Mit Bernd Schneider geht Mercedes nicht weniger als eine lebende DTM-Legende verloren. Norbert Haug tut sich mit der Nachfolgeregelung nicht leicht.

Christijan Albers wurde der DTM 2004 überdrüssig - und wechselte im Unfrieden mit Norbert Haug vom HWA-Team in die Formel 1. Jean Alesi wurde nach südfranzösisch-emotionalen Formschwankungen für 2006 vom HWA- ins Persson-Team degradiert. Jamie Greens Verbleib bei HWA war im vergangenen Winter lange Gegenstand von Spekulation. Nur Bernd Schneiders Cockpit bei HWA stand nie zur Debatte. Nie stand außer Frage, dass jener Mann, der Mercedes in der DTM fünf DTM-Titel bescherte, über den Zeitpunkt seines Abschieds selbst bestimmen würde. Mit dem Lüften des offenen Geheimnisses um das Ende seiner Rennfahrerkarriere ist die Frage nach einem würdigen Nachfolger umso spannender...

Nachfolger aus eigenen Reihen

"Es gibt Überlegungen, aber die haben wir noch nicht abgeschlossen. Faktoren sind auch Finanzierung und Sponsoring; wir müssen unser Geld zusammenhalten", gibt Norbert Haug zu bedenken. Dennoch sieht er die Neubesetzung des HWA-Cockpits mit Blick auf den eigenen Fahrerkader nicht als unlösbare Aufgabe: "Wir sind in der Position, dass wir potenzielle Kandidaten haben, die das Cockpit besetzen könnten. Diese potenziellen Kandidaten haben wir im eigenen Team."

Mit der Entscheidung über Bernd Schneiders Zukunft in der Hockenheim-Woche liegen die Stuttgarter im seit langem vorgegebenen Zeitplan - die folgende Zeitplanung lässt der Mercedes-Sportchef offen: "Es wird in und um Hockenheim herum noch keine verbindliche Aussage zur Nachfolge geben." Im Fokus der Spekulationen stehen bereits seit Wochen Ralf Schumacher und Gary Paffett. Während der prominente DTM-Debütant bis zuletzt keine unbedingten Neuwagenambitionen bestätigen wollte - und zuletzt mit Formschwankungen überraschte -, ist Paffett fest entschlossen zum (Wieder-)Aufstieg.

Paffett strebt zurück nach oben

"Natürlich kann ein weiteres Jahr im Jahreswagen nicht mein Ziel sein. Ich habe 2005 die Meisterschaft in der DTM errungen und damit bewiesen, was ich kann", verdeutlicht der Brite sein Streben nach einem HWA-Cockpit. Nach zwei Jahren im Persson-Jahreswagen sieht Paffett eine aktuelle C-Klasse als einzige reelle Aufstiegschance. Die Chancen auf ein Stammcockpit in der Formel 1 steigen zur Enttäuschung der HWA-Speerspitze von 2004 und 2005 nicht proportional mit der Anzahl seiner Testkilometer im McLaren-Mercedes.

So aussichtsreich insbesondere der Ersatz durch den im DTM-Meisterschaftskampf bewährten Paffett auch erscheint, ist sich Haug sicher: "Es wird nicht leicht sein, Bernd zu ersetzen." Trotz in den letzten Monaten schwankender Ergebnisse wartete der Altmeister bis zuletzt mit Eigenschaften auf, mit denen seine wesentlich jüngeren Teamkollegen naturgemäß nur bedingt dienen konnten. An Schneiders Regenqualitäten habe auch in dieser Saison selbst Meisterschaftskandidat Paul di Resta nicht herangereicht, befindet Haug. Insbesondere Bruno Spengler hatte den Saarländer als erfahrenen Mentor und Freund geschätzt.

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