Glänzende Leistungen der Österreicher und verdienter Sieg – Deutschlands Vertreter enttäuschten recht unangenehm.

 

Etwa 3000 Zuschauer hatten sich trotz des recht fragwürdigen Wetters am Zooplatz eingefunden und eine ganz große Portion Begeisterung mitgebracht. So war Halles Publikum wohl noch nie bei der Sache; es feuerte an, schrie und tobte und wollte auf diese Weise der deutschen Mannschaft klar machen, dass sie unbedingt siegen musste. Doch alles das half nichts. An der Nervosität der Spieler, die sich sonderbarerweise diesmal in zu großer Ruhe äußerte, prallte alles ab.

Deutlicher gesagt: Bis auf einige lichte Momente spielte Deutschlands Vertretung unter aller Kritik. Nicht ein Spieler, der restlos gefallen konnte. Der größte Versager aber war Männel – Dresden, der Mittelstürmer. Was wollte der Mann in der Ländermannschaft? Der Sturm zusammenhanglos, die komplette Läuferreihe des deutschen Meisters nicht so wie sonst, aber immer noch der beste Mannschaftsteil, – und die Verteidiger verwirrt, oft hilflos. Von den sechs Toren Österreichs wurden drei dadurch verursacht, dass man den Angreifer nicht anging, sondern brav sich zurückzog und seitwärts deckte.

Auch Riedrich (Leipzig) im Tor war nicht bei bestem Können. Er stand bei Winkelschüssen oft grundfalsch. Anders dagegen unsere österreichischen Brüder. Schnell und noch schneller waren sie, hart, aber fair, begeistert durch sich selbst (allein gegen 3000 Kehlen), zähe und kurz entschlossen. Auch technisch vollendet und taktisch richtig (zeitweise verstärkte Verteidigung) war ihr Spiel. Sie können mit dem Bewusstsein heimfahren, ehrlich und verdient gesiegt zu haben. Im Ganzen genommen, war das Spiel trotzdem von hohem sportlichem Werte und hat sicher wieder viele Freunde für die Handballsache geworben.

Der Spielverlauf

Die erste Minute bringt ein Tor für Österreich, das wegen Abseits nicht gewertet wird. Einige Momente später aber bringt Männel für Deutschland ein gültiges Tor an. Dann gleicht Neumetzer mit schöner Einzelleistung aus und noch in gleicher Minute fällt von Rechtsaußen das zweite Tor. 2:1 für Österreich.

Deutschlands Hintermannschaft versagt. Nachdem dann Österreich in der 12. Minute zum dritten Mal einsendet, kommt die Verteidigung endlich zur Besinnung. Halbzeit 3:1 für Österreich. Jetzt folgt die zweite, die große Halbzeit.

In auffallender Ruhe, zum Schlafen einladend, beginnt das Spiel aufs Neue. Einen scharfen Schuss hält Riedrich im Fallen – den abfallenden Ball lässt man Fischer (Österreich) ungehindert aufnehmen und mühelos einsenden: 4:1. Jetzt ist des Publikums Ruhe zu Ende. Es schreit und tobt, feuert an, ständig, zunächst mit Erfolg. In der 12. und 13. Minute erzielt Deutschland zwei schöne Tore durch Burkowsky und Böhme, es steht 4:3. Halle will Deutschlands Sieg sehen und feuert an, jauchzt, jubelt – vergebens ...

In der 20. und 22. Minute lässt man wieder Österreich unangegriffen billige Tore werfen – und langsam ebbt das Spiel dem Ende zu! 6:3 für Österreich! Das Mutterland des Handballs geschlagen, geschlagen im ersten Länderspiel!