Ausgerechnet im Qualifying leistete sich Timo Scheider einen ersten größeren Fehler. Grund genug, eine umso größere Gelassenheit zu demonstrieren...

Eine harte Berührung mit dem inneren Curb, eine kurzzeitige Flugeinlage, eine harte Landung auf dem Asphalt - und die Sorge um möglicherweise schon geplatzte Träume von einer guten Startposition. "Ich habe auf meiner ersten fliegenden Runde alles riskiert. Ich habe versucht, in Turn 1 die perfekte Linie zu erwischen - das hat leider nicht funktioniert", musste Timo Scheider gestehen. Gleich zu Beginn der zweiten Qualifying-Session hatte sich der Meisterschaftsführende um einen perfekten Verlauf des Zeitfahrens gebracht - und betrieb mit Startplatz drei unmittelbar hinter Paul di Resta immerhin noch bestmögliche Schadensbegrenzung.

Unordnung im Fußraum

"Mir sind fast die Plomben aus dem Mund gefallen. Der Schlag war extrem hart", schildert Timo Scheider gegenüber dem adrivo Motorsport-Magazin die Schrecksekunde. "Das Namensschild, das im Auto befestigt ist, ist mir in den Fußraum zwischen die Pedale gefahren. Das Safety-Light, das beim Startabbruch genutzt wird, ist auch heruntergefallen. Schon allein das war ein Grund, die Runde abzubrechen."

Was folgte, war ein fünfminütiger Intensiv-Check des mutmaßlich lädierten Audi A4: "Ich musste hoffen, dass nicht der Frontsplitter oder der Unterboden beschädigt ist, denn dann wäre das Qualifying schon gelaufen gewesen. Zum Glück war das nicht der Fall. Wir müssen noch kontrollieren, ob es dennoch kleine Beschädigungen gegeben hat. Wenn ja, dann ist es umso besser, dass wir noch so weit vorne stehen." So versuchte Scheider, den holprigen Beginn des Qualifyings bestmöglich auszublenden - was jedoch nicht ganz gelang.

Demonstrierte Coolness

So kämpfte Timo Scheider weiterhin mit den Tücken der ersten Kurve: "Ich habe vielleicht im ersten Segment auch nach meinem Fehler ein wenig Zeit liegen gelassen." Mit Blick auf das morgige Rennen gibt sich Timo Scheider betont gelassen - und passt sich der psychologischen Taktik seines Kontrahenten an. "Paul interessiert mich nicht - an dem fahre ich morgen einfach vorbei", verneint Scheider einen allzu großen Druck. Auch die Erfahrung des Saisonstarts, als er von der Pole Position startend die Führung sofort an Teamkollege Mattias Ekström verlor, blendet er aus.

"Beim Saisonstart stand Eki hinter mir und ist an mir vorbeigezogen - das machen wir morgen umgekehrt", kündigt der Tabellenführer mit Blick auf den teaminternen Kampf gegen Pole-Sitter Ekström an. Dennoch setzt er sich durchaus auch intensiver mit möglichen Startszenarien auseinander: "Jamie und Bernd werden alles tun, um vor mich zu kommen. Aber morgen bekommt niemand etwas geschenkt. Dass ich auf der sauberen Seite stehe, kann durchaus ein Vorteil sein. Paul hat aber auf der Innenseite den kürzeren Weg zur ersten Kurve, und auch auf der rechten Seite habe ich schon sehr gute Starts erlebt."

Trotz des heutigen Ausrutschers in Kurve eins denkt Scheider nicht daran, beim morgigen Rennen allein auf Sicherheit zu setzen. "Ich muss alles riskieren, um Meister zu werden. Paul kann alles riskieren, darf aber nicht alles riskieren. Das ist der kleine Vorteil, den wir haben."

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