Gehäuftes Mercedes-Pech, neblige Bestzeiten: Der Testfreitag in Hockenheim bot Vieles - bloß keinen Aufschluss über die Kräfteverhältnisse...

Kein brennendes Showfahrzeug, keine Wolkenbrüche: Die DTM-Präsentation in Düsseldorf vor einer Woche hätte als Omen für eine Saison 2008 durchgehen können, die sich weit weniger unkonventionell präsentiert als die vorherige. Doch das Versäumte wurde am heutigen Testfreitag in Hockenheim nachgeholt: Neben einer lodernden Mercedes C-Klasse durfte - als schwächelnde Löschhilfe von Petrus - auch der von den ITR-Testfahrten bereits bestens bekannte Regen nicht fehlen...

Mücke im Pech

Nebelschwaden à la Brands Hatch 2007, die ein Abheben des Rettungshubschraubers verhinderten, hatten den Freitag bereits anders als geplant beginnen lassen. Auch der erst am Mittag gestartete erste Test verlief anders als geplant. "Ich dachte, dass mit der Luftzufuhr etwas nicht stimmt, und dann bemerkte ich das Feuer", berichtete Susie Stoddart von einer unverhofft heißen Dienstfahrt - die Benzinleitung ihrer Vorjahres-C-Klasse war gerissen. "Als ich zum Stehen gekommen war, habe ich die Tür nicht sofort öffnen können, weil ich vor lauter Rauch den Türgriff nicht sehen konnte."

Die zunächst benommen wirkende Schottin kam mit dem Schrecken davon - muss jedoch angesichts aufwändiger Reparaturarbeiten um ihren Start in Qualifying und Rennen fürchten. Während ihre Persson-Teamkollegen Mathias Lauda und Gary Paffett einen weit gehend problemlosen Testfreitag erlebten, waren zwei weitere Piloten eines 2007er-Benz vom Pech verfolgt. Maro Engel, der beim zweiten Test im Regen von der Strecke rutschte, sowie ein Getriebedefekt bei Ralf Schumacher sorgten für Überstunden im Team Mücke.

Schumacher ließ sich vom Defektteufel nicht nachhaltig irritieren - und feilte weiter an seinen DTM-Künsten. "Es war etwas ungewohnt, weil ich die Strecke mehr als zehn Jahre komplett anders gefahren bin - da musste ich mich erst einmal orientieren und eine neue Linie finden", berichtete der sechsfache Grand-Prix-Sieger, der sich auch heute bescheiden gab, "gerade im Regen fährt sich ein DTM-Auto sehr viel anders, die Linie ist ähnlich wie im Kart. Es wäre schön gewesen, konstante Bedingungen zu haben, um die Daten mit den Markenkollegen vergleichen zu können."

Audi an der Spitze

Auf aussagekräftige Daten wartete man auch in Reihen der Neuwagenpiloten vergeblich. "Auch in Oschersleben bin ich fast nur unter nassen Bedingungen gefahren. Nur im Trockenen sehen wir die maximale Performance und bekommen die Daten, die wir brauchen", klagte Tom Kristensen auch stellvertetend für Bernd Schneider und Bruno Spengler: Die beiden HWA-Piloten hatten bei den ITR-Tests im Mercedes-Testplan treffsicher jene Einsatztage erwischt, an denen man auf ein Abtrocknen der Strecke vergeblich wartete.

Im Lager der Ingolstädter durfte man sich zumindest über symbolträchtige, wenn schon nicht aussagekräftige Zeitenlisten freuen. So führte zunächst der Vorjahreszweite Martin Tomczyk sechs weitere Markenkollegen an der Spitze der Tabelle an, bevor am Nachmittag eine siebenköpfige Audi-Armada nur von Paul di Resta von Platz eins verdrängt wurde. Der Schotte präsentierte sich jeweils als Zugpferd bei HWA-Mercedes. Eine Position, von der TME-Pilotin Katherine Legge im 2006er-Boliden nur träumen konnte: Ganz Vanina-like - wenn auch am ersten Testfreitag verzeihlich - fehlte ihr jeweils eine Sekunde auf den Vorletzten...

Christijan in Oranje

"Ich brauche mal wieder richtig Spaß", hatte Christijan Albers als Motiv für seine Rückkehr in die DTM genannt. Ist ihm dieser, wie viele Beobachter prognostizierten, im unterlegenen 2006er-Audi schon jetzt vergangen? Die neue Lackierung für den Dienstwagen Albers\' präsentiert sich jedenfalls als wahrer Stimmungsaufheller. In leuchtendstem niederländischem Oranje ist die Fronthaube seines A4 DTM lackiert. Das Design repräsentiert das traditionelle Helmdesign des Niederländers - und strahlt darüber hinweg, dass statt eines Hauptsponsors nur eine überdimensionale Startnummer zu sehen ist...

In einer "pixum.de AMG Mercedes C-Klasse", wie es im Stuttgarter PR-Deutsch so schön heißt, startet derweil Mathias Lauda. Sie verspricht "das Beste aus digitalen Fotos" - nicht ganz zu Unrecht. Neben Gary Paffett pilotierte Lauda heute den einzigen C-Klasse-Jahreswagen, der nicht - gänzlich unfotogen - brennend, verbeult oder schlichtweg defekt am Streckenrand stand...

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