Mit einer fehlerfreien Leistung im Regen hat Bernd Schneider den siebten Saisonlauf gewonnen. Audi erlebte nach taktischen Fehlern eine Niederlage.

Taktische Fehlentscheidungen auf Audi-Seite, eine fulminante Aufholjagd der beiden Ingolstädter Titelfavoriten, Bernd Schneider in alter Form und Gary Paffett außer Rand und Band: Der siebte Saisonlauf auf dem Nürburgring endete, angeführt von Altmeister Bernd Schneider, mit einem vierfachen Mercedes-Triumph. Bis zur Schlussphase war das Rennen geprägt von beständigem Nieselregen, der vor allem der Audi-Dreifachspitze des Qualifyings, Tom Kristensen, Mike Rockenfeller und Martin Tomczyk, zum Verhängnis wurde. Ralf Schumacher eroberte auf Rang acht seinen ersten DTM-Punkt.

Vor dem Start verloren

Der Start: Schon im Vorfeld war den Ingolstädtern der erste große Fehler unterlaufen: Anders als die HWA-Mercedes starteten die Abt-Audi allesamt auf Regenreifen - in der Hoffnung, der Nieselregen könnte sich zu einem stärkeren Schauer ausweiten. Das Wetter spielte Mercedes in die Karten: Noch in der Einführungsrunde bogen Mattias Ekström und Timo Scheider in die Boxengasse ein, um zurück auf Trockenreifen zu wechseln.

Auch der Start verlief zu Ungunsten Audis: So zog Mike Rockenfeller bereits auf den ersten Metern an Tom Kristensen vorbei, bevor die Audi-Boliden noch in der ersten Runde regelrecht durchgereicht worden: So setzte sich bereits in der Mercedes-Arena Gary Paffett an die Spitze des Feldes, Paul di Resta, Bernd Schneider, Ralf Schumacher, Jamie Green, Bruno Spengler und Susie Stoddart komplettierten eine siebenfache Mercedes-Spitze. Tom Kristensen und Martin Tomczyk reagierten: Am Ende der ersten Runde wechselten auch sie auf Trockenreifen.

Der Rennverlauf: Derweil hatten sich Mattias Ekström und Timo Scheider nach ihrem Start aus der Boxengasse bereits erheblich vorgearbeitet: Nach zwei Runden befanden sich die beiden Audi-Titelkandidaten in Tuchfühlung zur Top Ten; um sich wenig später erstmals in die Punkteränge zu arbeiten. Erst in Runde fünf wechselte mit dem von Platz zwei gestarteten Mike Rockenfeller auch der letzte Audi-Pilot auf Trockenreifen. Paul di Resta und Bernd Schneider gingen vorbei am zuvor führenden Paffett im Persson-Jahreswagen.

Mercedes ungefährdet

In Runde elf nutzten Mattias Ekström und Bruno Spengler die erste Gelegenheit, einen Pflichtstopp zu absolvieren, in den kommenden beiden Runden folgten Schneider, Scheider, Green und Paffett. Dabei hielt sich der schwedische Meisterschaftszweite nicht nur vor Scheider, sondern schob sich auch an Spengler vorbei. Ein Überholversuch Scheiders gegen Ekström endete in einem viel zu weit gewählten Spitzkehrenbogen. Noch bevor der Führende Paul di Resta seinen ersten Pflichtstopp absolvierte, suchten Mattias Ekström, Timo Scheider und Bruno Spengler ab Runde 18 ein zweites Mal die Box auf. Es blieb bei der bekannten Reihenfolge - Scheider biss sich die Zähne weiter vergeblich an Ekström aus.

In Runde 21 steuerte Paul di Resta erstmals die Box an, fünf Runden später ein weiteres Mal - im bereinigten Klassement hatte der Schotte seine Führungsposition vor Schneider, Green, Paffett, Ekström, Scheider und Spengler halten können. Derweil hatte sich Tom Kristensen nach einem Dreher ebenso ins Kiesbett verabschiedet wie Maro Engel und Katherine Legge nach einer Berührung. Auch Martin Tomczyk musste nach einem harten Zweikampf mit Ralf Schumacher wegen einer defekten Radaufhängung aufgeben.

Paffett außer Rand und Band

Für die Würze der Endphase sorgte der stärker werdende Regen: So hatten sich zunächst Ekström, dann Scheider an Gary Paffett vorbeigeschoben - und erlebten die harte Gegenwehr des Briten. Nach einem deutlichen Auffahren auf Scheiders Audi-Neuwagen, der eine lädierte Heckpartie davontrug, mussten sich die Manöver Paffetts einer Untersuchung durch die Sportkommissare unterziehen. Auf den immer stärkeren Regenschauer reagierten Paul di Resta, Ralf Schumacher und Timo Scheider mit einem weiteren Boxenstopp - und dem Wechsel auf Regenreifen. Für Bernd Schneider war damit der wichtigste Konkurrenz auf dem Weg zum Sieg vorerst außer Gefecht.

Nach seinem Rückfall auf Position fünf konnte di Resta zumindest die zweite Position nach eher mühelosen Überholmanövern gegen Ekström, Paffett und Green zurückerobern. Auch Timo Scheider profitierte in einer spektakulären Schlussphase von seinen Regenpneus: Der Meisterschaftsführende schob sich auf den letzten Metern an Teamkollege Ekström vorbei - und betrieb mit Position fünf Schadensbegrenzung.

Der Zieleinlauf: Es siegte nach einer bislang durchwachsenen Saison erstmals seit Brands Hatch 2007 Bernd Schneider, der - wie so oft - auf die regnerischen Verhältnisse am besten reagierte. Das Podest komplettieren die beiden HWA-Speerspitzen in der Meisterschaft, Paul di Resta und Jamie Green. Auf Platz vier kam nach einer langen Durststrecke Gary Paffett im Jahreswagen - vor den beiden Audi-Titelkandidaten Timo Scheider und Mattias Ekström. Die Punkeränge sieben und acht belegten Bruno Spengler und Ralf Schumacher.

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