Bislang fand das Boxenstoppfenster ein positives Echo. Doch die Fahrer wittern auch Gitter in den Fenster - die gewohnten Freiheiten sind stark beschnitten.

Jahreswagenblockaden, undurchsichtige Strategien, verwirrte Zuschauer - all das sollte mit einer Änderung am Sportlichen Reglement der Vergangenheit angehören. Doch nachdem ursprünglich zwei getrennte Zeitfenster für die beiden Pflichtboxenstopps angedacht waren, schlugen die Taktiker an den Kommandoständen am Ende den Kompromiss eines einzelnen Boxenstoppfensters im zweiten Renndrittel heraus. So bleiben mehr strategische Freiheiten. Gut für die strategische Spannungskomponente, schlecht angesichts möglicher Überbleibsel der letztjährigen Blockadetaktiken...

"Natürlich kann ich jetzt nicht mehr früh in die Box kommen, um mir eine freie Strecke zu verschaffen, aber generell ist die neue Regelung besser", wägt Jamie Green gegenüber der adrivo Sportpresse ab, "man kann genauso wenig extrem spät stoppen wie extrem früh - insofern kann man von anderen Autos auch nicht mehr in diesem Maße aufgehalten werden. Es gab immer wieder Fahrer, die spät zur Box gekommen sind, um uns so zu blockieren. Das Problem sollte sich nun verringern."

Doch ebenso wie Green hätte auch Bruno Spengler aus der Verfolgerposition heraus möglicherweise von einem möglichst frühen Stopp - gemäß der alten Regel in Runde 6 - profitieren können. So muss sich der Kanadier von Beginn an freie Fahrt verschaffen, anstatt auf den ersten Boxenbesuch zu hoffen: "Wir müssen uns umstellen, denn die ersten 13 Runden müssen wir fahren, ohne einen Boxenstopp einzulegen. Der Start ist deshalb umso wichtiger - da darf kein Fehler passieren."

Tom Kristensen baut lieber vor - und will künftig schon im Qualifying vor seinem Teamkollegen landen, anstatt auf einen guten Start zu hoffen. "Das Qualifying ist jetzt umso wichtiger, denn einen schlechten Startplatz kann man nicht mehr so gut durch die Strategie ausgleichen", erläutert der Däne, der heute gegen seinen Teamkollegen Timo Scheider das Nachsehen hatte, "es ist auch wichtig, vor seinem Teamkollegen zu sein, denn der erste Boxenstopp ist normalerweise für den besser platzierten Fahrer eines Teams."

In Reihen der Jahreswagen sieht man das Boxenstoppfenster weit weniger differenziert - die Erleichterung überwiegt. "Ich glaube, dass mir das Boxenstoppfenster zu Gute kommen wird. Die Strategien werden nicht ganz so extrem sein wie im letzten Jahr, und ich kann eher mein eigenes Rennen fahren", freut sich Persson-Pilot Mathias Lauda, der im vergangenen Jahr besonders wiederholt den HWA-Neuwagen mit spät angesetzten Boxenstopps unter die Arme greifen musste. Wenn schon nicht diesmal von Rang 19 aus, so will er doch zumindest künftig ohne markenstrategische Hindernisse auf Punktejagd gehen.

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