Weniger die Fahrzeugperformance als vielmehr die Nervosität und schlechte Kommunikation machte Dr. Wolfgang Ullrich für das Abt-Audi-Ergebnis verantwortlich.

Nach dem Durcheinander am Mercedes-Kommandostand auf dem Norisring war es diesmal Dr. Wolfgang Ullrich, dessen Qualifying-Planungen aus dem Ruder liefen. Statt einer erneuten Pole Position für die Abt-Audi-Piloten bot sich Ullrich der ungewohnte Anblick von Mercedes-Piloten, die sich erfreut über ihre Zandvoort-Ausbeute zeigten. "Einen Jahreswagen zu fahren, ist kein Nachteil mehr. Nicht nur Oliver [Jarvis], sondern auch Mike [Rockenfeller] war sicher in den Top 4. Das zeigt, dass wir die Balance der Autos hinbekommen haben. Schon im letzten Jahr hat das 2008er-Auto hier eine gute Performance gezeigt", freute sich der Audi-Sportchef über den einzigen Lichtblick des Tages. "Hut ab vor Oliver - mit drei Sektorenbestzeiten war das eine tolle Leistung."

Aneinander vorgeigeredet

Das Sensationsergebnis der Jahreswagen konnte ihm dennoch nicht über die Enttäuschung über die Ergebnisse der Neuwagen nehmen. Ausgerechnet auf jener Strecke, auf der 2008 noch eine regelrechte Spazierfahrt zum Vierfachsieg der Abt-Audi-Neuwagen geführt hatte, erzielten die Neuwagen mit den Startreihen vier bis sechs ihr schlechtestes Qualifying-Ergebnis dieses Jahres. "Wir sind sicher nicht glücklich über das Ergebnis der Neuwagen. Vor allem bei Timo und Eki, die in der Meisterschaft in einer guten Position sind, haben wir uns etwas anderes vorgestellt."

Buchstäblicher Stein des Anstoßes war Katherine Legge im Jahreswagen, deren Zuordnung zum Abt-Team sich heute in der Wahl ihres prominenten Kollisionspartners in der Boxengasse bemerkbar machte. "Wir haben ihre Performance aufblitzen sehen, aber die Kommunikation ist nicht so gut gelaufen. Es gibt interne Regeln, und so etwas sollte nicht passieren", sagte der Österreicher mit Blick auf Timo Scheiders unverschuldet missglückten Versuch, unversehrt die Boxen zu verlassen.

Am Ziel vorgeigefahren

Anschließend brachte die Britin einen weiteren Neuwagenpiloten in Rage, als sie Mattias Ekström auf seiner fliegenden Runden aufhielt - und dem Schweden so den Einzug in die dritte Qualifying-Session verbaute. Ullrich sah erneut die Kommunikation als zentrales Problem: "Es ist die Nervosität durchgekommen, als Katherine und Timo ihre kleine Kollision hatten. Alle um sie herum waren aufgebracht. Das hat zu einer Kommunikation geführt, die nicht so eindeutig war, wie sie sein muss. Nun müssen wir uns zusammensetzen und analysieren, warum wir mit den neuen Autos kein besseres Ergebnis erzielt haben."

Trotz der Pleite der Abt-Audi im Zeitfahren nimmt der Audi-Sportchef die guten Ergebnisse der Neuwagen im freien Training als Anlass, Zuversicht zu verströmen: "Morgen haben wir noch eine Chance, denn wir haben eine gute Strategie, mit der wir auch von den Plätzen acht bis elf noch aufs Podest kommen können. Oliver hat derweil die Aufgabe, mit dem Vorjahreswagen den Sieg nach Ingolstadt zu holen."

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