Rundenlang studierte Paul di Resta das Heck Timo Scheiders, ohne passieren zu können. Am Ende zahlte sich das Durchhaltevermögen des Schotten aus.

Und wieder schien nach dem Start alles zu Gunsten von Timo Scheider zu verlaufen: Von Startplatz zwei aus hatte sich der Meisterschaftsführende auf Position eins geschoben, um nur scheinbar dem zweiten Sieg in Folge entgegenzufahren. Doch was folgte, war ein langer Kampf gegen Paul di Resta, der sich am Ende mit dem zweiten DTM-Sieg seiner Karriere schmücken durfte. "Ich hatte ein gutes Auto, vielleicht das schnellste im Feld. Nach dem Qualifying war ich noch etwas enttäuscht, aber heute ist mir ein toller Start gelungen", blickt Paul di Resta zurück auf den Anfang seiner Triumphfahrt.

Beinahe hätte es aus Sicht des Schotten sogar noch weit früher zum entscheidenden Überholmanöver gegen die Ingolstädter Konkurrenz gereicht: "Ich habe es sogar geschafft, Timo in der ersten Kurve leicht unter Druck zu setzen. Leider habe ich es beim Boxenstopp nicht an ihm vorbeigeschafft, später war er in einigen Kurven schneller, in anderen Ecken hatte ich Vorteile." So zogen Scheider und di Resta lange im Formationsflug ihre Runden - sehr zum Ärger des Meisterschaftsführenden, der mit seinem A4 DTM in den Kurven nicht jene engen Linien wählen konnte, wie der Schotte sie fuhr.

Auch während des zweiten Stints blieb di Resta dicht an Scheider - und die Hartnäckigkeit zahlte sich aus: "Ich wusste, dass es eng werden würde, aber als ich meine Möglichkeit gesehen habe, habe ich mein Manöver durchgezogen. Das war ein toller Überholvorgang, der fair war. Danach war ich schneller und musste das Rennen nur noch zu Ende fahren." Dass mit dem Überholmanöver eine leichte Berührung sowie das deutliche Nachgeben Scheiders einhergingen, sahen beide Beteiligten nicht als Problem.

Paul di Resta zollt seinem Rivalen in der Meisterschaft, der nun nur noch sieben Punkte vor ihm liegt, Respekt: "Timo ist sehr gut, selbst unter Druck. Manche Leute sagen, dass man nicht überholen kann. Ich habe gezeigt, dass man es schaffen kann, wenn man den Speed hat. Zu viel Risiko konnte ich dennoch nicht eingehen, es waren noch einige Rennen zu fahren." Nach seinem erfolgreichen Überholmanöver konnte sich der 22-Jährige schließlich problemlos von dem Audi-Piloten absetzen - und seinen zweiten DTM-Sieg nach Hause fahren.

Schon in zwei Wochen in Le Mans könnte di Resta weitaus mehr Gegenwind erwarten. Erstmals seit seiner letztjährigen Debütsaison erwartet den HWA-Piloten eine Strecke, die ihm am Steuer eines DTM-Boliden noch unbekannt ist. So fand die Le-Mans zuletzt 2006 den Weg zum Circuit Bugatti: "Le Mans ist eine schwere Strecke - ich weiß nicht, was unser Mehrgewicht dort ausmacht. Für mich wird es ein Rennen wie jedes andere, bei dem ich wieder alles geben und hoffentlich gewinnen werde."

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