Zwar verlief der zweite Saisonlauf spektakulärer als gedacht - doch auch auf dem Weg zum ersten Triumph ließ sich Timo Scheider nicht aus der Ruhe bringen.

Das jahrelange Warten auf seinen ersten DTM-Sieg hat für Timo Scheider nach einem turbulenten zweiten Saisonlauf in Oschersleben ein Einde gefunden: Mit einem souveränen Start-/Ziel-Sieg hat sich Scheider als vorerst aussichtsreichster Titelkandidat bei Audi etabliert; Martin Tomczyk sorgte auf Rang zwei für einen Audi-Doppelsieg. Bruno Spengler, Paul di Resta und Jamie Green blieben chancenlos, brachten auf den Rängen drei bis fünf eine fahrerisch starke Mannschaftsleistung zu Stande. Tom Kristensen und Mattias Ekström erlebten einen Rückschlag.

Vorschnelle Routiniers

Der Start: Schneller als vorgesehen starteten zumindest Tom Kristensen und Bernd Schneider in den zweiten Saisonlauf: Mit einem deutlichen Frühstart brachte sich der Däne vor Timo Scheider in Führung; auch der HWA-Pilot schoss von seinem zehnten Startplatz verfrüht hervor. Zwar blieb der befürchtete große Knall aus ? und doch kam es eingangs der Gegen-Rechts zur Berührung zwischen Oliver Jarvis im besten Vorjahres-Audi und Jamie Green. Jarvis ließ Green beim Einlenken zu wenig Raum und wurde vom HWA-Piloten umgedreht. Green blieb anders als die Frühstarter Kristensen und Schneider von einer Durchfahrtsstrafe verschont.

Der Rennverlauf: Nach Kristensens Drive-through-Penalty ging die Führung an Timo Scheider, der sich souverän von seinem teaminternen Verfolger Martin Tomczyk absetzte. Auch der Bayer verschaffte sich nach ersten Angriffen von Bruno Spengler und Paul di Resta einen Vorsprung. Bis auf Platz fünf hatte sich mittlerweile Mattias Ekström von Startplatz acht aus vorarbeitet, kämpfte dort jedoch mit stumpfen Waffen: Bereits am Start waren dem Schweden nach Feindberührungen aerodynamische Teile verloren gegangen. Um einige Flaps erleichtert verlor Ekström Sekunde um Sekunde auf die Spitze ? und geriet unter Druck von Mike Rockenfeller und Jamie Green. Gary Paffett und Alexandre Prémat liefen auf das Kampftrio auf.

Skandinavier mit stumpfen Waffen

Auch weiter hinten im Feld mangelte es nicht an Zweikämpfen: Mit Elan nahmen Kristensen und Jarvis ihre Aufholjagden in Angriff, erlitten jedoch Teileverlust. Die Gegenwehr des später verwarnten Mathias Lauda kostete auch Kristensen einige Karbonteile, Jarvis zwang im ersten Sektor seinen Markenkollegen Christijan Albers in einen Dreher und erhielt eine Durchfahrtsstrafe. Auch in der Boxengasse kam es zum Lackaustausch: Neben Scheiders Verfolgern Tomczyk und Spengler hatten auch Ekströms Widersacher Rockenfeller Green, Paffett und Prémat zum frühestmögliche Zeitpunkt in Runde 15 die Box aufgesucht. Eine Runde später als seine Verfolger absolvierte Scheider seinen ersten Stopp.

Eine Berührung von Paffett und Prémat in der Boxengasse wurde mit einer Durchfahrtsstrafe für den Briten beahndet ? die Boxencrew hatte Paffett zu früh in den Verkehr geschickt. Größere Verschiebungen in Folge der ersten Boxenstoppphase blieben auch diesmal aus: So behielt Scheider trotz leichter Zeitverluste seine Führungsposition vor Tomczyk, Spengler und di Resta ? und selbst der schwächelnde Ekström hatte Green hinter sich halten können. Auch gegen Rockenfeller hatte Green nach seinem zweiten Stopp das Nachsehen, bevor der Brite jedoch später in der ersten Kurve zunächst Rockenfeller, dann Ekström passierte.

Auch in der Spitzengruppe sorgte die zweite Boxenstoppphase nicht mehr für Verschiebungen - lediglich Markus Winkelhock ging als Profiteur seiner Boxenstoppstrategie hervor und fand sich auf Rang sechs hinter Jamie Green wieder. Ein rabenschwarzer Rennsonntag zeichnete sich spätestens zum zweiten Renndrittel für Mattias Ekström ab: Er wurde zunächst von Markenkollege Rockenfeller auf Rang acht verwiesen und geriet anschließend unter Druck von Prémat. Acht Runden vor Ende des Rennens kam das Safety-Car unverhofft zu seinem ersten Einsatz der Saison:

Spätes Safety-Car-Debüt

Zwar hatte sich Tom Kristensen, zuvor schon zurückgeworfen durch einen missglückten Boxenstopp, zunächst noch vorbei an Maro Engel auf Rang zehn geschoben ? dann jedoch passierte dem Dänen ein folgenschweres Missgeschick. Nach einem Fahrfehler drehte sich Kristensen zurück auf die Strecke und riss Engel mit ins Aus. Timo Scheiders komfortabler Vorsprung von fünf Sekunden schmolz damit zwar zusammen, doch der drittplatzierte Spengler sowie der mittlerweile auf Rang zehn vorgerückte Ralf Schumacher hofften vergeblich auf ihre Chancen: Während Scheider und Tomczyk souverän die Audi-Doppelführung verteidigten, kam es auch im Mittelfeld trotz eines Tumults in Kurve eins nicht mehr zu Positionswechseln.

Der Zieleinlauf: Im 76. Rennen reichte es für Timo Scheider zum souveränen ersten Sieg; Martin Tomczyk verdeutlichte mit seinem ersten Podestplatz seine erneuten Titelambitionen. Bruno Spengler und Paul di Resta betrieben für HWA-Mercedes auf den Rängen drei und vier Schadensbegrenzung, während Jamie Green mit lädierter Heckpartie seinen fünften Platz vor Markus Winkelhock ins Ziel rettete. Mike Rockenfeller und Mattias Ekström komplettierten die Punkteränge.

Die Meisterschaft: Trotz des Rückschlags für Auftaktsieger Mattias Ekström führt Audi die Fahrerwertung komfortabel an: Mit 18 Punkten steht Timo Scheider an der Spitze der Fahrerwertung, gefolgt von Martin Tomczyk mit 13 und Mattias Ekström mit elf Punkten. Erst auf Rang vier folgt mit gleicher Punktzahl Bruno Spengler als bester Mercedes-Pilot vor Teamkollege Jamie Green. Mit drei Punkten ist Markus Winkelhock bisher erfolgreichster Jahreswagenpilot.

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