Nach dem Schock der ersten Runden hellte sich Norbert Haugs Miene während des Rennens kontinuierlich auf. Er zeigt sich beeindruckt von Paul di Resta.

Vor laufenden Kameras hatte Norbert Haug den Titelkampf noch während des Rennens beinahe verloren geben müssen - um am Ende mit intakten Titelchancen auftrumpfen zu können. Seit Barcelona hat sich Paul di Restas Meisterschaftsrückstand auf Audi-Speerspitze Timo Scheider von neun auf zwei Punkte reduziert. "Zu Beginn waren wir zu konservativ", gesteht Norbert Haug den anfänglichen Fehler des Kommandostands unumwunden ein. Mit Ausnahme Bernd Schneiders waren in der zunächst vergeblichen Hoffnung auf weiteren Regen alle HWA-Piloten auf Regenreifen ins Rennen gegangen.

Eindrucksvolle Aufholjagd

Nach einem vorzeitigen Wechsel auf Trockenreifen, der noch vor Öffnung des Boxenstoppfensters erfolgte, schien Paul di Resta der Meisterschaftstitel im Kampf gegen den weit enteilten Timo Scheider längst entglitten zu sein. "Bemerkenswert war, dass Paul trotz seines frühen zusätzlichen Stopps nicht aufgegeben hat. Wer sich seine Rundenzeiten angesehen hat, sah, dass er herausragend war - auch angesichts seines Zusatzgewichts. Mit der richtigen Reifenwahl wäre hier auch der Sieg möglich gewesen", lobt Haug den 22-Jährigen Schotten, der sich am Ende für seine Hartnäckigkeit belohnt sah.

Nachdem sich auch die Ingolstädter Konkurrenz zum Ende des Rennens hin bei der Reifenwahl verpokerte, zog di Resta vorbei an seinem Hauptrivalen. Haug gerät ins Schwärmen: "Das war eines der bemerkenswertesten Rennen, die ich von ihm je gesehen habe. Er war 30 Sekunden zurück, hat allein in zehn Runden zehn Sekunden aufgeholt. Pauls schnellste Runde war 1,6 Sekunden schneller als die von Timo. Wir hätten alle nicht gedacht, dass wir uns von unserer Position aus so weit nach vorne arbeiten können."

Unsaubere Vorfälle?

Das Pokern zum Ende hin habe sich ausgezahlt. So hatte die HWA-Truppe ihr schottisches Zugpferd während seines dritten Boxenstopps noch weit vor Beginn des nächsten stärkeren Schauers auf Regenreifen zurück auf die Strecke geschickt. "Wir führen die Teammeisterschaft an, was für all die Jungs im Hintergrund sehr wichtig ist", führt der Mercedes-Sportchef die Lobeshymnen fort - und spart mit Blick auf die Konkurrenz durchaus nicht mit Kritik.

Die auch von der Rennleitung geahndeten Manöver Alexandre Prémats gegen di Resta missfielen Norbert Haug, der seine Ansprüche an sportliches Fahren schon vor zwei Wochen nicht ganz erfüllt sah: "Es gab heute Vorfälle, die nicht zu 100 Prozent sauber waren. Darauf müssen wir ein Auge behalten. In Barcelona ist in dieser Sicht viel schief gelaufen, hier auch noch ein wenig."

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