Zwei Männer - zwei Meinungen. Norbert Haug und Dr. Wolfgang Ullrich diskutierten nach dem Qualifying über die Regelauslegung.

Im Qualifying zur siebten Rennveranstaltung der Saison 2008 präsentierte sich die Eifel von ihrer verrückten Seite. Starker Regen, viele Ausritte und ein Abbruch - das alles innerhalb von nur einer guten Stunde. Auch das Ergebnis für die Startaufstellung warf Fragen auf, denn kurzfristig wusste niemand genau, welches der zwei Sessionergebnisse gewertet werden soll.

Erst Artikel 48.5 des sportlichen Reglements brachte die ersehnte Aufklärung. "Wird das Qualifying abgebrochen und nicht wieder neu gestartet bzw. konnte aufgrund besonderer Umstände kein Qualifying stattfinden, wird die Startaufstellung für den Wertungslauf aufgrund der bis zu diesem Zeitpunkt gefahrenen und beendeten Sektionen oder bei Nichtdurchführung des [kompletten ]Qualifying nach dem aktuellen Tabellenstand gebildet", sagt das 84 Seiten dicke Dokument aus.

"Genau so habe ich es nachgeschlagen und so müssen wir es auch akzeptieren. Die Entscheidung der Rennkommissare, die Session zu stoppen, war richtig. Es begann erneut stärker zu regnen", sagte Audi-Sportchef Dr. Wolfgang Ullrich. Bitter war diese Regelauslegung vor allen Dingen für Mercedes. "Es ist ein Unterschied, ob man vier Autos in den ersten Sechs oder ein Auto unter den ersten Vier hat", beschwerte sich Norbert Haug.

Irreguläre Bedingungen und drei Audi-Piloten an der Spitze, das passte dem Mercedes-Mann ganz und gar nicht. "Wenn man es als Sportsmann betrachtet, haben wir die richtige Reihenfolge gesehen, als der Abbruch geschah", lauteten die Worte von Haug. "Ich finde es schade, dass die Meisterschaft auf diese Art und Weise entschieden werden könnte. Die Regeln sind nicht eindeutig - sonst hätte es keine Sitzung [Zusammentreffen der Rennkommissare] gegeben."

"Das ist nicht die Art und Weise, wie Fairplay aus Sicht von Mercedes-Benz gehandelt werden sollte", so Haug. Schließlich hätten sich seine Piloten im ersten Segment noch zurückgehalten, man wollte die Boliden nicht beschädigen und nur in die zweite Session einziehen. So müssen Paul di Resta und Jamie Green statt von den Plätzen fünf und sechs, die sie im zweiten Teil erzielten, von den Positionen zwölf und 13 starten. Als bester Benz-Fahrer wird Gary Paffett am Sonntag auf dem vierten Startplatz stehen. "Es muss schon viel falsch laufen, damit wir wir morgen noch eine Chance haben. Normal ist nichts mehr möglich", urteilte Haug.

Nach Diskussionen um das Gewichtsreglement und Änderungen am Boxenstoppfenster könnte nach dem Nürburger-Qualifying die nächste Debatte folgen. "Sicherlich sollte man sich zusammensetzen und überlegen, wie man einen solchen Fall in Zukunft besser handlen kann", so Ullrich. "Ich kann den Unmut von Norbert Haug schon verstehen, aber für solche Fälle hat man vorher festgelegt, was passiert.

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