Mit einem erneuten Defekt und auf feuchter Strecke verlief der Tag für Ralf Schumacher nicht wie erhofft. Doch dieser lässt sich die Gelassenheit nicht nehmen.

Auch beim Testfreitag in Hockenheim blieb Ralf Schumacher seiner neuen Linie treu. Bescheiden und ausgeglichen wie eh und je gestand er, seine letzte Formel-1-Saison sei "sehr durchschnittlich bis grottenschlecht gewesen". Das unbedingte "Bäumeausreißen" lag dem Mercedes-Piloten auch heute fern: "Mein früherer Betreuer hätte gesagt: Ich bin noch in der Fahrschulklasse." So beschrieb er den ersten Arbeitstag in Hockenheim als "abwechslungsreich" - ohne sich weiter über unverschuldete Unannehmlichkeiten zu ärgern:

So blieb Schumacher nach dem Lenkungsschaden beim zweiten ITR-Test in Oschersleben auch heute vom Defektteufel verfolgt. "Wir hatten einen Getriebedefekt. Ich konnte plötzlich nicht mehr schalten", berichtete der 32-Jährige, der sein Rundenpensum beim ersten Test damit nicht ganz abarbeiten konnte. Dabei hätte er zusätzliche Runden durchaus gebrauchen können: "Es war etwas ungewohnt, weil ich die Strecke mehr als zehn Jahre komplett anders gefahren bin - da musste ich mich erst einmal orientieren und eine neue Linie finden. Das ist mir noch nicht ganz gelungen."

An den generell härteren Fahrstil in der DTM muss sich Ralf Schumacher nach wie vor gewöhnen: "Die Bremspunkte und die Kurvenlinie sind komplett anders. Man muss noch einmal komplett Autofahren lernen. Man kann wesentlich mehr über die Curbs fahren, als ich das gewohnt bin. Da war ich überrascht - im Prinzip könnte man die Strecke gleich verändern." Erschwerend kamen ebenso wie für die drei übrigen Debütanten die wechselhaften Wetterbedingungen hinzu.

Zu dem von Schumacher erhofften direkten Vergleich mit seinen Markenkollegen im Jahreswagen kam es daher wie schon so oft bei den ITR-Tests nicht: "Gerade im Regen fährt sich ein DTM-Auto sehr viel anders, die Linie ist ähnlich wie im Kart. Es wäre schön gewesen, konstante Bedingungen zu haben, um die Daten mit den Markenkollegen vergleichen zu können - vor allem mit Gary Paffett, der unter den Jahreswagenfahrern wohl die Benchmark ist." Nicht nur Persson-Pilot Paffett ist Schumacher bei seinen ersten Gehversuchen in der DTM behilflich: "Wenn ich zu Bernd oder Bruno gehe, bekomme ich immer eine Antwort."

Mit Blick auf das tourenwagentypische Zweikampfverhalten in der DTM sorgt sich der sechsfache Grand-Prix-Sieger nicht. Der im Formel-1-Cockpit oft als zu nachgiebig und wenig durchsetzungsstark kritisierte Schumacher sieht in den klaren Ansagen der Rennleitung eine willkommene Erleichterung. "Vorbereiten kann man sich auf den engeren Fahrzeugkontakt nicht - aber der ist ohnehin in der Fahrerbesprechung verboten worden. Der Rennleiter hat sich da sehr klar und deutlich ausgedrückt", hofft Schumacher auf einen fairen Saisonauftakt. Bedenken hat der Mücke-Pilot hingegen noch auf anderem Gebiet: "Den ersten Start sehe ich mit gemischten Gefühlen..."

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