Mit einem schwachen Audi-Rennen hatte nach dem Qualifying niemand mehr gerechnet - doch auch nicht mit einem ungefährdeten Dreifach-Sieg...

Beinahe war es zur Gewohnheit geworden, dass die Stuttgarter Konkurrenz nach dem Hockenheimer Gastspiel mit einer schweren Hypothek in den Rest der Saison gingen. Ein doppelter bis dreifacher Mercedes-Sieg schien daheim in Baden-Württemberg zum guten DTM-Ton zu gehören. Zwar hatte Mercedes den Sieg bereits im vergangen Jahr mit der damals komplett neuen C-Klasse der Konkurrenz überlassen müssen - zu gravierend waren Umstellung und Eingewöhnung an den neuen Boliden. Doch dass Audi den Vorjahreserfolg mit einem Dreifachsieg jetzt gar toppen konnte, überraschte doppelt: Wie soll Mercedes den neuen Audi R14 auf der "Audi-Strecke" Oschersleben stoppen, wenn man selbst in Hockenheim deutlich unterlag?

"Man kann sich zwar intern mit den Vorjahresautos messen, da man weiß, wer mit wie viel Gewicht fährt - und doch wussten wir trotz meiner Bestzeit auch in Oschersleben noch nicht, wie gut wir wirklich sind", schildert Timo Scheider gegenüber der adrivo Sportpresse das wochenlange Rätselraten. Schon zur Präsentation des neuen A4 DTM rühmte sich Audi einer besonders ausgeklügelten Aerodynamik, entwickelt mithilfe der softwaregestützten, numerischen Strömungssimulation. Doch auch auf den ersten Blick war zu erkennen, dass Audi das seit 2004 mit dem ersten A4 eingeführte Konzept einer besonders abtriebsorientierten Heckpartie nochmals verfeinert hat.

Auch der mechanische Grip wurde mithilfe eines gesenkten Fahrzeugschwerpunkts verbessert. "Am Freitag hatte ich schon das Gefühl, dass sich das Auto über die Distanz noch besser anfühlt, als das bei einem Audi je zuvor der Fall war", lobte Kristensen das offenbar gelungene Gesamtkonzept des neuen R14. Probleme beim Grund-Setup seines Boliden stellten sich für den Dänen von Beginn an nicht: "Die Tendenz im Winter war immer steigend - unsere Truppe hat eine gute Arbeit geleistet. Mein Auto ist mehr oder weniger vom Windkanal auf die Strecke in Oschersleben gekommen. Ich habe mich von Beginn an wohl gefühlt."

Auch Timo Scheider präsentierte sich positiv überrascht von der unproblematischen Setup-Arbeit - die er sich mit Blick auf das Rennen selbst verkomplizierte. "Wir haben von Freitag bis zum Qualifying am Auto nur minimal etwas am Setup verstellt - nur den Flügel zu verstellen ist eigentlich extrem untypisch am Rennwochenende", berichtete Pole-Sitter Scheider, "ich hatte mein Auto etwas untersteuernd abgestimmt, denn ich dachte, dass das später bei abbauenden Hinterreifen der Schlüssel zum Erfolg ist. Aber nachdem ich hinter Mattias war, habe ich festgestellt, dass so Hinterherfahren in den schnellen Passagen nicht möglich war."

Ohnehin tat sich der neue A4 DTM in Hockenheim ebenso wie sein Vorgänger beim Überholen auffallend schwer. Mercedes-Pilot Bruno Spengler bemerkte im Kampf mit Martin Tomczyk: "Audi hatte einen sehr guten Grip, ich hingegen hatte Schwierigkeiten mit der Haftung." Das umgekehrte Bild auf der Geraden: Während die C-Klassen beider Jahrgänge den Audi-Boliden mit relativer Leichtigkeit stets einige Meter abnehmen konnten, kamen die Herren der Ringe nur mit Mühe hinterher. Ein Manko, das sich verschmerzen lässt, solange die Ingolstädter ihren aerodynamischen Grip weiterhin so nutzen wie in Hockenheim...

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