Norbert Haug zeigte sich beglückt vom heutigen Ergebnis - und verwies auf die besonders schweren Umstände.

Als Zandvoort-Schwergewichte hatten sich die Stuttgarter angesichts ihrer Ergebnisse an der Nordseeküste nie präsentiert. Stattdessen kam es im Anschluss an das Rennen in den Niederlanden meist zur Gewichtsabnahme der Mercedes-Boliden. "Über das Zusatzgewicht haben wir zwei Zehntelsekunden pro Runde mitgeschleppt. Nach Q1 waren fünf Autos innerhalb einer Zehntelsekunde - das sagt einiges aus", verwies Norbert Haug auf die aktuelle Gewichtstabelle, in der die 2009er-C-Klasse mit 1.055 Kilogramm an der Spitze steht. Dennoch reichte es für Gary Paffett, Bruno Spengler und Paul di Resta zu den Plätzen zwei, drei und fünf.

"Natürlich hat es geholfen, dass die neuen Audis ihren Speed nicht auf den Punkt gebracht haben. Eki hat diesen bei seinem zweiten Versuch gezeigt. Und Oliver Jarvis hat es heute am besten hinbekommen - Glückwunsch zur Pole", sagte Haug, um noch einmal auf sein Eingangsthema zurückzukommen: "Aber es ist hilfreich, 30 Kilogramm weniger zu wiegen." Mit Blick auf ihre heutigen Ergebnisse als Leichtgewichte präsentierten sich derweil Ralf Schumacher und Mathias Lauda: Sie landeten, im Falle Schumachers unverschuldet, auf den letzten beiden Plätzen.

Ineinander statt nur gegeneinander

Zuvor hatten sie sich auf der Strecke mit einigem Lackaustausch beharkt. Ein Urteil hierzu wollte Haug noch nicht sprechen: "Ich habe mir angewohnt, mir so etwas noch einmal präzise anzuschauen. Da kann ich mich an das letzte Wochenende erinnern, wo Lewis Hamilton kritisiert worden ist, obwohl ihn Mark Webber berührt und seinen Reifen aufgeschlitzt hat. Da war auch das schnelle Urteil nicht das richtige. Absicht war das nicht, denn jeder will die beste Startposition herausholen." Ein Machtwort schloss Haug dennoch nicht aus - und betonte: "Bei Mercedes fährt man zwar gegeneinander, aber nicht ineinander. Die Situation bei Audi in der Boxenstraße war ähnlich."

Eine Spazierfahrt hin zum Erfolg erwartet der Mercedes-Sportchef trotz der heutigen freudigen Überraschung nicht. "Das wird ein strategisches Rennen. Die Reifen werden entscheiden, wenn es trocken bleibt", sagte Haug, der sich der Gefahr von hinten bewusst ist: "Im Nassen gibt es andere Gesetze. Auch Mattias Ekström und Timo Scheider können schnell wieder nach vorne kommen, auch wenn die Tarzankurve riskant ist. Wir waren nie Zandvoort-Spezialisten, aber es ist wichtig, dass wir morgen mehr Punkte holen als die Rivalen."

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