Auch der zweite Diensttag in Oschersleben verlief so, wie von Mercedes bereits befürchtet - erst der Start verspricht Überraschungseffekte...

Auch am Oschersleben-Sonntag zeigte Timo Scheider keine falsche Bescheidenheit - und riss sämtliche Bestzeiten an sich. Und auch heute wollte die seit Mugello 2007 währende Pole-Serie der Ingolstädter nicht reißen. Lediglich die gewohnten Sturmböen ließen in der Magdeburger Börde noch immer auf sich warten: Statt für abgedeckte Hospitalitys sorgte der Wind lediglich für gefühlte Minusgrade...

Timos Prophezeiung

So lassen sich im Nachhinein die vage erscheinenden ITR-Tests in Oschersleben als gelungene Prognose für den zweiten Saisonlauf werten: Auch vor drei Wochen hatte hier kein Weg an Timo Scheiders Gesamtbestzeit vorbeigeführt. Doch schon damals hatten die Ingolstädter nicht nur gute Zeiten, sondern auch einige Karbonscherben zu verzeichnen: Auf Mattias Ekströms defektbedingten Crash bei den Tests folgte heute ein folgenschwerer Dreher Alexandre Prémats. "Ich habe in Kurve zehn das Heck verloren, ich schlug in die Mauer ein und meine Session war zu Ende", berichtete der unverletzte Prémat. Doch nicht nur die Session des Franzosen endete vorzeitig...

Der um den Rest der zweiten Session erweiterte letzte Durchgang erlebte mit 13 Teilnehmern ungewöhnlich viel Verkehr - zu Jamie Greens Ungunsten. Der Brite beklagte, die Aufwärmphase seiner Reifen sei im Verkehr jäh unterbrochen worden. Tatsächlich tat sich nicht nur Green schwer, die Dunlop-Pneus bei einstelligen Celsius-Werten auf die nötige Temperatur zu bringen. Doch dass sich insbesondere Timo Scheider beim Aufwärmen der Reifen geschickt anstellte, konnte nicht der einzige Grund für die Audi-Vierfach-Pole sein. "Die Performance an den Tag zu legen, die wir eben mit vier Audis in den ersten beiden Reihen gezeigt haben, ist nicht in Worte zu fassen", jubelte Scheider, der sich vor "Mr. Oschersleben" Tom Kristensen platzierte.

Eine zwischenzeitlich flatternde Motorhaube hatte den Lahnsteiner nicht aus der Ruhe gebracht. "Dank der Mannschaftsleistung meiner Jungs haben wir das Auto schnell reparieren können. Toms Mechaniker sind noch hinzugekommen um mitzuhelfen", bemerkte Scheider - nachdem der Audi-Sportchef bereits ausführlich die "Teambuilding"-Maßnahmen der Ingolstädter im Winter gelobt hatte. Auch der drittplatzierte Martin Tomczyk zeigte sich selbstbewusst - und traut den Stuttgartern für morgen keine bedeutende Steigerung zu: "Die Berechnungen besagen ein Zehntel als Auswirkung des Gewichtsunterschieds - das hält sich in Grenzen. Die Entwicklungszeit war zwischen Hockenheim und Oschersleben ohnehin sehr begrenzt."

Christijans Ambitionen

"Ich bin nicht zu 100 Prozent zufrieden, aber nicht enttäuscht. Ich war fast das ganze Wochenende so schnell wie Oliver Jarvis, wir lagen nur um Hundertstelsekunden auseinander. Aber im Qualifying habe ich keine richtig gute Runde hinbekommen", konnte auch Markus Winkelhock als zweitbester Audi-Jahreswagen-Pilot auf Platz neun von der Performance des viertplatzierten Briten nur träumen. Selbst Jarvis\' früherer Teamkollege aus der britischen F3, Maro Engel, zollte Respekt: "Ich kann mich nicht mit Oliver vergleichen, denn ich kenne sein Auto nicht. Aber es sieht so aus, dass er einen Job macht - er war seit Hockenheim immer schnellster Audi-Jahreswagen."

Der Jubel um Jarvis passte ins Bild des beinahe perfekten Audi-Tags - während Mathias Lauda mit dem Schicksal haderte. "Bei mir lief bisher das ganze Wochenende total daneben. Am Freitagvormittag konnte ich überhaupt nicht fahren, weil ich ein Problem mit der Lenkung hatte. Am Nachmittag bin ich abgeflogen, kurz bevor es trocken wurde. Also konnte ich wieder nicht im Trockenen auf neuen Reifen testen", klagte Lauda, der sich nach viel versprechenden Zeiten im letztjährigen Oschersleben-Lauf unter Wert schlug, "dafür war meine 1:22.9 im Qualifying okay - mit der Zeit wäre ich letztes Jahr in der letzten Session gewesen."

Frust herrschte auch bei Christijan Albers nach dem Ausscheiden in der ersten Quali-Session. Während Lauda für den morgigen Start hofft, "dass die anderen wieder schlafen", gibt sich der Niederländer ähnlich trotzig: "Mit Platz eins wäre ich zufrieden - es ist lange genug her, dass ich dort war." Für das reibungslose Passieren der gefürchteten, weil extrem engen ersten Kurve könnten die Ambitionen des frühen F1-Piloten im 2006er-Audi eher hinderlich sein...

Toms Optimismus

Nicht nur die bange Frage, ob es das Starterfeld ohne Halbierung seiner Mitgliederzahl durch die tückische 90-Grad-Kurve nach Start und Ziel schafft, bereitet im Fahrerlager Kopfzerbrechen. Auch die Qualität der Starts wird mit Spannung erwartet. "Ziel ist für mich, nicht so viele Startplätze zu verlieren wie in Hockenheim", gibt sich Ralf Schumacher gewohnt bescheiden, während Markenkollege Lauda kämpferisch ankündigt: "Wir haben im Winter sehr ausführlich die Starts geübt. Mittlerweile mache ich am Start kaum noch Fehler." Und auch Tom Kristensen ist optimistisch - sieht er sich insgeheim doch schon zum ersten Mal seit Zandvoort 2006 ganz oben auf dem Podest stehen. "Ich habe gehört, dass Timos Start in Hockenheim nicht sehr gut war..."

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