Nachdem sich auf der Strecke stets das Gerücht eines Überholverbots in Oschersleben hielt, eignet sich auch die Boxengasse nicht mehr für Aufholjagden...

Wer sich nicht zum illustren Audi-Quartett in den ersten beiden Startreihen zählt, scheint in der Zwickmühle zu stecken: Möglichst noch auf den ersten Metern wollen die Verfolger Plätze gutmachen - dabei jedoch die Gefahren der ersten Kurve nicht außer Acht lassen. Früh wollen sie ihre Rennperformance in Überholmanöver umsetzen - doch geeignete Kurven sind spärlichst gesät. Und auch die Boxenstoppstrategie eignet sich seit Hockenheim nur noch bedingt dazu, Versäumnisse des Samstags auszugleichen...

"Es wird weniger Fouls geben von Jahreswagen, die erst spät zum Tanken kommen und die Neuwagen blockieren sollen", verweist auch Jamie Green im Gespräch mit der adrivo Sportpresse zunächst auf die positiven Auswirkungen des Boxenstoppfensters, das sich in Oschersleben über die Runden 15 bis 29 erstreckt. Insbesondere im überholfeindlichen Oschersleben hatten sich die stark differierenden Taktiken einst als Problem gewesen. Die Aufregung am Audi-Kommandostand 2006, als der spätere Sieger Tom Kristensen partout keinen Weg an den Mücke-Jahreswagen vorbeifand, sind in Erinnerung geblieben. Dennoch befürchtet auch Green: "Negativ ist vielleicht, dass die Rennen nun voraussehbarer werden."

Wie schon in Hockenheim trauert der erneut siebtplatzierte Brite dem bis 2007 möglichen ersten Stopp in Runde sechs etwas nach: "Für mich wäre es besser gewesen, schon in Runde sechs stoppen zu können und mir so freie Fahrt zu verschaffen." Audi-Sportchef Dr. Wolfgang Ullrich stimmt nur eingeschränkt zu. "Vielleicht kann man es so sehen, dass uns das Boxenstoppfenster in die Hände spielt, weil strategische Aufholjagden schwieriger sind", wägt der Österreicher ab, "aber auch nach den alten Reglement ist der Führende oft zum frühestmöglichen Zeitpunkt in die Box gekommen. Das ist ein Strategiespiel, das man auf Grund der Zeiten morgen festlegen muss."

So setzt Ullrich auf einen frühen Vorsprung seiner Audi-Armada und anschließend ähnlich getimte Boxenstopps wie bei Mercedes - ein schon in Hockenheim bewährtes Erfolgsrezept. Dennoch herrscht - abhängig vom Startplatz - auch in Audi-Reihen Kopfzerbrechen über die morgige Strategie. "Die einzige Strategie kann sein, einen guten Start hinzulegen und vielleicht ein oder zwei Plätze zu gewinnen", kündigt der nach seinem Unfall nur von Platz 14 startende Alexandre Prémat an.

Er setzt auf frühestmögliche freie Fahrt: "Bei der Strategie müssen wir das Beste geben, aber das Boxenstoppfenster ist nun einmal sehr klein. Wir sollten aber den ersten Stopp so früh wie möglich, also in den ersten drei Runden des Fensters, absolvieren." Auch meteorologisch verspricht das Rennen keine taktische Aufregung: Die Wahrscheinlichkeit, dass während des Rennens auf Regenreifen gewechselt werden muss, ist verschwindend gering...

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