Der Blick auf den Meisterschaftsstand weist Mattias Ekström nicht als Favoriten auf. Dennoch hat er einen entscheidenden Vorteil: Gelassenheit und Routine.

Zwischenzeitlich hatte Mattias Ekström kaum noch jemand auf der Titelrechnung. Zu fulminant der Durchbruch Timo Scheider, zu schwankend die Ergebnisse des Schweden. Auf einen Sieg in Hockenheim war für Ekström ein achter Platz auf seiner traditionellen Problemstrecke Oschersleben gefolgt; in Italien und auf dem EuroSpeedway blieb er jeweils hinter Scheider Speed zurück. In Zandvoort dann das Lebenszeichen: Wie entfesselt stürmte der Abt-Audi-Pilot von der Pole Position zum Sieg; dicht gefolgt von Timo Scheider, der jedoch über 38 Runden hinweg nicht den Ansatz einer Überholchance sah. Zwar plagt Ekström mittlerweile ein Rückstand von zehn Punkten auf Meisterschaftsfavorit Timo Scheider. Dennoch glaubt er, seinen Konkurrenten Paul di Resta, Jamie Green und Teamkollege Scheider entscheidende Erfahrungen vorauszuhaben:

2004: Der Nervenkitzel

"Wir alle werden natürlich nervöser, je mehr es auf die Entscheidung zugeht. Aber mit steigendem Alter und wachsender Erfahrung merkt man, dass man in dieser Hinsicht ein paar Vorteile genießt", stellt der Schwede im Gespräch mit dem adrivo Motorsport Magazin fest. Die Erfahrung kommt nicht von ungefähr. Für Ekström ist es der mittlerweile vierte Kampf um die DTM Krone: Nach seinem ersten Titelgewinn 2004 gegen das Mercedes-Duo aus Gary Paffett und Christijan Albers musste er sich Paffett im Jahr darauf nach langer Gegenwehr geschlagen geben. 2007 wiederholte er den Titelgewinn in einer allgemein chaotischen Saison.

Verglichen mit 2004 bemerkt Ekström deutliche Unterschiede in seiner mentalen Herangehensweise. Der Audi-Pilot weiß, wozu er fähig ist - und braucht niemandem mehr etwas zu beweisen: "Ich bin nun viel ruhiger als früher. Ich werde meinen ersten Titelkampf nie vergessen - die Nervosität, die Anspannung, die man nicht abschalten kann. Man weiß nie, was auf einen zukommt." Ebenso wie 2004, als die zweite Saisonhälfte für ihn den Ausschlag gab, hat sich Ekström auch in diesem Jahr kontinuierlich gesteigert:

2007: Die Kraftprobe

So haderte er zu Beginn der Saison etwas mit seinem Dienstwagen, der ein weit deutlicheres Untersteuern an den Tag legte als der 2007er-A4. Ein Handling, das zunächst Timo Scheider merklich in die Karten spielte - bis der zweifache Champion nach langer und harter Setup-Arbeit zum Speed des Lahnsteiners aufschloss. Dass Ekström auf den letzten Metern der Meisterschaft doch noch die Nerven verliert, darf als unwahrscheinlich gelten. So leistete er sich selbst in der aufgeladenen Stimmung des vergangenen Jahres keine größeren Fehler.

"Der erste Titelgewinn ist immer etwas Besonderes. Aber der Meisterschaftskampf 2007 war auf seine Weise auch eine ziemliche Belastung, denn es ging bis zur letzten Runde in Hockenheim heiß her", gesteht der mittlerweile 30-Jährige. Damals, nach der letzten Hockenheim-Runde, fand Mattias Ekström zunächst selbst zum Jubeln keine Kraft mehr. Die vergangene Saison hatte ihn gezeichnet - bevor er in der Winterpause gestärkt aus ihr hervorging.

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