So sehr sie sich auch mühten - erfolgreiche Überholmanöver blieben Martin Tomczyk und Markus Winkelhock in der Endphase verwehrt. Ein altbekanntes Problem...

Der erste Saisonlauf in Hockenheim war eine Wohltat - nicht nur aus Ingolstädter Sicht. Nach einem erschreckenden Unfall im vergangenen Jahr blieben fatale Berührungen heute aus; die 19 DTM-Piloten präsentierten sich diszipliniert wie schon lange nicht. Grenzwertige Manöver fielen ebenso wenig auf wie das Debüt der neu eingeführten Boxengassenstrafe. Doch so fair die sehenswerten Zweikämpfe auch abliefen - so mancher Zuschauer hätte sich erfolgreiche Überholmanöver in größerer Zahl gewünscht...

Für das prominenteste der eher spärlichen Duelle sorgte Martin Tomczyk, nachdem er im letzten Renndrittel auf den viertplatzierten Bruno Spengler aufgeschlossen hatte. "Wenn du das Heck von Bruno elf Runden lang siehst, gefällt es dir immer weniger. Es war ein toller Zweikampf, nur mit dem falschen Ausgang. Aber ich wollte kein zu großes Risiko eingehen. Einmal war es in der Haarnadel ganz knapp", beschreibt Tomczyk gegenüber der adrivo Sportpresse, "ich hatte vier Mal die Möglichkeit zu überholen, einmal war ich in der Spitzkehre direkt neben ihm, aber am Ende hat es nicht funktioniert."

Spengler selbst nahm die Angriffe Tomczyks zwar zur Kenntnis, ließ sich von ihnen jedoch nicht aus der Ruhe bringen: "Am Ende war es schwierig, Martin hinter mir zu halten, aber letztlich hatte er nie die Chance, mich zu überholen." Zwar kämpfte der Kanadier mit dem mangelnden Grip seines 2008er-Mercedes, konnte sich auf Grund der eher topspeedorientierten Ausrichtung seines Dienstwagens auf den Geraden immer wieder einen kleinen Vorsprung erarbeiten. Die seit Jahren vor allem in dieser Hinsicht verschiedene Charakteristik der Audi- und Mercedes-Boliden fiel heute besonders ins Auge. Auch Markus Winkelhock merkte: "Normalerweise kann man in der Spitzkehre gut überholen - aber mit den Audis ist das nicht so leicht."

So blieb auch Winkelhock, der auf Platz zwölf im Sandwich von Alexandre Prémat und Paul di Resta Protagonist des Kampftrios war, mit seinen Überholversuchen gegen den Franzosen erfolglos. Auch er musste das Heck des Vordermanns ausführlicher studieren, als es ihm lieb war. "Das Überholen in der DTM ist wirklich nicht so einfach, denn wir sind alle auf einem ähnlichen Level. In meinem Zweikampf mit Markus haben wir das wieder gesehen. Ich habe versucht fair zu bleiben, und das ist auch gelungen", schildert der Franzose aus seiner Sicht, "allerdings sah ich, dass er manchmal schon extrem nahe an mir dran war; einmal hat er mich kurz berührt und eine Verwarnung dafür bekommen." Eine Verwarnung, die Winkelhock zwar gelassen nahm, aber dennoch nicht ganz nachvollziehen konnte.

"Ich bin der Meinung, dass im Tourenwagensport Kontakt dazu gehört. So wie es zwischen Alex und mir passiert ist, war das weit entfernt davon, unfair zu sein. Insofern war die Verwarnung vielleicht ein bisschen übertrieben", äußert der Rosberg-Pilot uns gegenüber leichte Kritik an der Rennleitung. Selbst empfand er das Duell, nachdem er noch im Cockpit wild mit den Armen gefuchtelt hatte, in Nachhinein als durchaus willkommen: "Ich war mindestens das halbe Rennen hinter ihm. Aber in der DTM gibt - zum Glück - keine Stallorder mehr, somit muss sich jeder Fahrer selbst seinen Platz erkämpfen."

Mit den Blick auf das kommende Rennen in Oschersleben droht sich die Überholproblematik zu verschärfen. "In Oschersleben wissen wir, dass das Überholen dort sehr schwieirig. Dort zählt das Qualifying", weiß Martin Tomczyk. Die Motorsport Arena in der Magdeburger Börde ist bekannt für enges und winkliges Layout, das nur in der Boxengasse Positionswechsel zulässt. Droht in einer Woche eine Start-/Ziel-Prozession, nachdem das Boxenstoppfenster zumindest heute nur für geringe Verschiebungen sorgte?

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