Für emotionale Auftritte war Timo Scheider schon vor seinem ersten Sieg bekannt. Heute übertraf er sich noch einmal selbst...

"Ein geiler Tag! Ein unglaublicher Moment, auf den ich lange hingearbeitet habe. Die Äbte haben mir ein perfektes Auto hingestellt und tolle Boxenstopps hingelegt." Timo Scheiders Superlative, auch nach geringeren Erfolgen als dem ersten Sieg traditionell nicht mit Emotionen sparend, wollten heute kein Ende finden. Seinen souveränen ersten Sieg kostete der mittlerweile 76-fache DTM-Rennteilnehmer so gut aus, wie es nur ging: Nur zögerlich verließ Scheider im Parc fermé seinen Audi A4, sichtlich genoss er die anschließende Siegerpose auf dem Fahrzeugdach. Die Planung der heute Abend folgende Party hat er bereits in Auftrag gegeben...

"Nervös war ich nur während der Safety-Car-Phase, die sicherlich aus Sicherheitsgründen die richtige Entscheidung war. Es lagen zu viele Karbonteile auf der Strecke", sagte Scheider gegenüber der adrivo Sportpresse. Doch auch die unerwartete Gelbphase konnte den Lahnsteiner am Ende nicht aus der Ruhe bringen: "Für die erste Runde nach der Gelbphase musste mein die Reifen und Bremsen optimal auf Temperatur bringen; man durfte sich wegen des ganzen Pick-ups, das die Reifen aufgesammelt hatten, nicht gleich in der ersten Kurve verbremsen. Dabei habe ich alles richtig gemacht."

Zuvor war das Rennen für den neuen Meisterschaftsführenden eher entspannt verlaufen. Nach dem ersten Schock über Tom Kristensens Frühstart gab sich Timo Scheider auf dem Weg zum ersten Triumph keine Blöße. "Vorher habe ich mich voll konzentrieren können und konnte sofort eine Lücke zu Martin herausfahren. Diese Lücke konnte ich gut verwalten - ein angenehmes Gefühl", berichtet Scheider, dessen Übermacht auch Teamkollege Tomczyk neidlos anerkennen musste, "das Auto funktionierte perfekt und ich konnte mich darauf konzentrieren, keinen unnötigen Fehler zu machen."

Dass er mit einer Wartezeit von 75 Rennen auf seinen ersten Sieg so lange warten musste wie kein anderer Sieger in der neuen DTM, störte Scheider heute eher wenig: "Statistiken sind toll für Leute, die es interessiert. Aber mich interessiert die Performance an dem Tag, den ich erlebe. Ich hoffe, dass nun noch viele Podestplätze und Siege dazukommen." Ob es dazu schon in zwei Wochen im italienischen Mugello kommt, wo Audi im vergangenen Jahr eine Fünffach-Pole eingefahren hatte? Trotz des heutigen Jubels bleibt Scheider realistisch: "Wir bekommen nun weitere zehn Kilo zuzuladen - wir müssen hart arbeiten, um dort wieder gut auszusehen. Es wird ein hartes Unterfangen, denn dort ist Mercedes nicht zu unterschätzen..."

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