Audi entwickelt jenen Boliden behutsam weiter, der schon 2008 Timo Scheider besonders gut lag. Und mit dem Titel ist sein Einfluss nicht geschrumpft...

Auf den Meisterwagen R14 folgt der R14plus: Im Rahmen der Essen Motorshow hat Audi am Freitag erste Eckdaten zum DTM-Engagement in der kommenden Saison verlauten lassen. Mit der Bezeichnung des 2009er-Boliden verdeutlichen die Ingolstädter die evolutionäre Herangehensweise bei der Weiterentwicklung des Meisterboliden der abgelaufenen Saison. Audi hält an den bekannten Teams fest: Während man bei Abt Sportsline für den Einsatz der vier Neuwagen zuständig ist, werden die "bis zu fünf" Jahreswagen von Phoenix und Rosberg betreut. Ein Verzicht auf die zwei Jahre alten Gebrauchtwagen - wie ihn 2008 schon Mercedes vollzogen hatte - scheint damit nicht ausgeschlossen.

Die Namensgebung für den 2009er-Boliden will man bei Audi keineswegs als schlechtes Omen verstanden wissen: Schon im Mercedes-Titeljahr 2006 machte man mit dem "R12plus" aus der betont konservativen Weiterentwicklung keinen Hehl - hatte aber mit dem R12 damals eine weit weniger erfolgreiche Basis zur Verfügung als nun. "Wir möchten den heuer gewonnenen Titel wieder verteidigen. Auch wenn ich weiß, dass wir die stärkste Konkurrenz haben, die man sich im Tourenwagensport vorstellen kann", gab Dr. Wolfgang Ullrich den Meisterschafts-Hattrick als Ziel aus.

Wünsche und Hoffnungen

Fundamentale technische Änderungswünsche der Abt-Audi-Piloten waren nach elf Rennen im erfolgsverwöhnten R14 kaum zu erwarten. Dennoch hatte man auch im Audi-Lager nie abgestritten, dass die Charakteristik des 2008er-Boliden dem späteren Champion Timo Scheider durchaus mehr lag als manch anderem Abt-Audi-Piloten. Machte der erste A4 DTM von 2004 noch mit einem durchaus gutmütigen Fahrverhalten auf sich aufmerksam, forderte der 2008er-Bolide mehr Anpassung vom Fahrer, als auch Martin Tomczyk lieb war.

"Wenn ich die Qualifying-Performance betrachte, hätte ich gern ein Auto, das runder zu fahren ist und nicht nur einen so minimalen Grenzbereich hat - auch wenn der R14 in diesem Grenzbereich extrem gut war", sagte Tomczyk im Gespräch mit dem adrivo Motorsport Magazin. Doch nachdem Timo Scheider in der vergangenen Winterpause nach einer nur mäßig erfolgreichen Saison zumindest keinen herausgehobenen Einfluss auf das Lastenheft seines Meister-R14 gehabt hatte, hat sich seine interne Stellung nun naturgemäß nochmals merklich verbessert.

"Es gibt aktuell Diskussionen um Wünsche und Hoffnungen, die man für das neue Auto hat hat. Grundsätzlich sind alle Fahrer in allem Maße eingebunden", sagte Scheider uns gegenüber. Und gesteht: "Vielleicht wird das eine oder andere nun etwas mehr auf mich ausgerichtet sein als bisher. Ich bin viel lockerer drauf als im letzten Winter, mir ist mit dem Titelgewinn ein Stein vom Herzen gefallen. Da ist es mir wichtig, mehr zu partizipieren und in die Entwicklung involviert zu sein."

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