Ihr geschätztes halbes Leben verbringen Formel-1-Piloten auf der Grand-Prix- und Teststrecke Barcelona. In der DTM erlebt Ralf Schumacher nun das Déjà-vu.

Noch in Brands Hatch musste Ralf Schumacher von völliger Ortskenntnis berichten. Drei Stunden hatte er im Mietwagen vom Flughafen aus - wenn auch auf Grund der typischen Verkehrsverhältnisse in der Londoner Agglomeration - benötigt, um sich in der tiefsten britischen Provinz wiederzufinden. Drei Wochen später befindet er sich in gewohnter weltmännischer Grand-Prix-Umgebung: Von 1997 bis 2007 bestritt Ralf Schumacher hier im F1-Boliden elf Rennen - zuzüglich zahlloser weiterer Kilometer auf dem in der Formel 1 oft als Teststrecke genutzten Kurs.

Der Unterschied: Anders als die Königsklasse des Motorsports befahren die DTM-Boliden die 2,949 Kilometer lange Kurzversion des Kurses. "Es ist immer schön, wenn man eine Strecke halbwegs kennt. Nur die erste Kurve kannte ich noch nicht", spricht Ralf Schumacher jene Biegung an, die die Start- und Zielgerade verglichen mit der Grand-Prix-Version des Kurses entscheidend verkürzt. Die Grundcharakteristik der Strecke ändert sich durch den Verzicht auf den ersten Streckenteil derweil nicht: "Die Strecke fordert den Reifen und das Auto sehr - sie ist ähnlich fordernd wie die Langversion."

Nachdem Ralf Schumacher mit den vergleichsweise altertümlich gestalteten, ihm in dieser Form noch unbekannten Strecken von Zandvoort und Brands Hatch sichtlich zu kämpfen hatte, freut sich der sechsfache Grand-Prix-Sieger über den Erfahrungsvorteil. "Es ist kein Nachteil, die Strecke zu kennen. Hier kann ich mich auf das Auto konzentrieren und muss nicht gleichzeitig eine Strecke lernen", sagt Schumacher, der die Schlüsselstellen kennt: "Der neuralgische Punkt sind die beiden langsamen Streckenteile. Da läuft man Gefahr, zu spät anzubremsen, den Scheitelpunkt zu verpassen und sich einen Bremsplatten zu holen."

Trotz langjähriger Erfahrung noch ungewohnt ist auch für Ralf Schumacher die erst 2007 in den letzten Streckensektor eingebaute Schikane, die bei den Fahrerkollegen im vergangenen Jahr nur auf mäßige Begeisterung stieß. "Die schnellen Kurven sind Mutkurven, aber mit Blick auf die Rundenzeit nicht so entscheidend. Die Fehlerquote ist in den langsamen Kurven schon höher, vor allem, wenn die Reifen nachlassen", prognostiziert der Mücke-Pilot auch mit Blick auf die enge Links-/Rechts-Kombination. Im vergangenen Jahr blieben hier den Befürchtungen zum Trotz größere Komplikationen aus.

Die Arbeit auf dem Kurs nahe Barcelona bot für Schumacher nur wenig Neues. Er spulte mit seinem Team das übliche freitägliche Programm ab. "Wir haben primär am Setup gearbeitet und haben Long Runs für den Sonntag gefahren", enthüllt der Jahreswagenpilot. "Der Long Run war ganz okay, Barcelona-typisch ab Mitte des Stints etwas schwierig, weil die Strecke Reifen mordend ist." Ein Umstand, mit dem die Ingolstädter Konkurrenz jedoch die größeren Probleme haben dürfte...

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