Leipzig (dpa/jl) l Eine Serie von Brandanschlägen auf Bahnanlagen in Leipzig hat den Bahnverkehr am Montag massiv behindert. Weil Signaltechnik zerstört wurde, konnte zahlreiche S-Bahnen, Regional und Fernzüge in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen nicht oder nur mit großen Verspätungen fahren. In Magdeburg wurde am Montagabend der Zugverkehr bis auf weiteres vollkommen eingestellt.

Die Polizei vermutet Linksextremisten hinter den Anschlägen. Ein Bekennerschreiben im Internet stellte einen Bezug zum bevorstehenden G20-Gipfel in Hamburg her. Auch in Niedersachsen, Berlin, Hamburg und Nordrhein-Westfalen gab es Anschläge. Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) verurteilte sie scharf.

In Sachsen übernahm das Operative Abwehrzentrum (OAZ) die Ermittlungen. Wie Sprecherin Kathleen Doetsch sagte, wurden in Leipzig an vier Orten Brandsätze deponiert. Dreimal wurden damit Kabelschächte angezündet. In Leipzig-Leutzsch hätten Mitarbeiter der Deutschen Bahn die Brandsätze gefunden, bevor sie Schaden anrichten konnten. Konkrete Hinweise zu den Tätern gebe es noch nicht. "Mit dem Bekennerschreiben hat sich aber die politische Motivation bestätigt", sagte Doetsch.

Bekennerschreiben nach den Brandsätzen

Die Brandsätze seien bundesweit zwischen 1 Uhr und 4.30 Uhr gelegt worden. Laut dem Bekennerschreiben "Shutdown G20 – Hamburg vom Netz nehmen!" hatten die Täter "mehrere Hauptstrecken der Bahn" im Visier. Die Polizei ließ in der Nacht in Leipzig einen Hubschrauber aufsteigen, um nach möglichen weiteren Brandorten zu suchen.

Sachsens Innenminister Ulbig erklärte, es handele sich um schwere Straftaten, die mit aller Konsequenz verfolgt würden. Derartige Taten hätten nichts mehr mit Globalisierungs- und Gesellschaftskritik zu tun. Sie seien einfach nur hoch kriminell und erforderten eine harte Bestrafung. Er könne nur an alle G20-Kritiker appellieren, sich nicht an derartigen Aktionen zu beteiligen oder diese auch nur ansatzweise zu unterstützen.

Die Auswirkungen der Anschläge auf den Bahnverkehr waren enorm. Vier S-Bahn-Linien, darunter die wichtige Pendler-Verbindung Leipzig-Halle, waren unterbrochen. Auch der Regionalverkehr zwischen Leipzig und Dresden sowie der Fernverkehr unter anderem auf der internationalen Strecke Prag-Berlin waren beeinträchtigt. Erst im Laufe des Vormittags konnten einige Verbindungen wiederaufgenommen werden. Die Bahn teilte jedoch mit, dass weiterhin mit erheblichen Verspätungen und Ausfällen gerechnet werden müsse.

Telefonnetz ebenso beeinträchtigt

Auch das Vodafone-Netz im Südosten war wegen der Anschläge teilweise gestört. "Weil wir in der Nähe von Bahntrassen Anlagen unterhalten, sind wir lokal davon betroffen", sagte ein Sprecher. MDR Aktuell berichtete, dass rund 14.000 Haushalte in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen in Mitleidenschaft gezogen wurden.

Es sei noch nicht absehbar, wann sich der Zugverkehr wieder komplett normalisiert haben wird, sagte eine Bahnsprecherin in Leipzig. Reparaturen der beschädigten Bahnanlagen könnten erst beginnen, wenn die Polizei ihre Ermittlungen vor Ort beendet habe. Das war am Nachmittag der Fall, wie die OAZ-Sprecherin berichtete.