Ein taktischer Fehler bei Timo Scheider verschaffte Mercedes eine Steilvorlage. Doch besser als Titelkandidat Gary Paffett nutzte diese Bruno Spengler.

Ebenso wie im vergangenen Jahr bringt scheint das DTM-Wochenende in Frankreich ungeahnte Spannung in die Endphase des Titelkampfes zu bringen: In einem zunehmend verregneten Qualifying sicherten sich Bruno Spengler und Paul di Resta die Doppel-Pole für Mercedes. Anders als Mattias Ekström, der morgen auf Startplatz vier steht, enttäuschten die beiden übrigen Titelkandidaten die Erwartungen: Nach strategischen Fehlern bei der Reifenwahl mussten sich Gary Paffett und Timo Scheider mit den Plätzen acht und 16 begnügen.

Scheider verzockt sich

Kurz vor dem Qualifying einsetzender Nieselregen sorgte von Beginn an für schwierige Bedingungen. Während sich Ralf Schumacher einen Ausritt neben die Strecke erlaubte, traf man bei der Ingolstädter Konkurrenz eine frühe taktische Fehlentscheidung. So entschied man sich trotz rasch abbauender Reifen bei Timo Scheiders Boxenstopp gegen einen Reifenwechsel. Während der letzten Runden gelang es dem bis auf Platz 16 durchgereichten amtierenden Champion nicht mehr, eine Verbesserung seiner Zeit zu erzielen - und schied damit vorzeitig aus dem Qualifying aus.

"Wir haben uns klassisch verzockt. Wir haben einen Satz Reifen sparen wollen, haben den Radsturz zurückgenommen und sind nun raus aus dem Rennen", sagte Scheider gegenüber der ARD, der seinen komfortablen Vorsprung in der Meisterschaftstabelle bereits schmelzen sieht. "Der Kurs ist nicht überholfreundlich - aber jetzt kann ich morgen befreit auffahren." Einen Befreiungsschlag erlebte man auch bei Mercedes: Während sämtliche vorzeitig ausgeschiedene Piloten aus Audi-Reihen kamen, sorgte Maro Engel vor Audi-Konkurrent Oliver Jarvis für die Bestzeit der ersten Session.

6:2 für Mercedes

Auch im zweiten Durchgang gab ein Mercedes-Jahreswagenpilot den Ton an: Von Beginn an setzte sich Jamie Green an die Spitze der Zeitenliste und manifestierte dort seine Performance. Eine souveräne Vorstellung zeigte auch Gary Paffett. Anders als in der ersten Session, während derer er zwischenzeitlich ähnlich wie Scheider um den Einzug in die nächste Session hatte zittern müssen, gelangte die Mercedes-Speerspitze im Meisterschaftskampf problemlos in den nächsten Durchgang.

Lange Gesichter herrschten weiterhin bei Audi vor: So schieden nicht nur sämtliche verbliebene Jahreswagen der Ingolstädter während der zweiten Session aus. Auch Martin Tomczyk musste seinen Arbeitstag vorzeitig beenden, nachdem sein vorletzter Versuch mit einer nicht ausreichenden Zeit, der letzte gar mit einem Ausritt ins Kiesbett geendet hatte. Lediglich Mattias Ekström und Tom Kristensen hielten in den Top 8 die Audi-Flaggen hoch.

Verärgerung bei Paffett

Der schon zum Ende der zweiten Session stärker werdende Regen machte sich im dritten Durchgang noch weitaus drastischer bemerkbar: Der Versuch der Mercedes-Piloten, dennoch weiterhin mit Slicks auf Zeitenjagd zu gehen, gelang nicht. Ein mehrfaches Hin- und Herwechseln zwischen den Reifentypen sorgten bei den Stuttgartern für eine wenig souveräne Vorstellung, die nun wiederum Audi zu nutzen wusste: Früh setzten sich Tom Kristensen und Mattias Ekström in den Top 3 fest und qualifizierten sich für den finalen Schlagabtausch.

Gary Paffett konnte aus dem taktischen Fehler bei Timo Scheider am Ende weniger Kapital schlagen als von seinem Kommandostand erhofft. "Das Team hat bei der Reifenwahl die falsche Entscheidung getroffen", stellte Paffett später verärgert fest. Die unklare Linie bei der Reifenwahl verhagelte dem Champion von 2005 ein gelungenes Finish - Startplatz acht für Scheiders Hauptkonkurrenten.

An Stelle Paffetts schafften Bruno Spengler und Paul di Resta den Sprung in die Top 4. Die beiden HWA-Piloten sorgten auch aus Paffetts Sicht für Schadensbegrenzung: Mit Leichtigkeit setzten sich Spengler und di Resta an die Spitze der Zeitenliste und verwiesen Kristensen und Ekström auf die Plätze drei und vier.

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