Erfurt (dpa/th) - Schneewehen, umgestürzte Bäume, heftige Winde und schulfrei für viele Schüler: Das Sturmtief "Egon" hat Autofahrer und Bahnreisende in Thüringen am Freitag auf eine Geduldsprobe gestellt. Nach Angaben der Polizei mussten viele Straßen gesperrt werden, weil Bäume auf den Fahrbahnen lagen oder Lastwagen und Autos steckenblieben. Betroffen war vor allem der Thüringer Wald. Auf der Autobahn 73 rund um das Dreieck Suhl ging am Vormittag teilweise nichts mehr. Laut Landeseinsatzzentrale gab es landesweit viele Unfälle, die überwiegend mit Blechschäden endeten.

Es habe einige Leichtverletzte gegeben, sagte ein Polizeisprecher. Die Lage im Thüringer Wald sei angespannt. Ein Sprecher des Kreises Schmalkalden-Meiningen fand drastische Worte: "Die Situation ist chaotisch." Betroffen sei vor allem die Rhön. Dort hielten sich Feuerwehren und die Bergwacht einsatzbereit, um schnell ausrücken zu können. Laut Polizei stellte der Winterdienst in der Rhön teilweise seine Arbeit ein, weil auf den Straßen kein Durchkommen mehr war.

In den Höhenlagen des Eichsfeld rund um Küllstedt betrugen laut Polizei die Sichtweiten wegen Schneeverwehungen mitunter nur zehn Meter. Die Polizei rief Lkw-Fahrer auf, wegen des starken Windes Parkplätze aufzusuchen. Das betraf vor allem Gefahrgutlaster. "Ein Abfahren von der Autobahn wird nicht angeraten, da es auf den Landstraßen nicht besser aussieht", erklärte ein Sprecher der Autobahnpolizei.

Auf den Schienen wirbelte das Sturmtief zum Teil die Fahrpläne durcheinander. Nach Angaben der Erfurter Bahn war die Strecke zwischen Hockeroda und Blankenstein (Saale-Orla-Kreis) gesperrt. Auch zwischen Zeulenroda und Hof in Bayern ging nichts mehr. Fahrgäste mussten sich landesweit auf Verspätungen einstellen.

In Neuhaus am Rennweg fiel nach Angaben des Kreises Sonneberg die Schule aus. Viele Schüler seien wegen der Witterung ohnehin zu Hause geblieben, sagte ein Sprecher des Landratsamts. Jugendliche, die es bis zum Schulcampus geschafft hätten, seien betreut worden. Auf dem Gelände befinden sich eine Grundschule, eine Gemeinschaftsschule und ein Gymnasium. Betroffen waren 800 Schüler.

Auf dem Weg zur Schule blieb zwischen Aschenhausen und Kaltensundheim (Kreis Schmalkalden-Meiningen) ein Schulbus stecken. In Kaltensundheim fiel der Unterricht ebenfalls aus. Nach Angaben mehrerer Landratsämter blieben auch an anderen Orten Schulbusse in Schneewehen stecken oder kamen wegen Unfällen auf den Straßen nicht weiter und kehrten wieder um. "Einige Orte waren mit Bussen nicht erreichbar", erklärte ein Sprecher des Kreises Saalfeld-Rudolstadt. Unterrichtsfrei gab es auch an der Regelschule Oberweißbach. Dort schafften es auch einige Lehrer nicht zum geplanten Schulbeginn, hieß es.

Die Landesforstanstalt sprach von vielen Schäden durch umgestürzte Bäume. Zum Umfang könne er noch nichts sagen, so ein Sprecher. "Bisher hat es noch nicht das Ausmaß von Kyrill angenommen." Bei dem Orkan Anfang 2007 wurden 110 000 Hektar Wald beschädigt. Diesmal seien vor allem die Kammlagen des Thüringer Waldes und Ostthüringen betroffen. Dort seien zum Teil für Freitag geplante Jagden abgesagt und Forstarbeiten eingestellt worden.

Im Thüringer Wald mussten sich Ski-Fahrer in Geduld üben. Wegen heftiger Winde wurden die Loipen zunächst nicht gespurt. Außerdem blieben die Lifte am Vormittag geschlossen. "Der Schnee kommt von links und rechts und überall", berichtete Christin Löffel vom Regionalverbund Thüringer Wald.

Nach Angaben der Thüringer Energie AG (TEAG) kam es Vormittag zunächst zu keinen größeren Störungen im Stromnetz. In Gera schloss die Stadt ihre vier kommunalen Friedhöfe, um Besucher vor umstürzenden Bäumen zu schützen. In Erfurt blieb der egapark geschlossen. Die Klassik Stiftung Weimar warnte davor, ihre historischen Parks und Gartenanlagen zu betreten.