Gary Paffett weiß, dass seine Titelchancen vor dem Finale gering sind. Trotzdem glaubt der Brite daran, am Sonntag seinen zweiten DTM-Titel feiern zu können.

Die Ausgangslage ist eindeutig: Sieben Punkte trennen DTM-Tabellenführer Timo Scheider vor dem Saisonfinale in Hockenheim von seinem einzigen Titelrivalen Gary Paffett. Dem Audi-Piloten reicht also ein fünfter Platz, um seinen Titel erfolgreich zu verteidigen. Ein sechster Platz würde Scheider nicht reichen, weil Paffett mehr Rennen gewonnen hat.

"Ich hoffe auf ein spannendes Rennen", sagt der Herausforderer Paffett. "Das letzte Rennen in Dijon war sehr spannend und eng. Es gab einige Überraschungen und ein fantastisches Ergebnis für uns, mit mir als Sieger. Hoffentlich können wir in Hockenheim eine ähnliche Leistung zeigen." Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug bremst jedoch die Titeleuphorie: "Wir wollen ein sportlich großartiges Finale bieten, aber die Meisterschaft ist für mich entschieden." Trotzdem könnten fünf Fakten den Titelkampf doch noch zu Gunsten von Paffett wenden.

Faktor 1: Der Druck

Gary Paffett geht mir einer klaren Einstellung in das letzte Saisonrennen: Er hat nichts zu verlieren. "Ich bin gespannt auf das Saisonfinale, aber ich bin nicht nervös", sagt er. "Wir werden unser Bestes geben, wollen das Rennen gewinnen, aber der Druck liegt bei Timo und Audi. Sie können nur verlieren, wir haben sieben Punkte Rückstand, was ziemlich viel ist."

Damit Paffett Meister wird, müsste er das Rennen gewinnen und Scheider dürfte maximal Sechster werden. Obwohl Scheider es anders sieht, wähnt Paffett den Druck klar beim Spitzenreiter. "Wir können den Ausgang nicht beeinflussen. Der Druck liegt bei ihnen. Ich bin sehr entspannt und entschlossen, eine gute Leistung zu bringen."

Faktor 2: Der Speed

Gary Paffett ist mit 12 Siegen nicht nur der zweiterfolgreichste aktive DTM-Pilot, sondern hat mit bislang drei Rennen auch die meisten Läufe in dieser Saison gewonnen. "Ich habe mehr Rennen gewonnen als alle anderen, das Team war überall konkurrenzfähig", betont Paffett. "Zwei Siege habe ich vom 7. und 8. Startplatz erzielt - ohne direkte Hilfe von Teamkollegen. Beide Male haben wir die Strategie genutzt, um den Speed auszuschöpfen. Wir hatten in diesem Jahr einen unglaublichen Rennspeed."

Das soll auch in Hockenheim so sein. Norbert Haug bestätigt Paffetts starke Rennperformance: "Neben Ralf Schumacher hat Gary die meisten Plätze im Rennen gut gemacht", so Haug. Bei Paffett waren es 25. Positionen, bei Schumacher deren 26.

Faktor 3: Das Gewicht

Die Gewichtssituation vor dem Finale spricht theoretisch gegen Paffett: "Wir haben 10 kg Handicap gegenüber Audi, das hilft uns nicht gerade", gesteht er. Doch Paffett hat gute Erinnerungen daran: "Wir haben in Zandvoort mit 10 kg Handicap das Rennen gewonnen. Es ist also möglich, damit Rennen zu gewinnen. Ich hoffe, auf eine ähnliche Leistung."

Einfach wird das allerdings nicht. "Ich sehe es nicht so, dass man in Hockenheim die 10 Kilo ignorieren kann", sagt Haug. "Ich denke schon, dass das bei der Enge des Starterfeldes ein großes Handicap ist." Haug und Paffett schätzen, dass der Gewichtsunterschied zwischen den Neuwagen von Audi und Mercedes rund zwei Zehntel ausmacht. "Wenn man sich die Startaufstellung ansieht, dann sind das gleich mehrere Plätze", warnt Haug.

Paffett gibt deswegen nicht auf. "Zwei Zehntel sind viel, wenn man bedenkt, wie viel Zeit es kostet, das mit dem Setup auszugleichen. Es wird also sicher nicht einfacher, sondern sogar schwieriger. Aber ich habe in Zandvoort nicht nur gewonnen, ich war ziemlich dominant." Soll heißen: Noch ist nichts verloren.

Faktor 4: Das Team

Angesichts des Punkterückstands kommt zwangsläufig irgendwann die Stallregie zur Sprache. "Wir werden unser Bestes geben, aber wir können das Ergebnis nicht beeinflussen", sagt Paffett. "Wir fahren ein faires Rennen." Audi habe in diesem Jahr einige Male Autos durchgewunken, um die Meisterschaftschancen zu verbessern. "Auch wir wollen die Meisterschaft gewinnen, aber wir sind nicht so verzweifelt, dass wir deswegen die Positionen tauschen."

Ein Mercedes-Fünffacherfolg auf den ersten fünf Plätzen wie in Dijon würde Paffett bei einem Sieg den Titel sichern. Aber Norbert Haug glaubt daran, dass dies nicht zwingend notwendig sein muss. "Es müssen keine fünf Mercedes vorne sein", betont er. "Es können auch vier Audi vor Scheider liegen. Schließlich geht es hier um Motorsport."

Faktor 5: Das Qualifying

Obwohl Paffett in diesem Jahr zwei Mal aus hinteren Startreihen gewonnen hat, spielt eine gute Qualifyingposition eine wichtige Rolle im Unternehmen Titelgewinn. Das war bislang nicht die Stärke von Paffett. "Wir hatten einige Probleme", erinnert er sich. "Trotzdem war die Qualifyingleistung nicht schlecht, wir hatten nur etwas Pech."

Zudem setzt er auf Fehler der Konkurrenz: "Sie haben im Qualifying in Dijon einen großen Fehler gemacht, vielleicht wiederholen sie das hier." Haug fordert trotzdem eine bessere Startposition. "Wenn Gary die Qualifyingleistung von Bruno Spengler gehabt hätte, sähe es vielleicht anders aus. Dafür haben wir die meisten Rennen gewonnen. Es ist halt nicht ideal verteilt."

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