Beschwerlicher Ballast, Missgeschicke auch bei der Konkurrenz: Für Norbert Haug waren die Kräfteverhältnisse weniger deutlich als die Ergebnislisten.

Hatte das Ergebnis des letztjährigen Qualifyings noch für reglementarische Verwirrung gesorgt, so war der Audi-Triumph in diesem Jahr auch für den Mercedes-Sportchef klar: Zum achten Mal in Folge hatten sich die Stuttgarter im Zeitfahren der Konkurrenz geschlagen geben müssen. "Das Qualifying spricht eine andere Sprache als das Training. Heute Morgen war Audi klar vorne, aber am Nachmittag haben wir uns verbessert", stellte Norbert Haug trotz der erneut deutlichen Qualifying-Niederlage Fortschritte fest.

Forciert wurde des mäßige Ergebnis durch Fehlzündungen bei Gary Paffetts Mercedes-Aggregat. Der britische Meisterschaftsführende schied so bereits in der ersten Session aus und musste sich mit der drittletzten Startreihe begnügen. "Ich freue mich nicht über Platz 16, denn der Speed war da. Er hatte Probleme mit dem Motor und konnte nicht Vollgas geben. Wir sind für Garys technischen Fehler verantwortlich, aber wir haben auch schon bei Audi Fehler gesehen", kommentierte der Mercedes-Sportchef den Fauxpas, der sich höchstwahrscheinlich auch auf Paffetts morgiges Ergebnis auswirken wird: "Vielleicht hilft die Strategie, aber es wird schwer für ihn, Punkte zu holen."

Vier Siege trotz acht Audi-Poles

Voll des Lobes war Norbert Haug mit Blick auf die zweite aktuelle Speerspitze des HWA-Teams. So sprengte Bruno Spengler den Audi-Block und fuhr in Startreihe zwei: "Eine tolle Leistung von Bruno, wenn man bedenkt, dass er mit zehn Kilogramm Ballast fährt. Ohne die Zusatzgewichte wäre für ihn die Pole-Zeit möglich gewesen. Es ist beeindruckend, dass er Ekström und Scheider schlagen konnte." Beim Gedanken an einen erneuten Sieg auf dem Nürburgring zeigt sich Haug keineswegs pessimistisch: So hatte Bernd Schneider hier im vergangenen Jahr trotz einer Pole Position von Tom Kristensen seinen letzten Sieg in der DTM gefeiert.

"Von Platz zwei aus ist alles möglich, zumal man hier am Start gut überholen kann. Die Wettervorhersage ist noch undurchsichtig. Vielleicht bekommen wir ein ähnliches Wetter wie im letzten Jahr, als wir einen Vierfachsieg eingefahren haben", sagte Haug - und richtete eine Kampfansage an die Ingolstädter Konkurrenz: "Wer die Pole hat, hat den Sieg noch nicht. Ich gratuliere Audi zur achten Pole Position in Folge, aber in dieser Zeit haben wir auch vier Siege errungen. Bruno ist ein Spezialist für gute Starts - ich hoffe auf seine Long Runs und seine Kampfstärke. Und ich hoffe auf Fairness, nicht auf Blockaden."

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