Ralf Schumacher bekommt von Kollegen wie Vorgesetzten ein positives Zeugnis ausgestellt - mathematischer Uneinigkeiten zum Trotz...

Schon beim Beschreiten des Hockenheimer Fahrerlagers war Ralf Schumachers Anwesenheit für seine 18 DTM-Kollegen spürbar: Während Fotografen und Fans Menschentrauben um den Ex-Formel-1-Piloten bildeten, konnten sich die übrigen Piloten nahezu ungestört ohne Foto- und Autogrammwünsche durchs Fahrerlager bewegen. Was eitlen Gemütern in Reihen der DTM-Fahrer missfallen haben dürfte, erwies sich nüchtern betrachtet als enormer Zeitgewinn. Doch nicht nur aus rein rationalen Gründen wird Ralf Schumacher auch von Fahrerkollegen als Gewinn für die Serie gesehen...

"Ich habe ihm schon vor der Saison gesagt, dass er mich positiv überrascht, wenn er in den ersten fünf Rennen unter die ersten fünf kommt. Um sich in der DTM durchzusetzen, braucht man mehr als nur ein Rennen", gesteht auch Mattias Ekström dem prominentesten DTM-Neuling die nötige Eingewöhnungszeit zu. Nach Schumachers Lobeshymne auf die "Audi-Jungs", von denen er "vor allem Mattias schon sehr gut kennen gelernt" habe, erwiderte Ekström das Kompliment: "Er hat bisher einen sympathischen Eindruck gemacht - ich war charakterlich positiv von ihm überrascht."

Ekströms Teamkollege Timo Scheider hatte Schumacher in menschlicher Hinsicht schon vor Wochen ein positives Zeugnis ausgestellt. Seit Jahren kennen sich die beiden nicht zuletzt wegen des lange Zeit gemeinsamen Willi-Weber-Managements. "Ralf hat es auch selbst so gesehen, dass das seine Region sein wird", sagte Scheider mit Blick auf den 14. Platz des sechsfachen Grand-Prix-Siegers, "damit wird er vorerst zurechtkommen müssen, denn er muss sich noch eingewöhnen. Er ist auf jeden Fall ein Rennfahrer, der eine gute Pace bringen kann."

Bescheidenheit war für Ralf Schumacher seit der Bekanntgabe seines DTM-Engagements bei Mercedes charakteristisch gewesen. Auch Norbert Haug stimmte ein - und prognostizierte dem zweiterfolgreichsten deutschen F1-Piloten auch mittelfristig nur Startplätze im letzten Drittel der Startaufstellung. Mit Schumachers denkbar knappem Ausscheiden in der ersten Qualifying-Session - und dem daraus folgenden 15. Startplatz - behielt der Mercedes-Sportchef am Ende Recht. Über die Frage, ob Schumacher mit Platz 14 im Rennen noch immer zum letzten Drittel gehöre, herrschte jedoch Uneinigkeit...

"Ralf hat das Ziel sogar ein bisschen übererfüllt, wenn wir das Ziel mathematisch präzise betrachten", behauptete Haug - während der mathematisch präzise Taschenrechner einen zwölften Platz als Mindestvoraussetzung zum Einzug ins mittlere Drittel ausspuckte. Haug relativierte: "Wenn ich 19 Autos habe und 14. werde, ist er aus dem letzten Drittel ja fast gar schon raus." Und relativierte nochmals: "Oder zumindest punktgenau da." Und auch sonst erhielt der punktgenaue Ralf, der bis zum Ende des Rennens mit seiner Aufholjagd auf das Kampftrio aus Prémat, Winkelhock und Di Resta eine durchaus beachtliche Steigerung hingelegt hatte, positives Feedback des Chefs...

"Er hat viel Gutes für die DTM und für sich getan. Er hat sich hier als ein sympathischer Fahrer gezeigt", stellte Haug mit Blick auf seinen früheren Konkurrenzpiloten fest, "er ist vor fünf Jahren noch gegen McLaren-Mercedes und Ferrari um die Formel-1-Weltmeisterschaft gefahren. Noch muss er sich mühen, 14. zu werden. Nicht deswegen, weil er so schlecht wäre, sondern die anderen so gut sind."

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