Mit den Plätzen acht bis elf erlebten die favorisierten Abt-Audi-Piloten in Zandvoort eine Pleite. Für Schadensbegrenzung sorgte ausgerechnet Oliver Jarvis.

Als haushohe Favoriten waren Mattias Ekström, Timo Scheider und Co nach dem Abt-Audi-Vierfachsieg des vergangenen Jahres ins Zandvoort-Qualifying gegangen - als geschlagene Achte bis Elfte kamen die Abt-Audi-Piloten zurück. Dennoch errangen die Ingolstädter ihre 50. Pole Position in der DTM: So sorgte Phoenix-Pilot Oliver Jarvis für die erste Pole eines Jahreswagenpiloten in der DTM und verwies so die Mercedes-Neuwagenpiloten Gary Paffett und Bruno Spengler auf die Plätze. Doch nicht nur bei Abt-Audi gab es Pannen.

Nach der überschrittenen Rundenzahl am Norisring unterlief Ralf Schumachers HWA-Truppe auch diesmal ein folgenschwerer Fehler: So wurde der Ex-Formel-1-Pilot am Ende der ersten Session zu spät auf die Strecke geschickt - wenige Sekunden vor seinem Eintreffen an der Ziellinie war die für eine letzte fliegende Runde bereits abgelaufen. Schon zuvor war es bei Mercedes zu Unstimmigkeiten gekommen: So kam es auf Schumachers Aufwärmrunde zu einer Berührung mit Markenkollege Mathias Lauda.

"Er hat sich verbremst, vielleicht bin ich etwas im Weg gestanden. Er hat seinen Unmut kundgetan, indem er mir ins Auto gefahren ist", sagte Schumacher gegenüber der ARD. Abseits der HWA-Truppe verlief die erste Qualifying-Session unauffällig: Am Ende bestätigte Mattias Ekström seine gewohnte Zandvoort-Hochform und setzte sich an die Spitze der Zeitenliste.

Legge blockiert

Mit einer frühen Bestzeit für Martin Tomczyk schien Audi seine Favoritenrolle zu bestätigen - doch auch vier Minuten vor Ende der Session hatten sich die übrigen Piloten der Ingolstädter Neuwagen noch nicht qualifiziert. Dies änderte sich auch in den kommenden Minuten nicht: Während Tom Kristensen unauffällig im Mittelfeld stecken blieb, ging es rund um Timo Scheider und Mattias Ekström turbulent zu. So kollidierte Teamkollegin Katherine Legge - laut Audi-Kommandostand trotz entsprechender Funkhinweise - in der Boxengasse mit dem Fahrzeug des amtierenden Champions, als dieser gerade seine Boxencrew verlassen wollte. Auch im Folgenden agierte die Britin unglücklich:

So sah sich Mattias Ekström auf seiner schnellsten fliegenden Runde von Legge aufgehalten - und verpasste ebenso wie Scheider den Einzug in die dritte Session. "Bei Timo und Mattias war mit dem letzten Reifensatz das Problem, dass sie auf Grund von Problemen mit Verkehr unter ihren Möglichkeiten blieben", sagte Audi-Sportchef Dr. Wolfgang Ullrich. "Das war keine Frage von Fairplay. Man sieht an Martin, dass die Performance im Prinzip da ist." Als Schnellster der dritten Session betrieb ausgerechnet der bislang vom Pech verfolgte Tomczyk Schadensbegrenzung für Abt-Audi. Mit ihm zogen die drei verbliebenen HWA-Piloten sowie Jamie Green, Oliver Jarvis, Mike Rockenfeller und Alexandre Prémat in die vorletzte Session ein.

Jarvis brilliert

Hier machten die an gleichem Orte auch im vergangenen Jahr erfolgreichen 2008er-Audi auf sich aufmerksam: Mit einer frühen Bestzeit legte Oliver Jarvis im Phoenix-Audi die Messlatte, gefolgt von Rockenfeller, di Resta und Prémat. Anschließend arbeiteten sich die übrigen HWA-Mercedes nach vorne, ohne jedoch Jarvis von seiner Top-Position verdrängen zu können. Am Ende qualifizierte sich dennoch neben Bruno Spengler und Gary Paffett auf den Rängen zwei und vier auch Mike Rockenfeller für den finalen Schlagabtausch.

Derweil machte Martin Tomczyk das Fiasko im Abt-Audi-Lager perfekt: Mit einer schwachen letzten fliegenden Runde konnte sich der Bayer von Rang acht aus nicht mehr hocharbeiten. "Ich habe einen Fehler in der vorletzten Kurve gemacht, der mich richtig ärgert. Ich habe etwas zu spät gebremst, ein Rad ist blockiert", nahm Tomczyk die Schuld an dem mäßigen Ergebnis auf sich. "Das Auto funktioniert ? ohne den Fehler hätte ich in die Top 4 kommen können."

Dennoch schlossen sich die Abt-Pleite und eine Audi-Pole nicht aus: Die erste Vorlage von Gary Paffett wusste Mike Rockenfeller im Audi-Jahreswagen zwar nicht zu unterbieten. Auch Bruno Spengler setzte sich mit Leichtigkeit vor Rockenfeller. Mit mehr als fünf Zehntelsekunden Vorsprung auf Paffett sorgte Jarvis dennoch für die Pole-Sensation.

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