Eisleben l Pünktlich zum Mittag hebt sich am Sonnabend der Schleier. Der Himmel meint es gut mit dem Sachsen-Anhalt-Tag in der Lutherstadt Eisleben. Überall Musik, in den Straßen erwacht das Leben. Schon jetzt sind Tausende gekommen, um das Landesfest in der Geburtsstadt Martin Luthers zu erleben. Eisleben hat sich herausgeputzt. Für die Stadt ist es das Ereignis des Jahres. Die Auswahl für Besucher ist riesig. Auf elf großen Bühnen präsentiert sich Sachsen-Anhalt von Arendsee bis Zeitz.

Lutherstätten geöffnet

Tanzgruppen treten auf, Trommelgruppen geben den Rhythmus vor. Organisationen und Parteien informieren an unzähligen Ständen. Alle Lutherstätten sind geöffnet, ebenso die Kirchen.

Zwischen die Menschen hindurch bahnt sich Gerhard Mitschke seinen Weg an der Drehorgel. Der ältere Herr aus Dessau-Roßlau ist gut gelaunt. Seit um zehn ist „Drehorgel-Gerhard“, wie er sich selbst nennt, unterwegs. Mindestens bis 20 Uhr will er spielen. „Eisleben finde ich wunderschön“, erzählt er während der Schneewalzer dudelt. Die Festmeile sei so aufgebaut, dass er alles gut abfahren kann. Seit 1996 ist Mitschke bei jedem Landesfest. „Die Menschen in Eisleben sind besonders nett“ sagt er. „Und sie geben gern etwas.“ Als hätte es eines Beweises bedurft, werfen zwei Herren Münzen in sein Spendenkörbchen. Mitschke hebt dankend den Zylinder. Dann will er aber weiter.

Sachsen-Anhalt-Tag in Eisleben

Eisleben (tw) l Volle Straßen, ausgelassene Stimmung: Zehntausende feierten in Eisleben den 21. Sachsen-Anhalt-Tag.

  • Otto-Reutter-Darsteller Manfred Brandt beeindruckt Simone Bauer, Mitarbeiterin der Stadt Dürrenberg, mit seinem Couplet. Foto: Alexander Walter

    Otto-Reutter-Darsteller Manfred Brandt beeindruckt Simone Bauer, Mitarbeiterin der Stadt Dür...

  • Johann IV., Fürst Albrecht von Anhalt, alias Thomas Müller (re.), dinnierte mit seinem Gefolge vom Verein Saltatio Burgus aus Dessau. Foto: Alexander Walter

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  • Daniela Böttcher zeigte, wie Salzwedeler Baumkurchen hergestellt wird. Die Gäste durften probieren.Foto: Alexander Walter

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  • Auch Mickey Mouse fehlte nicht. Die jüngsten Besucher mussten allerdings erstmal Vertrauen fassen. Foto: Alexander Walter

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  • Bei den Feldjägern aus Burg durften die Jüngsten aufs Motorrad. Foto: Alexander Walter

    Bei den Feldjägern aus Burg durften die Jüngsten aufs Motorrad. Foto: Alexander Walter

  • Musiker Matthias Marggraf und ein kleiner Bewunderer. Foto: Alexander Walter

    Musiker Matthias Marggraf und ein kleiner Bewunderer. Foto: Alexander Walter

  • Vor allem die jungen Leute stürmten den Rummel. Foto: Alexander Walter

    Vor allem die jungen Leute stürmten den Rummel. Foto: Alexander Walter

  • Zehntausende Besucher kamen allein am Sonnabend zum Sachsen-Anhalt-Tag nach Eisleben. Foto: dpa

    Zehntausende Besucher kamen allein am Sonnabend zum Sachsen-Anhalt-Tag nach Eisleben. Foto: dpa

  • Die Mitglieder des Heimatvereins Beyendorf-Sohlen nehmen seit Jahren mit ihren Bördetrachten am Landesfest teil. Foto: Alexander Walter

    Die Mitglieder des Heimatvereins Beyendorf-Sohlen nehmen seit Jahren mit ihren Bördetrachten...

  • Luftballons in allen Formen gab‘s bei diesem Clown. Foto: Alexander Walter

    Luftballons in allen Formen gab‘s bei diesem Clown. Foto: Alexander Walter

Ein paar Meter entfernt flirtet der Gardeleger Otto-Reutter, alias Manfred Brandt, derweil mit den Mitarbeiterinnen der Stadt Dürrenberg. „Und bist du ein Mädchen von zwanzig Jahr und freist einen Mann, der schon fünfzig war“, rezitiert er aus einem Couplet seines berühmten Vorbilds. Schnell taut das Eis, die Dürrenbergerinnen lachen – Brandt ist in seinem Element. Für seine Einlage erhält er lauten Applaus. Nicht nur Beifall bekommt dagegen Martin Kloes. Der Eisleber kümmert sich um die öffentlichen Toiletten seiner Stadt. Jedem Besucher muss er 50 Cent abnehmen.

Gäste aus anderen Ländern

„Ich sollte mich schon ausweisen, einer hat gedroht, die Polizei zu rufen“, erzählt er. Die Mehrheit der Gäste aber sei freundlich. Toll findet Kloes das große Interesse an seiner Heimat. „Eisleben sollte solche Feste öfter auf die Beine stellen. Wir haben schließlich eine wunderbare Stadt“, sagt er. Das scheint inzwischen zu immer mehr Menschen durchzudringen. Am frühen Abend wird die Festmeile deutlich voller. Autos mit Kennzeichen auch aus den Nachbarbundesländern drängen sich auf den Parkplätzen am Stadtrand. Zehntausende Besucher halten sich jetzt auf der Festmeile auf. Auf dem Rummel mit dem höchsten Riesenrad Europas bilden sich Schlangen. Die zweite große Partynacht des Landesfestes nach Freitag kündigt sich an. An den Bühnen der Radiosender versammelt sich das Abendpublikum.

Am Markt tritt Oberbürgermeisterin Jutta Fischer ans Mikrofon. Zeit für eine Zwischenbilanz: „Es war richtig den Sachsen-Anhalt-Tag nach Eisleben zu holen“, betont sie. „Alle zeigen ihre Verbundenheit zur Stadt.“ Fischer ist überzeugt: Das Fest wird lange nachwirken. „Viele haben gesagt, sie wollen wiederkommen.“ Das hoffen auch Bernd Ehricht und Jochen Cuck unten vor der Bühne. Die Eisleber haben die Rede ihrer Oberbürgermeisterin verfolgt. „Es ist traurig, dass Eisleben in den vergangenen Jahren als Lutherstadt so hinter Wittenberg zurückgetreten ist“, sagt Ehricht. „Wenn der Sachsen-Anhalt-Tag daran etwas ändert, wäre das toll.“

Quedlinburg bewirbt sich

Unterdessen haben die Quedlinburger Stadträte beschlossen, sich als Sachsen-Anhalt-Tag-Ausrichter für das Jahr 2019 zu bewerben.