Nach Jahren der missglückten Starts und fehlenden Siege ist Jamie Green nun ausgerechnet in seiner ersten Jahreswagensaison ganz oben angekommen.

Vor einem Jahr schien sich Jamie Green bereits auf dem Höhepunkt seiner DTM-Karriere zu befinden. Nachdem der Brite einen möglichen Norisring-Sieg 2006 in Führung liegend nach einem kuriosen Fehler hatte abgeben müssen, fuhr er 2008 in Nürnberg seinen bis dato vierten DTM-Sieg sowie den zweiten Saisontriumph ein - und griff spätestens jetzt in den Titelkampf ein. Die Tragik seiner eigentlich überzeugenden Saison folgte erst später: Nach Rückschlägen in der Schlussphase des Titelkampfs verlor der nach Punkten zweitbeste HWA-Pilot des vergangenen Jahres sein Neuwagencockpit - und musste für 2009 erstmals in seiner DTM-Karriere mit einem Jahreswagen vorlieb nehmen. "Ich bin ein wenig überrascht", resümierte der Brite nun nach seinem Sieg von Startplatz sieben aus gewohnt zurückhaltend.

Ein vermeidbarer Fehler schien bereits gestern alle Podestträume zunichte gemacht zu haben. "Unser Auto hatte einen guten Speed, ich bin schon seit dem freien Training sehr zufrieden damit. Gestern nach dem Qualifying war ich aber etwas unglücklich - wir haben leider eine sehr wichtige Regel übersehen", spielt Green auf die überschrittene Rundenzahl in der dritten Session des Qualifyings an. "Es war gerade deshalb enttäuschend, weil wir dachten, genügend Speed für die Pole zu haben. Stattdessen sprang nur der siebte Startplatz heraus. Ich wusste nicht, was vom Rennen zu erwarten war, denn auch Regen war möglich."

Greens Meisterstück

Zunächst hatte sich Green nach einem gelungenen Start eher unauffällig auf einem guten fünften Platz bewegt, machte dann jedoch mit ungewöhnlich langen Stints und Rundenzeiten, die selbst denen von Timo Scheider und Bruno Spengler oft voraus waren, auf sich aufmerksam. "Ich hatte einen langen ersten und zweiten Stint, ich hatte lange freie Fahrt und kam so vor Paffett", blickt Green zurück. Noch weiter nach vorne kam der Persson-Pilot jedoch nur durch eigenes Engagement auf der Strecke.

Innerhalb der letzten fünf Runden schaffte Green den Sprung von Position drei bis nach ganz oben. "Bruno hat Timo gejagt, Timo wurde langsamer und ich war in Schlagdistanz. Ich wollte aber kein Risiko im Kampf mit Bruno eingehen; ich wollte ihn nicht aus dem Rennen werfen und habe stattdessen Reifen und Bremsen geschont. Mattias kam dann von hinten und hat sich bestimmt gefreut, wie viel Zeit wir im Kampf verloren haben", berichtete Green. Doch Ekström war für ihn nicht der eigentliche Gegner. "Bruno ist ein tolles Manöver gegen Timo gefahren, doch dann habe ich die Chance genutzt, als er sich verbremst hat."

Ausgleich für schwierige HWA-Jahre

Im Folgenden war der amtierende Champion an der Reihe, dem er sich letztes Jahr im Titelkampf noch deutlich hatte geschlagen geben müssen. "Timo hat mir die Tür zugeworfen, er ist in Kurve eins immer wieder vor mein Auto gezogen. Aber auch ich habe zwei Runden vor Schluss vor der Schikane eine harte Linie gewählt, es war sehr riskant, und ich wusste nicht, ob sich das ausgeht. Innen war die Wand, ich habe versucht, auf seine Höhe zu kommen. Timo kam weit nach außen, ich kam gut aus der Schikane heraus und so hat das Manöver perfekt funktioniert." In der letzten Runde habe er dann ein großes Lächeln im Gesicht gehabt...

Nach der Degradierung in den Jahreswagen sieht Jamie Green seinen Triumph als wichtigen Befreiungsschlag. Greens Fähigkeit zur Selbstkritik rückte auch im Moment des wohl größten Siegs seiner DTM-Karriere nicht in den Hintergrund. "Ich hatte vier Jahre ein neues Auto und habe leider nicht so viele Rennen gewonnen, wie ich sollte. Der Sieg im Jahreswagen macht vielleicht etwas davon gut", hofft der letztjährige Meisterschaftsvierte. "Ich bin glücklich mit meiner Performance. Mal sehen, wie wir heute Abend feiern. Ich lasse mich vom Team überraschen..."

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