Noch am Start sah es nach einem weiteren Scheider-Triumph aus - dann schlug Paul di Resta zu. Weiter hinten krachte es mehrfach.

Der Titelkampf bleibt offen: Der Favoritenrolle von Timo Scheider zum Trotz sicherte sich Paul di Resta in Barcelona seinen zweiten DTM-Sieg und verkürzte seinen Meisterschaftsrückstand somit auf sieben Punkte. Nach einem fehlerlosen Rennen verwies der Schotte Timo Schneider und Bernd Schneider auf die Ränge zwei und drei. Ein abwechslungsreiches, aber faires Rennen wartete erst zum Ende hin mit Anklängen an das vergangene Jahr auf: Auf den letzten Runden kam es zu mehreren Kollisionen zwischen Audi- und Mercedes-Piloten.

Scheider stürmt vorbei

Der Start: Spätestens nach 100 Metern war Bernd Schneiders Freude über die erste Pole Position seit August 2005 passé: Mit einem perfekten Start zog Timo Scheider von Platz zwei aus sofort an dem HWA-Piloten vorbei; auch der zuvor drittplatzierte Paul di Resta passierte den Altmeister noch vor der ersten Kurve. Mattias Ekström fiel bis auf Rang neun zurück. Spektakulärer ging es im Hinterfeld zu: Ausgangs der zweiten Kurve gerieten gleich mehrere Jahreswagen ins Kiesbett, am weitesten Markus Winkelhock.

Der Rennverlauf: Auch weiterhin kam das hintere Drittel nicht zur Ruhe: Mit einem Platten vorne rechts schleppte sich Tom Kristensen zur Box, auch Maro Engel legte einen frühzeitigen Reifenwechsel ein. Wenig später begab sich Mathias Lauda in die Boxengasse und stellte seinen Mercedes-Jahreswagen ab. Nach einer Kollision mit Katherine Legge hatte er mit fehlendem Vortrieb des Motors zu kämpfen. Die Britin musste ebenso wie Susie Stoddart eine Durchfahrtsstrafe antreten, die die Schikane im letzten Streckensektor abgekürzt hatte.

Hinter dem Quartett aus Scheider, di Resta, Schneider und Martin Tomczyk hielt Rosberg-Pilot Mike Rockenfeller zunächst lange die Konkurrenz aus Jamie Green, Alexandre Prémat und Bruno Spengler hinter sich. An der Spitze manifestierten sich erste Duelle: Während Tomczyk Schneider zunehmend unter Druck setzte, schloss di Resta zu Scheider auf. Der Audi-Pilot kämpfte mit dem Handling seines A4: So konnte der Schotte den Scheitelpunkt der Kurve betont eng anfahren, während Scheider weitere Linien wählen musste.

Di Resta zieht vorbei

Mit Öffnung des Boxenstoppfensters ließen die ersten Boxenbesuche der Spitze nicht lange auf sich warten: So steuerten Scheider, Tomczyk und Green als erste ihre Mechanikercrew an; di Resta und Schneider folgten eine Runde später. Die Reihenfolge des Führungsquartetts änderte sich erst später auf der Strecke: So konnte sich Timo Scheider weiterhin nicht von seinem schottischen Widersacher absetzen und musste seine Position nach einer leichten Berührung in der La-Caixa-Links abtreten. Sogleich setzte sich di Resta ab.

Ihre Meisterschaftsträume endgültig begraben konnten mittlerweile gleich zwei Piloten: Während Bruno Spengler seine C-Klasse mit defektem Kühlsystem in der Box abstellen musste, zahlte sich Mattias Ekströms Taktik zweier extrem später Boxenstopps anders als in Brands Hatch nicht aus. Mit um rund fünf Zehntelsekunden langsameren Runden als die Spitze konnte er die Vorteile seiner Strategie nicht nutzen und landete nach seinem späten zweiten Stopp nur auf Position sieben.

Emotionen kochen hoch

Die zweite Boxenstoppphase der Spitzengruppe hatte zuvor keine Veränderung gebracht: So verteidigte Paul di Resta seine Führung vor Timo Scheider, Bernd Schneider und Martin Tomczyk. Nachdem Schneider zwischenzeitlich Druck auf Scheider hatte machen können, fiel der Pole-Sitter während der Endphase des Rennens wieder zurück. Spektakulärer ging es auch diesmal im Hinterfeld zu, mittlerweile erleichtert um Legge und Stoddart, die vorzeitig aufgeben mussten. Ausgerechnet Gary Paffett, nach einem Regelverstoß seiner Boxencrew ohnehin nur unter Vorbehalt teilnahmeberechtigt am Rennen, war es, der wiederholt in Berührungen verwickelt war.

So war der DTM-Champion von 2005 zunächst von Markus Winkelhock in der La-Caixa-Links umgedreht worden - was die Rennleitung mit einer Durchfahrtsstrafe für den Audi-Piloten ahndete. Wenige Runden später wurde Paffett in der letzten Kurve auch von Oliver Jarvis in einen Dreher gezwungen. Ralf Schumacher erneuerte nach weiteren Berührungen seine ganz besondere Freundschaft mit Christijan Albers. Und auch im vorderen Mittelfeld kochten die Emotionen wenige Meter vor Schluss hoch: Nach einer erstem missglückten Überholversuch gegen Jamie Green in Kurve 1 geriet Mattias Ekström mit dem Briten auch im letzten Streckenabschnitt mehrere Male aneinander. Die Manöver des Schweden zogen eine Untersuchung der Rennleitung nach sich.

Der Zieleinlauf: Nach seinem Sieg auf dem EuroSpeedway Lausitz triumphiert Paul di Resta in Barcelona ein zweites Mal. Timo Scheider hält nach Rang zwei weiterhin einen Meisterschaftsvorsprung von sieben Punkten; Bernd Schneider fährt seinen zweiten Podestplatz des Jahres ein. Auf den weiteren Punkterängen folgen der Barcelona-Sieger von 2006, Martin Tomczyk, Mattias Ekström, Mike Rockenfeller und Alexandre Prémat im Audi-Jahreswagen sowie Jamie Green.

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