Noch lassen die alljährlichen Sturmböen auf sich warten - Audi hingegen schlug erwartungsgemäß von Beginn an zu. Für Abwechslung sorgten Dreher en masse.

Auch an Testfreitagen ist Oschersleben eher für eine begrenzte Spannung bekannt - so denn nicht wieder einmal der Frühjahrssturm zum Angriff bläst. Fünf Tage nach dem Saisonauftakt in Hockenheim kämpfte die DTM daher mit bekannten Phänomen: Die Regentropfen wollten auch heute vor allem am Nachmittag nicht von der 3,7 Kilometer langen Asphaltbahn lassen, und auch heute ging die Zeitenjagd überdeutlich an die Ingolstädter. In Audi-Reihen erlebte nur Mattias Ekström bange Minuten: Wegen eines möglichen Gelbvergehens musste der Schwede für morgen um fünf Plätze in der Startaufstellung fürchten - und kam am Ende mit dem Schrecken davon...

Schneller Timo

Zum dritten Mal hatte Timo Scheider in Hockenheim auf der Pole Position gestanden - zum dritten Mal reichte es nicht zum Sieg. Ein Déjà-vu, von dem sich der Abt-Audi-Pilot in Oschersleben nicht beirren ließ: Scheider knüpfte mit zwei Bestzeiten am Vor- und Nachmittag nahtlos an seine Topform von Hockenheim an - und distanzierte sogar den jeweils besten Teamkollegen um mehr als drei Zehntelsekunden. Auch Paul di Resta als jeweils bester Mercedes-Vertreter auf den Rängen zwei und sechs sah gegen den Lahnsteiner kein Land: Mit je sechs Zehntelsekunden hatten die Stuttgarter mit ähnlichen Rückständen zu kämpfen wie vor einer Woche in Hockenheim - trotz zehn Kilogramm Gewichtsvorteil.

"Man muss vorsichtig sein, die Zeiten zu beurteilen. Es hing auch davon ab, wann man mit welchen Reifen auf der Strecke war", will Audi-Sportchef Dr. Wolfgang Ullrich den erneuten Bestzeiten für Timo Scheider nicht allzu viel Bedeutung zumessen. "Aber jeder hat heute viel gelernt ? im Regen wie im Trockenen. Daher bin ich sicher, dass wir unsere Autos morgen bei jedem Wetter auf gute Setups stellen können." Weniger optimistisch gibt sich mit Blick auf mögliche feuchte Bedingungen Scheider selbst: "Die Trocken-Performance war heute perfekt. Im Nassen haben wir mit dem neuen Auto noch etwas Nachholbedarf."

Nachholbedarf verspürte auch Mercedes beim Thema Servolenkung. So bot der Freitag selbst bei der sonst unerschöpflichen Auswahl möglicher Defektgründe nichts Neues: So war es heute die Servolenkung von Mathias Laudas 2007er-C-Klasse, die ihren Dienst versagte - nachdem schon Susie Stoddart am Rennsonntag in Hockenheim mit der Lenkung zu kämpfen hatte. Tröstende Worte gab es für den Österreicher mutmaßlich von Bruno Spengler: Am Steuer des 2007er-Mercedes erlitt der Kanadier beim zweiten Saisonlauf des letzten Jahres den zweiten Servolenkungsdefekt in Folge - und konnte seine Podestträume begraben...

Wendiger Bernd

Mit dem Umgraben der Kiesbetten war heute derweil mehr als nur eine Handvoll Piloten beschäftigt: Während sich Jamie Green im ersten Test gleich zwei Mal neben der Strecke fand, fühlten sich auch Bruno Spengler und Katherine Legge in Richtung Leitplane gezogen. Die ständig wechselnden Streckenbedingungen forderten ihren Preis. Markus Winkelhock baute am Nachmittag vor - und testete nach wiederholtem Ausrutscher in der letzten Kurve, ob die Rückkehr auf die Strecke im Vorwärts- oder im Rückwärtsgang zeitsparender ist. In der Auslaufzone der ersten Kurve siegte Bernd Schneider beim Wettbewerb um das schönste Wendemanöver über Katherine Legge: Dem eleganten Donut des Altmeisters hatte die Britin nichts entgegenzusetzen.

"Die erste Kurve ist nicht ganz so optimal; man sieht viele gelbe Flaggen, weil Autos geradeaus gefahren sind", beobachtete auch Ralf Schumacher, der größere Ausrutscher heute ebenso wie sein Markenkollege Gary Paffett zu verhindern wusste. Der Brite fing seinen Vorjahres-Mercedes nach einem Beinahe-Dreher gekonnt ab: "Allmählich trocknete die Strecke ab, aber ich fuhr noch auf Regenreifen, die unter diesen Bedingungen deutlich nachließen. Generell sollten wir im Nassen konkurrenzfähig sein..."

Einsamer Ralf

Nicht nur die aus den beiden Vorjahren gewohnten Sturmböen, die 2006 die Mercedes-Hospitality ihres Dachs entledigten, blieb am diesjährigen Wochenende in der Magdeburger Börde bislang aus. Auch der Andrang auf Ralf Schumacher gestaltete sich weit weniger stürmisch als noch in Hockenheim. Geduldig beantwortete er beim Pressegespräch die Fragen der in ihrer Zahl überschaubaren Medienvertreter - auch die der leicht verwirrt scheinenden Wirtschaftspresse. Schumacher hat sich zumindest mental bereits bestens in die DTM eingelebt: "Am Start wird es spannend, wie viele Autos dadurch passen. Es werden sicher viele Außenspiegel liegen bleiben. Man fühlt sich sichererer, wenn man weiß, dass sich die Räder nicht in anderen Autos verhaken können. Die Autos vertragen Einiges...

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