Mit der heutigen Mercedes-Pole kann Timo Scheider bestens leben. Er freut sich darauf, seine Titelrivalen im Rückspiegel zu sehen - und dort auch zu behalten.

Timo Scheiders Abonnement auf die erste Startreihe war nur unter den chaotischen Umständen des Nürburgring-Qualifying kurzzeitig unterbrochen. Mit der vierten Saison-Pole in Brands Hatch knüpfte der Abt-Audi-Pilot nach dem enttäuschenden neunten Startplatz in der Eifel an seine alte Form an - und durfte sich auch in Barcelona bis wenige Sekunden vor Ende des Qualifyings über Startplatz eins freuen. Dann jedoch verdrängte ihn ein Mercedes, mit dem niemand gerechnet hatte...

"Die erste Reihe gewonnen, Platz eins an Bernd Schneider verloren. Aber Bernd hat die Pole nach seiner heutigen Leistung verdient - für mich ist er der richtige Mercedes, der vorne steht", zeigte sich Timo Scheider im Gespräch mit dem adrivo Motorsport Magazin nicht unzufrieden. "Wenn ich jetzt unzufrieden wäre, wäre irgendetwas falsch. Das Wichtigste ist, dass meine Konkurrenten in der Meisterschaft hinter mir stehen. Denn zu überholen ist auch hier schwieriger als vorneweg zu fahren."

Mit Blick auf die Erfahrungen des vergangenen Jahres, wo auch er in aufgepeitschter Barcelona-Stimmung am Ende verhängnisvolle Berührungen mit Mathias Lauda zu verzeichnen hatte, hofft Timo Scheider auf einen Lerneffekt. Auch die erste Kurve, die damals Pole-Sitter Martin Tomczyk im Kampf gegen Mika Häkkinen zum Verhängnis geworden war, sieht er nicht als Hindernis. "Ich hoffe nicht, dass wir ein Revival von 2007 sehen. Wir sind alle fair genug und sollten aus dem letzten Jahr gelernt haben. Wir müssen einen guten Start hinbekommen und darauf achten, sauber durch die erste Kurve zu kommen."

Auch der "richtige" vor ihm stehende Mercedes bereitet dem Meisterschaftsführenden keine größeren Sorgen. "Wenn Bernd so sauber fährt wie in Brands Hatch und mich vorbeilässt, wäre ich nicht böse", spielt Scheider auf die fairen Überrundungsmanöver in England an, die für seine Führung nie ein Risiko dargestellt hatten. Auch in Barcelona setzt der Audi-Pilot auf Sicherheit. "Ich muss den Rückspiegel im Auge behalten, denn di Resta und Green werden nicht aufgeben und versuchen, mich zu überholen. Ich werde das eine oder andere Überholmanöver vielleicht nicht riskieren, denn am Ende gilt es, Punkte mit nach Hause zu nehmen."

Wie schon in der Grafschaft Kent bleibt das Wetter für alle Beteiligten ein Unsicherheitsfaktor. Erneut liefen alle Trainingssessions unter trockenen Bedingungen auf - bevor sich im Rennen die Himmelstore öffnen könnten. "Die Wetterfrösche sagen Regen voraus. Vorne hätten wir weniger Gischt und somit zunächst einmal Vorteile. Morgen kann kommen, was will."

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