Trotz des größten Qualifying-Erfolgs für Mercedes in dieser Saison gibt sich Norbert Haug weiterhin bescheiden. Den Titel sieht er in weiter Ferne.

Für Mercedes könnte der erstmals von der DTM befahrene ostfranzösische Kurs von Dijon zum guten Pflaster werden. Zum zweiten Mal in dieser Saison nach Paul di Restas Erfolg in Brands Hatch durfte Norbert Haug über eine Pole Position seiner Mannschaft jubeln: "Ich muss unserer Mannschaft danken - sechs C-Klassen unter den Top 8 sind sehr eindrucksvoll. Bruno ist eine tolle Runde gefahren. Dass Tom Kristensen als Dritter eine Sekunde langsamer war, zeigt, was man hier alles zusammenbekommen muss, damit es im Ergebnis klappt."

Für die Stuttgarter hielt das Zeitfahren in Dijon das beste Qualifying-Ergebnis seit mehr als einem Jahr bereit, nachdem sie auch diesmal ihre Stärken bei wechselhaftem Wetter gegenüber Audi ausgespielen konnten. "Heute haben Bruno und Paul eine perfekte Leistung gezeigt", sagte der Mercedes-Motorsportchef - und gab zu bedenken: "Bruno hatte hier vor sechs Jahren einen schweren Unfall in der Formel 3, der beinahe seine Karriere beendet hätte. Er lag mehr als drei Monate im Krankenhaus. Hier eine gute Leistung zu zeigen, war für ihn sicher eine spezielle Motivation."

Ungenutzte Steilvorlage

Dennoch hätte die Freude bei Norbert Haug noch weitaus größer ausgefallen. Die Steilvorlage Timo Scheiders, der sich mit einer allzu mutigen Reifenentscheidung bereits in der ersten Session ins Aus manövriert hatte, wurde von Gary Paffett nur bedingt genutzt. "Für Gary hat sich die Situation nicht geändert. Timo hat einen großen Vorsprung, und auch Gary ist nur Achter. Das sind nicht die perfekten Positionen", musste Haug gestehen. "Wir würden gerne den Titel holen, aber die Chancen sind gering. Der Sieg ist nun unser Ziel."

Auch bei Norbert Haug sorgte die Lösung bei der Streckenbegrenzung in der letzten Kurve nicht nur Begeisterung. Ein Kunstrasenstück, dessen Überfahren mit harten Strafen der Rennleitung geahndet wird, hatte bei den Piloten Unmut ausgelöst. "Der Rasenteppich in der letzten Kurve ist nicht perfekt gelöst. Dennoch ist es bisher ein tolles Event - Dijon setzt für einen debütierenden Austragungsort Maßstäbe", relativiert Haug. "Es gibt immer Raum für Verbesserungen, und vielleicht werden wir morgen viel über die letzten Kurve diskutieren, aber es gab schon schlimmere Dinge."

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