Shuttle-Service eingerichtet. Für Autofahrer gibt es einen Parkplatz mit 6000 Plätzen am Wiesengelände. Weitere 1500 Plätze befinden sich im Süden der Stadt. Fuchs selbst ist bei einem Elektrowarenhändler noch rechtzeitig untergekommen. Am Festwochenende reist auch seine Familie an. „Das ist Tradition bei uns“, erzählt er lächelnd. Schließlich hat er seine Frau beim Landesfest 2007 in Osterburg kennengelernt. Nach 13 Jahren wird es für Fuchs allerdings auch das letzte Fest als Organisator sein. Künftig will er an der Bewerbung Magdeburgs zur Kulturhauptstadt Europas 2025 mitwirken. Bis es soweit ist, gilt sein Herz aber ganz der Lutherstadt Eisleben. Fuchs hofft auf einen großartigen 21. Sachsen-Anhalt-Tag.

Die Weichen dafür sind gestellt. Allein zum zwei Kilometer langen Festumzug am Sonntag erwartet die Stadt mehr als 4300 Mitwirkende und Tausende Zuschauer. „In all den Jahren war da am Ende immer dieses große Glücksgefühl“, sagt Gerald Fuchs. Genauso soll es auch in Eisleben sein. Beim Festumzug wird auch Martin Luther nicht fehlen. Er fährt in einer historischen Kutsche, die ein Düsseldorfer Eisleben einst zum 400. Geburtstag des Reformators im Jahr 1883 schenkte.

So viel Trubel hätte dem Reformator gefallen, glaubt Ute Reichenbach vom Sachbereich Kultur. Schließlich sei von Luther der Satz überliefert: „Eisleben ist meine Heimatstadt.“ Das Motto: „Die Welt zu Gast in Luthers Heimatstadt“ passe da doch prima. Ob‘s stimmt, weiß der Reformator allein. Vielleicht lässt sich der ernste Doktor über dem Markt bei so vielen Gästen aber doch zu einem Lächeln hinreißen.

Morgen um 16 Uhr wird der Sachsen-Anhalt-Tag eröffnet. Mehr Infos unter: www.sat2017ineisleben.de