Dr. Wolfgang Ullrich sieht die Reifenwahl bei Timo Scheider vor allem als Pech an - und freut sich über einen motivierten Alexandre Prémat.

Eine feuchte Strecke, ein grauer Himmel, Tom Kristensen auf der Pole Position: Insbesondere aus Audi-Sicht wollte zu Beginn des Le-Mans-Rennens alles an jene verhängnisvollen Nürburgring-Minuten erinnern, als man gleich zu Beginn mit der falschen Entscheidung für Regenreifen die Chancen auf den Sieg verspielte. Diesmal war es die Stuttgarter Konkurrenz, die ebendies tat. "Zu Beginn sah es so als, als hätten wir leichtes Spiel", erinnert sich Dr. Wolfgang Ullrich an jene Rennhälfte, in der Timo Scheider mit einem Vorsprung von bis zu 30 Sekunden auf Paul di Resta schon wie der sichere Meister schien.

Schicksalhafter Wolkenbruch

Was folgte, war eine falsche Reifenwahl, die den Tabellenführenden am Ende gar einen Großteil seines Meisterschaftsvorsprungs kostete. Bei zu befürchtenden weiteren Schauern setzten die Ingolstädter auch bei Scheiders zweitem Boxenstopp auf Trockenreifen. "Bei Timo haben wir eine unglückliche Entscheidung getroffen. Leider haben wir ihn einige entscheidende Momente zu früh in die Box rufen müssen. Dadurch ist er wieder in eine schlechtere Position gekommen", resümiert der Audi-Sportchef, der den verhängnisvollen zweiten Reifenwechsel jedoch nur bedingt als vermeidbar ansah.

So verweist er auf den angesichts fester Benzinmengen nur bedingt veränderlichen Zeitpunkt des zweiten Boxenstopps. "Unsere Reifenwahl war damit verknüpft, wie die Pflichtboxenstopps getimt waren. Timos zweiter Stopp erfolgte noch dann, als der Regen noch nicht so stark war. Das Team entschied, ihn auf Slicks zu stellen, und fünf Minuten später regnete es stärker", erläutert der Österreicher. "Wir haben uns für die zu diesem Zeitpunkt weniger riskante Variante entschieden."

Motivierter Prémat

So waren es Mattias Ekström und Jahreswagenpilot Alexandre Prémat, die mit Sieg und drittem Platz für Begeistung bei Ullrich sorgten: "Mattias war über das gesamte Rennen hinweg konkurrenzfähig, Alexandre im Jahreswagen ebenso. Das Rennen hätte mit einen stärkeren Teamresultat enden können. Aber auch ein einzelner Sieg ist immer wichtig. Mattias hatte eine Erkältung, und gerade angesichts seiner Verfassung war seine Leistung bemerkenswert." Für bemerkenswert hielt auch Ullrichs Mercedes-Kollege Norbert Haug die Fahrt Prémats:

Ähnlich wie die Rennleitung, die gegen die harten Manöver des Franzosen im Kampf gegen Paul di Resta eine Pitstop-Penalty, dann eine weitere Verwarnung vergab, beklagte er eine übertriebene Härte. Dr. Wolfgang Ullrich beschwichtigte. "Alexandre war in diesem Wochenende sehr motiviert, er hat viele Fans hier. Er hat in gewisser Weise in den Meisterschaftskampf eingegriffen, aber aus meiner Sicht hat er in einem Rahmen gekämpft, der unter den schwierigen Bedingungen eines Regenrennens noch akzeptabel ist", sagte Ullrich - und verteilte Komplimente an die Wettbewerber: "Unsere Konkurrenz hat eine gute Arbeit geleistet. Sie ist aus einer schwierigen Lage wieder zurück in eine gute Position gekommen."

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